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10. Januar 2007, 09:12 Uhr

Ein Handy zum Streicheln

Apple geht unter die Handy-Hersteller. Monate voller Spekulationen sind zu Ende. Das "iPhone" ist da - eine Kreuzung aus Smartphone und iPod, mit interessantem Bedienkonzept. Wer das teure Stück besitzt, wird sich ständig die Hände waschen. Von Ralf Sander

Apple-Chef Steve Jobs präsentiert das "iPhone"© Reuters

Nach monatelangen Spekulationen ist es da: Auf der Hausmesse Macworld Expo in San Francisco hat Apple tatsächlich ein Mobiltelefon vorgestellt, das den Namen "iPhone" trägt. In seiner bewährt unbescheidenen Art begrüßte Apple-Chef Steve Jobs das Publikum mit den Worten: "Wir schreiben heute gemeinsam Geschichte". Was er dann präsentierte, war eine Kombination aus Mobiltelefon, Musikspieler und Handheld-Computer, verpackt in einer edlen iPod-ähnlichen Hülle und ausgestattet mit interessanten Bedienideen.

Nur eine Taste hat das iPhone, "Home", um zum Startbildschirm zurückzukehren. Ansonsten wird das Gerät ausschließlich über den großen berührungsempfindlichen Touchscreen bedient - und zwar nicht mit einem Stift, wie bei den meisten PDA, sondern nur mit den Fingern. Multitouch heißt das Eingabesystem, das Apple selbstbewusst als das "revolutionärste Userinterface seit der Maus" bezeichnet. Je nach Anwendung werden auf dem Bildschirm Knöpfe zum Antippen angezeigt. Andere Elemente werden durch auf das Display gemalte Gesten bedient. Durch Listen mit Liedern beispielsweise lässt sich mit einer Wischbewegung scrollen. Für Texteingabe lässt sich auch eine vollständige Tastatur einblenden.

Sensationelle Sensoren

Mithilfe verschiedener Sensoren soll das Handy erkennen, was sein Benutzer gerade tut. Dreht man das iPhone um 90 Grad, passt sich der Inhalt des Bildschirms an und füllt das Display im Querformat. Die Helligkeit der Umgebung beeinflusst die Stärke der Displaybeleuchtung. Wird das Gerät zum Telefonieren ans Ohr gehalten, schaltet sich der Bildschirm selbstständig ab, um Strom zu sparen und unabsichtliche Eingaben zu verhindern. Auch eine Ohrmuschel kann Tasten drücken... Außerdem misst laut Apple das Gerät sogar den Abstand zum Ohr und regelt daraufhin die Lautstärke.

Im Innern des iPhones verrichtet ein Prozessor eines bisher unbekannten Herstellers seine Arbeit. Hier kam es im Trubel der Jobs-Show zunächst zu einer Fehlinformation: Apple selbst verkündete, der Prozessor käme - wie bei den Mac-Computern - von Intel. Am Abend kamen von beiden Seiten die Dementis.

Apples Betriebssystem Mac Os X steuert das Handy. Eine Verbindung zu Windows-PCs sei aber möglich, um Adressen und Kalender zu synchronisieren und sich mit iTunes zu verbinden. Schließlich steckt in dem Telefon ein kompletter iPod mit seinen bewährten Musik- und Video-Funktionen. Eine Digitalkamera mit einer Auflösung von zwei Megapixeln ist eingebaut. Das Mobiltelefon beherrscht die Mobilfunkstandards Quad-Band GSM und EDGE, zur Überraschung vieler Experten wird UMTS nicht unterstützt. Um als persönlicher digitaler Assistent zu funktionieren, verfügt das iPhone über Standardfunktionen wie Kalender, Adressbücher und einen E-Mail-Client, der auch HTML-Mails darstellen kann. Zum Surfen im Web, das drahtlos über Bluetooth und WLan möglich ist, dient die Mobilvariante von Apples eigenem Browser Safari. Der Kartendienst Google Maps ist vorinstalliert. Werden irgendwo auf einer Website Telefonnummern dargestellt, können diese durch Antippen gleich gewählt werden. (Weitere technische Daten im Kasten.)

