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Ohne Abgase, ohne Lärm und rein elektrisch – die Zukunft des Verkehrs beginnt jetzt

Auf fliegende Autos werden wir weiter warten müssen, aber die Lärm und Abgase durch Pkw werden bald der Vergangenheit angehören. Das E-Auto ist nicht mehr aufzuhalten.

Äußerlich erinnert BMW Next Vision 100 wenig an ein Auto von heute,  aber vieles bleibt gleich - von der Fahrgastzelle bis zu den vier Reifen.

Äußerlich erinnert BMW Next Vision 100 wenig an ein Auto von heute,  aber vieles bleibt gleich - von der Fahrgastzelle bis zu den vier Reifen.

In den 60ern waren Futurologen fest davon überzeugt, dass wir über kurz oder lang am Steuer von fliegenden sitzen werden - mit Turbine und sogar Atomantrieb. Diese kühne Vision ist nicht eingetroffen. Schade eigentlich, aber man sieht: Mit der Zukunft ist es so eine Sache. Zum Verkehr der Zukunft gibt es derzeit unsichere Annahmen, andere sind ziemlich gesichert.

Siegeszug des Elektroautos 

Drei Faktoren werden das E-Auto in den Massenmarkt drücken: Praxisgerechte Reichweiten, fallende Preise und staatlicher Zwang. Dieselmotoren, aber auch Benzinmotoren, sind ein Auslaufmodell in den Zentren der Großstädte, zumindest für private PKW. In stehen komplette oder partielle Fahrverbote für Diesel unmittelbar bevor - ausgenommen sind nur die neuesten Motoren. Diese Daumenschrauben werden kontinuierlich weiter angezogen, im Jahr 2030 dürften Fahrverbote eher die Regel als die Ausnahme sein. Im europäischen Ausland dürfte diese Entwicklung noch schneller geschehen. 

Wirklich betroffen sind nur die Stadtbewohner von diesen Fahrverboten, dennoch werden sie ein allgemeines Umdenken provozieren. Der Siegeszug des Autos war mit dem Versprechen verbunden, überall hin fahren zu können. Wenn "überall" aber bedeutet, nicht nach , Berlin, Stuttgart, Köln und München zu kommen, bricht diese Verheißung zusammen.

Für den Fahrer ändert sich nichts

Die gute Nachricht dabei: Man muss auf nichts verzichten, denn das leidige Reichweitenproblem wird gelöst - beziehungsweise ist es schon. Im medialen Fokus steht der Tesla Modell 3. Aber in den Jahren bis 2020 haben viele Hersteller mit ähnlichen Leistungsdaten angekündigt. Mittelklassewagen mit Preisen, die nur unwesentlich über denen der Verbrenner-Konkurrenz liegen, gepaart mit einer echten Reichweite von 400 Kilometern.

Möglich wird das durch einen extremen Preisverfall bei den Akkuzellen. Im Jahr 2010 lagen die Batteriekosten noch bei rund 600 Euro pro Kilowattstunde (kWh). Die Berater von Horvath & Partners haben errechnet, dass Automobilunternehmen 2016 im Schnitt noch 225 Euro pro kWh ausgeben mussten. Das ist etwa ein Drittel des Wertes von 2010. "Wir sind überzeugt, dass sich der Trend weiter fortsetzen wird und eine Kilowattstunde 2020 weniger als 100 Euro kosten wird", so Dr. Oliver Greiner, Leiter der Studie. Ein Ende der Entwicklung ist nicht abzusehen. Bis zum Jahr 2030 dürften die Preise weiter sinken, das Leistungsgewicht der Zellen aber steigen. Dann sind Fahrzeuge mit Reichweiten zwischen 600 und 1000 Kilometer denkbar – damit wäre der klassische Vorteil des Verbrenners dahin.

Tatsächlich könnten E-Autos sogar billiger werden, wenn man den finanziellen Spielraum nicht in extreme Akkukapazitäten steckt. Bisher ist der Akku der Preistreiber bei den E-Modellen. Elektromotoren selbst sind viel billiger als Diesel-oder Benzinaggregate. Zusätzliche Module wie Kühler, Benzin- und Wasserpumpe entfallen, ebenso teure Komponenten wie Getriebe und Kupplung.

Stinker verschwinden aus den Städten

In den Jahren 2020 bis 2030 werden sich die Marktanteile dramatisch zugunsten der E-Motoren verändern. Größte Herausforderung wird der Umbau des Stromnetzes sein. Gesellschaftlich kann das jedoch eine Entwicklung sein, die zu Lasten der Ärmeren geht. Wenn die gutverdienende und meinungsstarke obere Mittelschicht mit Neu- und Jungwagen auf Strom umstellt, kann es passieren, dass sie ruck-zuck Schluss mit den Verbrennern machen will. Dumm für alle, die sich nur ältere Autos leisten können.

