MegaUpload-Schließung schadete Umsätzen sogar

26. November 2012, 15:33 Uhr

Eine Studie legt nahe, dass die Schließung des Filesharing-Anbieters MegaUpload der Filmindustrie mehr schadet als nützt. Doch diese Schlussfolgerung ist trügerisch. Von Ellen Ivits

Megaupload, Film, Filmindustrie, Verluste, Studie, Umsätze, Schließung, München, Universität, Internet, Filesharing, trügerisch, Christian Peukert, Claussen

Der Gründer von Megaupload Kim Dotcom wurde 2012 verhaftet und die Plattform stillgelegt©

Die Studie von Christian Peukert und Jörg Claussen ist für alle Filesharing-Befürworter ein gefundenes Fressen. Als vor rund einem Jahr die Plattform MegaUpload liquidiert wurde, feierte die Filmindustrie einen Sieg im Kampf gegen die Raubkopie-Szene. In ihrer Studie vermuten die beiden Studenten jedoch, dass dieser Schritt der Filmbranche eher geschadet hat.

Peukert, Student der Ludwig-Maximilians-Universität in München, und Claussen von der Copenhagen Business School haben für ihre Studie Zuschauerdaten von 1344 Filmen in 49 Ländern ausgewertet. Der Zeitraum der Untersuchung beginnt im August 2007, als MegaUpload seinen Dienst aufgenommen hat.

MegaUpload wurde schnell eines der beliebtesten Filehoster weltweit. Eigenen Angaben zufolge wurden 4 Prozent des gesamten Internet-Verkehr über die Plattform abgewickelt. Dateien, die auf die Seite hochgeladen wurden, konnten von Nutzern entweder als Downloads oder Streams konsumiert werden. Während die Größe der kostenlosen Downloads begrenzt war, konnten Premium-Mitglieder unbeschränkt Filme und Musik herunterladen. Im Januar 2012 wurde der Gründer von MegaUpload Kim Dotcom allerdings verhaftet und das Angebot geschlossen.

Sinkende Besucherzahlen seit 2001

Die beiden Studenten verglichen in ihrer Studie die Daten aus der Zeit, als MegaUpload noch in Betrieb war, mit den Daten nach der Stilllegung der Seite. Sie kamen zu dem Ergebnis: Das Abschalten der Plattform wirkt sich negativ auf die Umsätze der Filmindustrie aus. Seit der Schließung von MegaUpload werden immer weniger Besucher an den Kinokassen verzeichnet.

Große Blockbuster, die in aufwendigen Werbekampagnen angepriesen werden, konnten zwar weiterhin hohe Zuschauerzahlen erreichen. Bei kleineren Produktionen ist hingegen ein klarer Abwärtstrend erkennbar. Die Wissenschaftler stellen daher die Theorie auf, dass insbesondere Filme, die über kein großes Werbe-Budget verfügen, unter der Stilllegung von MegaUpload leiden. Sie vermuten, dass illegal heruntergeladene Filme anschließend durch Mundpropaganda bekannter werden und so mehr Zuschauer in die Kinos locken können.

Allerdings ist die Herstellung dieses Kausalzusammenhangs bedenklich. Der Erfolg von Kinofilmen ist von deutlich mehr Faktoren abhängig als von dem Ende einer einzelnen Filesharing-Plattform. Damit allein die rückläufigen Zuschauerzahlen zu begründen, ist schlicht wissenschaftlich nicht korrekt. Zudem sinken die Zuschauerzahlen schon seit 2001. In Deutschland war das Jahr 2001 mit knapp 178 Millionen Besuchern ein Rekordjahr. 2005 konnten hingegen lediglich 127 Millionen Kinobesuche registriert werden.

So gerne man es auch glauben würde – doch die Schlussfolgerung, dass Filesharing einen positiven Effekt auf die Filmindustrie haben könnte, ist mit Vorsicht zu genießen.

Zum Thema
Schlagwörter powered by wefind WeFind
Filesharing München Stilllegung Universität
Digital
Ratgeber und Extras
iPhone 6: Die nächste Smartphone-Generation iPhone 6 Die nächste Smartphone-Generation
Vergleichsrechner
Finden Sie den günstigsten DSL-Tarif Finden Sie den günstigsten DSL-Tarif Unser kostenloser DSL-Vergleich zeigt Ihnen die DSL-Tarife, die am besten zu Ihnen passen. Zum Tarifvergleich
 
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von Amos: Rauchen auch auf dem Balkon bald verboten? Rauchen nur noch im Keller unter Luftabschluß?

 

  von Amos: Ich kapiere es einfach nicht: hätte ich 100.000 Schweizer Franken: wären das jetzt mehr oder...

 

  von StechusKaktus: Was genau kauft die EZB im Rahmen des QE an?

 

  von blog2011: Problem mit dem Downloadhelper auf YouTube im Firefox-Browser

 

  von bh_roth: Gibt es mehr als einen Bundespräsidenten??

 

  von Gast 104252: Umzug eines Hartz iv-Empfängers in das elterliche Haus

 

  von wiesse: Muss ein Inkassobüro den Nachweis erbringen, dass sie den Auftrag vom Auftraggeber erhalten haben

 

  von Reinhard49: wie hoch ist die Kfz-Steuer bei Dieselfahrzeugen

 

  von Gast 104125: Warum weht der Wind VOM Tiefdruckgebiet her ? Zum Luftdruckausgleich müsste ein Tief doch eher...

 

  von Celsete: Muss man sich mit dem System Hartz IV abfinden?

 

  von Amos: Hörte eben: the Secretary General für den Uno-Generalsekretär. Wieso ist das umgekehrt wie im...

 

  von Gast 103454: Wann erbe ich? Betreffend Umzug und Steuer!

 

  von Gast 103439: Geburtstagsparty trotz AU

 

  von MrSweets: IPhone IMatch deaktivieren

 

  von dorfdepp: Soll sich die westliche Welt Kuba gegenüber öffnen?

 

  von dorfdepp: Gibt es noch Vorbehalte gegen Online-Banking?

 

  von JennyJay: Heißt es "mittels Mobilkrane" oder "mittels Mobilkränen"?

 

  von bh_roth: Vorsätzliche Tötung

 

  von Amos: Warum muß ein Blinder bei "Wetten dass" eine geschwärzte Brille tragen?

 

  von Amos: Seit heute steigen die Preise der DB, wenn ich per Kreditkarte oder Internet bezahle.