Die Maße des vorne glänzend schwarzen und auf der Rückseite iPod-weißen Geräts betragen 115 x 61 x 11,6 Milimeter, damit ist es ein wenig flacher als das auch wegen seiner Schlankheit erfolgreiche Razr-Handy von Motorola. Das Display hat eine Auflösung von 480 x 320 Pixeln und eine Diagonale von rund neun Zentimetern.

Ein elitäres Produkt

Bei der Preisgestaltung peilt Apple nicht den Normalverbraucher an. Mit einem Speicher von vier Gigabyte kostet das Handy, das ab Juni in den USA erhältlich sein wird, 499 Dollar. Die 8-GB-Variante schlägt mit 599 Dollar zu Buche - und in beiden Fällen müssen Amerikaner einen Zwei-Jahres-Vertrag mit dem Mobilfunkbetreiber Cingular eingehen. In Europa sollen die iPhones im vierten Quartal dieses Jahres auf den Markt kommen. Was die Geräte kosten werden und ob es wie in den USA eine Bindung an einen Provider geben wird, ist noch unbekannt.

Erstes Fazit

Auch wer nicht zu den loyalen Apple-Jüngern gehört, ja vielleicht von dem Getöse, den das Unternehmen aus Cupertino um jedes Produkt macht, inzwischen etwas genervt ist, kann sich der Faszination des iPhones nur schwer entziehen. Was Apple präsentiert hat, klingt spannend. Anfassen und ausprobieren - darum geht es jetzt. Die ganzen toll klingenden Ideen müssen in der Praxis zeigen, ob sie erstens funktionieren und zweitens nützlich sind. Und ob man für ein Handy in dieser Preisklasse auf UMTS verzichten will und wie man seine Music-Sammlung von dem alten 40-GB-iPod auf das 8-GB-iPhone kriegt - darüber sollte man vielleicht auch nachdenken.

iPhone in Kürze Das Gerät verfügt über diese technischen Merkmale:
- berührungssensitives Breitbild-Display (320 mal 480 Pixel)
- Zwei-Megapixel-Kamera
- Betriebssystem: Mac OS X
- Software für E-Mail, Web-Browser Safari, Google-Maps, Kalender, Fotoverwaltung, iTunes
- Push-E-Mail für Yahoo Mail sowie Unterstützung für Microsoft Exchange, .Mac Mail, AOL und Google Mail
- Software-Tastastur auf dem Display
- integrierter Speicher von 4 oder 8 GB
- GSM-Mobilfunk mit Quad-Band
- WLAN für Datenverkehr (802.11b/g)
- Bluetooth
- USB-Anschluss an Mac oder Windows-PC
- Sensoren für Umgebungslicht und Bewegung - Akkulaufzeit: bis zu fünf Stunden bei Verwendung für Mobiltelefon und Video, bis zu 16 Stunden bei Verwendung als Musikabspielgerät
- Abmessungen: 115 mal 61 mal 11,6 Millimeter
- Gewicht: 135 Gramm
(AP)