Roboter-Auto

Die zweite Zukunftsverheißung für den Individualverkehr heißt Autonomes Fahren - gemeint ist ein Roboterauto, das ohne jede menschliche Hilfe von A nach B kommt. Dieses Projekt ist ungleich kniffliger. Abgesehen von Autobahn-Assistenten kann man nicht "klein" beginnen – wie bei den ersten E-Autos mit kaum 100 Kilometer Reichweite. Wenn ein Auto selbstständig fahren soll, muss es zu 150 Prozent sicher sein.

Auch hier werden ähnliche Zeitrahmen wie beim Batteriedurchbruch versprochen: Im Jahr 2020 soll es soweit sein. Dennoch sollten Kundem nicht zu optimistisch sein. Denn selbst wenn ein Roboter-Auto 2020 technisch marktreif sein sollte, heißt das noch lange nicht, dass man ein derartiges Auto auch in Deutschland benutzen darf. Nach der technischen muss auch noch die politische Reife erfolgen. Prognose: Es wird immer mehr und leistungsfähigere Assistenz-Systeme geben, aber auf ein PKW ohne Lenkrad wird man in Deutschland noch lange warten müssen. 

Bei weiteren anderen Visionen über den Individualverkehr kann man leider nur antworten: Es kommt drauf an.

Autofreie Städte

Beispiel autofreie Städte. Die Stadt ohne PKW wird sicher auch in Zukunft Thema für hochbelastete Innenstädte oder historische Altstädte sein – aber sicher nicht für ganze Stadtgebiete. Allerdings wird das emissionsfreie Auto den Anhängern der autofreien Innenstadt das stärkste und einzige juristische Argument, nämlich die Schadstoffbelastung, aus der Hand nehmen.

Mehr Car-Sharing

Der Trend zum Sharing-Auto wird sich noch verstärken. Er ermöglicht die Freiheit, die ein eigenes Auto mit sich bringt, ohne die fixen Kosten. Derartige Systeme funktionieren aber nur im Innenstadtbereich von Großräumen, in der Fläche werden sie sich nicht durchsetzen können. Kombiniert mit selbstfahrenden Systemen wird das Auto-Sharing einen Boom erleben, dafür dürfte es dann keine Taxen und Taxifahrer mehr geben. Außerhalb der Ballungszentren wird also das eigene Auto das vorherrschende Modell bleiben – auch mangels Alternative.

Kein Land der Mega-Cities

Einige Entwicklungen werden am beschaulichen Deutschland spurenlos vorüberziehen. Ein drängendes Problem ist es weltweit, das Verkehrsaufkommen in Mega-Cities in den Griff zu bekommen. Doch derartige Stadtballungen gibt es bei uns nicht und sie wird es in absehbarer Zeit auch nicht geben. Verkehrslösungen für die hochverdichteten Megacities werden nur in Einzelfällen in Deutschland ankommen. 

Schön auf dem Boden bleiben

Und wie sieht es mit fliegende Autos und Drohnen zur Personenbeförderung aus? Technisch werden Quadrocopter möglich sein, die Lasten oder Personen befördern können – aber wird man sie auch benutzen dürfen? In Deutschland lautet die Antwort wohl nein. Leichtflugzeuge und Hubschrauber gibt es auch seit Jahrzehnten,im städtischen Verkehr findet man sie dennoch nicht.

Keine weitere Verkehrsexplosion

In Deutschland verbleibt die Bevölkerung in den nächsten 50 Jahren in etwa auf dem heutigen Niveau. Die privat gefahrenen PKW-Kilometer sind sogar rückläufig. Von einer Zunahme der Blechlawine in den Städten kann daher nicht die Rede sein. In einzelnen Lagen mag das anders sein, aber Verkehrs- und Parkraum reichen im Prinzip aus. Vermutlich wird es mehr Radwege geben und der Mensch wird sich zu Lasten des Autos etwas mehr öffentlichen Raum erobern, aber städtische Umgestaltungen im großen Stil wie in der Nachkriegs- oder der Gründerzeit wird es nicht geben.

Same, same .... 

Fazit: Bis das Roboterauto kommt, wird sich gar nicht so viel verändern. In den kommenden zehn bis 15 Jahren wird das meiste so bleiben wie heute – nur ohne Abgase und mit weniger Lärm. Das sind gar nicht so schlechte Aussichten.