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US-Pannenjet kann nur nach Vollbremsung schießen

Die F-35 – der neue Standardjet der US-Luftwaffe – fällt in einem neuen Pentagon-Bericht durch. Kämpfen kann der teure Vogel nur, wenn andere Jets ihn beschützen. 

F-35B mit Waffenladung unter der Flügeln.

F-35B mit Waffenladung unter der Flügeln.

Die F-35 produziert eine schlechte Nachricht nach der anderen. Im letzten Jahr musste die F-35 im Kampftraining gegen alte Jets der US-Luftwaffe antreten. Das Urteil des Test-Piloten war  vernichtend. Weil man schon ahnte, dass die F-35 ein lahmer Vogel sei, bekam die alte F-16 Abwurftanks unter die Flügel – das hat ungefähr die Wirkung, als müsste der gegnerische Stürmer beim Fußball 20 Kilogramm schwere Hanteln tragen. Trotzdem war die brandneue F-35 kein Gegner für den Oldtimer. Schlechte Flugeigenschaften und mangelnde Leistung der Triebwerke führten dazu, dass die alte F-16 in allen Standardsituationen die neue F-35 vom Himmel holte. 

48 Seiten zerlegen die F-35

Nun liegt der Aviation Week ein 48-seitiger Bericht des Pentagons über die Block-2B-Version der F-35 für das Marine Corps vor. Das Resümee von Michael Gilmore, dem Direktor des Pentagonprogramms für Test und Erprobung, ist vernichtend: "Die F-35B Block 2B muss die Begegnung mit Feindkräften in jedem denkbaren Szenario vermeiden und wird stets Unterstützung von anderen befreundeten Kräften benötigen."

Abwehrfähig nur mit niedrigem Tempo

Die meisten Probleme des Jets sind seit Jahren bekannt, konnten aber noch nicht abgestellt werden. Elf von 12 Waffensystemen versagten im Test, meist wegen Softwareproblemen. Dass die Software bei so komplexen Systemen nicht funktioniert, ist nichts Besonderes. Zum Skandal wird die Bug-Seuche, weil die F-35 bereits an die Streitkräfte ausgeliefert wird und in diesem Zustand kaum fliegen kann. Einem Gegner könnte sie sich erst recht nicht stellen.  

Diese Bugs können im Prinzip in den nächsten Jahren in mühsamer Kleinarbeit noch behoben werden, anders sieht es mit den kontruktionsbedingten Problemen aus. Und mit diesen ist die F-35 reichlich gesegnet. Der Pilot kann in der Kanzel den Kopf nicht wenden, der Schleudersitz hat die Eigenschaft, dem Piloten das Genick zu bringen - der übrigens nicht weniger als 62 kg wiegen darf.

Besonders tragisch und nicht mehr zu ändern sind die lahmen Flugeigenschaften und die Überhitzung der Waffenkammern. Der Aufbau von Hitze  beim Öffnen der Kammer führt dazu, dass die F-35 in voller Geschwindigkeit weder offensive noch defensive Waffen auslösen kann.

Um sich zu verteidigen oder um angreifen zu können, muss der Pilot zuvor je nach Flughöhe auf 1,6 bzw. 1,2-fache Schallgeschwindigkeit runterbremsen. Im Luftkampf wäre das ein selbstmörderisches Manöver, zumal die F-35 große Probleme hat, verloren gegangene Dynamik erneut wieder aufzubauen.

F-35 erträgt nur geringe Querbeschleunigung

Vollgetankt erträgt die F-35 nur Beschleunigungswerte von 3,8 G, den – bescheidenen -  Maximalwert von 7 G erreicht der Jet nur mit halbleeren Tanks. Das sind Werte, wie sie die F-4 Phantom – ein Jet aus den sechziger Jahren – schon erreicht hat. In der Praxis wird die F-35 einen mindesten vier Mal größeren Wendekreis benötigen als eine französische Rafale. Überhaupt konnten die Test nur unter geschönten Bedingungen durchgeführt werden. Ein Kontroll-Team musste die stets auftretenden Softwarebugs lösen beziehungsweise umgehen, bevor ein Test fortgesetzt werden konnte. Im Ernstfall sind derartige Auszeiten zum Bug-Fixen nicht möglich.

Die Raptor kann alles besser

Wie konnte es zu dem Desaster kommen? Diese Frage ist kaum zu beantworten. Die USA haben mit der F-22 Raptor bereits erfolgreich einen Kampfjet der fünften Generation gebaut. Auch die F-22 hatte ihre Kinderkrankheiten und wurde natürlich teurer als gedacht, aber sie funktioniert. Sie gilt als kampfstärkstes Flugzeug der Welt. Eigentlich hätte es nahegelegen, auf Basis des bereits existierenden Jets eine preiswertere Version eines Multirole-Fighters zu bauen. Stattdessen versprach man sich sensationelle Einsparungen von der Idee, für fast alle Einsatzszenarien aller Teilstreitkräfte nur einen Jet, nämlich die F35, neu zu entwickeln. Die in Aussicht gestellten Kostensenkungen haben sich angesichts der realen Kostensteigerungen als Illusion herausgestellt.  Derzeit soll das Programm 390 Milliarden Dollar kosten, der Stückpreis liegt bei 160 Millionen Dollar. Zum Vergleich:  Die neueste Sukhoi Su-35 wird auf einen Vergleichspreis von 41 bis 60 Milliarden Dollar geschätzt - und dieser Preis ist hoch gegriffen, weil Kosten nach internationalem Standard geschätzt werden. Darüber hinaus scheint das Konzept "one size fits all" bei Militärjets nicht zu funktionieren. Die F35 deckt zwar alle Rollen ab, aber eher schlecht als recht.

Kann es der Kreml besser?

Sicher gelingt den Russen in der Rüstung auch nicht alles. Die Pannenserie der F-35 findet jedoch unter den Augen der Öffentlichkeit statt. So eine öffentliche Hinrichtung von Rüstungsvorhaben wäre in China oder Russland kaum denkbar. Russland glänzt derzeit mit der SU-35. Hier haben sich die Russen aber auch für ein Vorgehen Marke "Nummer Sicher" entschieden. Statt einer spektakulären Neuentwicklung wurde ein bereits vorhandenes, bewährtes Kampfflugzeug Schritt für Schritt weiter optimiert. Die Indienststellung eines Jets der fünften Generation, der Sukhoi PAK FA, verzögert sich auch in Putins Reich immer mehr. Nur von außen ist es kaum zu beurteilen, warum der russischen Stealthfighter nicht an den Start geht. Vielleicht  bekommen die Russen die technischen Probleme nicht in den Griff, vielleicht reicht das Budget des klammen Kreml derzeit nicht aus. Denkbar wäre auch, dass Russland wegen der Fortschritte in der Überwachung des Luftraums mittlerweile am ganzen Konzept eines Stealth-Flugzeugs zweifelt.

Doch welcher Grund auch immer hinter den Verzögerung stecken mag, das russische  Militär vermeidet so die Blamage, einen Jet an die Truppe auszuliefern, der kaum fliegen kann.

Bericht auf Aviation Week nur für registrierte User

Freier Download des Berichts bei Aviation Week

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