Von Ralf Sander
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
Tortist (12.01.2007, 23:38 Uhr)
Ihr hab doch einen Vollknall
Auch wenn mein das Design loben kann zeigt sich mal wieder das Applefans eher eine Sekte sind als klar denkende Menschen: Stellt euch vor in 3 Jahren stellt Steve das iCar vor, schweisst die Motorhaube zu und schreibt euch vor nur noch Benzin einer bestimmten Marke zu tanken. Ausserdem behauptet er das Auto neu erfunden zu haben....die Apple Sekte wird im das Auto aus den Händen reissen weil es ja so cool ist.
Steve ist Meister darin Schwachsinn schön zu verpacken und darin ist er ein Genie. Das muss der Neid ihm lassen.
Ein Ipod ist keine Revoltution der Technik. Das MP3-Verfahren ist keine Apple-Erfindung. Das geniale ist eine grosse Anzahl von Menschen freiwillig dazu zu bringen Musik nur noch monopolartig über iTunes zu kaufen....
Ein iPphone ist ein Telefon. Genial ist Menschen dazu zu bringen das sie freiwillig sich auf zwei Jahre an einen Provider zu binden und so Apple noch mehr Geld in die Kasse spülen.
Welcher Mensch mit klarem Verstand akzeptiert freiwillig solche Abhängigkeiten?
Nur die Zeugen von Jobs.....
thommie (10.01.2007, 23:28 Uhr)
Ich biete keine Gegenwehr: Sagenhaft!
Steve Jobs entpuppt sich immer mehr als Leonardo da Vinci der Gegenwart - möge er reichlich alt werden!!! Das iPhone ist schon bestellt, bedingungslos! Als Fan unserer menschlichen Zukunft gehört es für mich zu meiner ultimativen Ausstattung: Egal wo ich bin, habe ich meine Kultur (Musik, Heimatbilder), meine Verwandten (Fotos, Adressen), all meine Kontakte (Tel. und email) UND Orientierung in der Fremde (Quadband, Google- und Yahoo-Service, automatische Verbindung für jedes empfangbare WLAN etc) ur Verfügung. Dazu ein Koffer mit weltlichen Kram, und ich geniesse meine geplante Weltreise mit gleichzeitigem Verdienst... Ich bin heiss auf das Teil!!!
columb0 (10.01.2007, 18:21 Uhr)
tastatur
sieht wirklich sehr gut aus und auch die funktionen sind beeindruckend.
Ich frage mich nur wie eine halbwegs vernünftig bedienbarer tastatur auf den Bildschirm passen soll. Irgendwie muss man ja SMS tippen oder Adressen in den Browser eingeben und dann braucht man noch Platz für eine Tastatur die nicht nur Japaner mit dem kleinen Finger bedienen können ;)
lutzmikamika (10.01.2007, 17:27 Uhr)
Geniestreich!
Kaum jemand erahnt, was sich hinter dem iPhone alles verbirgt: es kommt keine Krüppelsoftware wie WAP,Mobile-Versionen,etc. zum Einsatz, z.B. ist der Safari-Browser orginal und läuft unter OS X uaf dem iPhone! Welches andere "Smart-Phone" kann mehrere web-Seiten komplett gleichzeitig im Orginal darstellen?? Die Bedienung ist neu aber eine Revolution, an der auch WIN&Co. noch Jahre knabbern werden. Die Analysten haben das schon erkannt, nicht umsonst ist die Aktie um 8% gestiegen während der Keynote, die Kursziele liegen plötzlich bei 125$ stat bei 100 vorher. Hier wurde in der Nutzerfreundlichkeit, noch weitergehend als beim MAC, Technik-Geschichte geschrieben.Vielleicht kommt ja eine UMTS-Version noch, aber mir ist WLAN (mit Standard n!!) weit wichtiger, UMTS werde ich nicht vermissen, sorry liebe Telecoms.
Genau hinschauen, begreifen, die Vision erfassen, ja, da muß man kein Apple-Freak sein um zu verstehen, dass hier was gigantisches geschaffen wurde, das Massstäbe setzt.
Twipsy (10.01.2007, 15:25 Uhr)
UMTS
Ich weiß nicht, warum ihr Autor UMTS vermißt. Schließlich hat dieses System nie wirklich den Durchbruch erzielt, und mit WLAN hat das iPhone eine wirklich bessere Option. Aber warum nur 8 GB Speicher? Ein Platzproblem? Kann eigentlich nicht sein, bei der aktuellen Entwicklung im Bereich Speicherkarten. Jetzt bleibt abzuwarten, wie die Handyhersteller reagieren, daß Apple den Bereich der Smartphones gegen Nokia und Samsung so dominieren kann wie den mp3 Player-Markt, sehe ich jedenfalls noch nicht. Bis zur Markteinführung kann dort noch einiges geschehen...
Pixelschubser (10.01.2007, 13:41 Uhr)
DAS ist Design
Die Apple-Designer rund um Steve Jobs haben Ihre Hausaufgaben mal wieder 110%ig gemacht - Ein Smartphone in einem cooleren Design wird es wohl in den nächsten Jahren nicht geben.
Und wenn die Benutzerführung so intuitiv und praktisch funktioniert, wie man das von Apples Macintosh oder iPod gewohnt ist, kann schon fast nichts mehr schiefgehen - vorausgesetzt, die Qualität lässt nicht wieder zu wünschen übrig. Aber, wie wir in allen anderen bereichen gesehen haben, ist Apple durchaus lernfähig.
Warten wir also ab, wann Sony und Co. ein preisgünstigeres Pendant auf den Markt wirft - 500 Dollar bei Vertragsabschluss sind nicht unbedingt ein Pappenstiel.
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