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27. Februar 2011, 20:49 Uhr

Onlinekriminelle nehmen Smartphones ins Visier

Auf dem PC verbarrikadieren wir uns vor Onlinekriminellen mit Firewalls und Antivirensoftware. Aber wir sind auch auf Smartphones verwundbar. Bisher ging es gut. Das werde aber nicht so bleiben, warnen Sicherheitsexperten.

Smartphones, Viren, Trojaner, McAfee, F-Secure

Smartphones sind weitverbreitet - und deshalb interessant für Cyberkriminelle© Gary Hershorn/Reuters

Seit es Smartphones gibt, wird vor Viren und Angriffen Online-Krimineller gewarnt. Bisher passierte nicht viel. Dabei werde es aber nicht bleiben, mahnen Sicherheitsexperten. Die schnelle Ausbreitung der Computertelefone werde unweigerlich auch mehr Kriminelle anziehen. "Wo mehr Nutzer sind, ist auch mehr Gefahr", bringt es Jan Volzke vom Sicherheitssoftware-Spezialisten McAfee auf eine einfache Formel. "Da braut sich was zusammen."

Bisher seien die Smartphone-Nutzer erfolgreich durch gemeinsame Anstrengungen der Sicherheitsexperten, Handy-Hersteller und Netzbetreiber geschützt worden, sagt auch Mikko Hyppönnen vom finnischen McAfee- Konkurrenten F-Secure. Zur "gefühlten Sicherheit" der Smartphone-Anwender trug aber auch die einfache Tatsache bei, dass die Onlinekriminellen schlicht lieber woanders fischen - in der Welt der PC.

Geringer Aufwand, ausreichender Ertrag

Ob Viren, Phishing oder Trojaner: Die Werkzeuge der Angreifer seien gut eingespielt, der Aufwand klein, der Ertrag ausreichend. "Hunderte Millionen schlecht geschützter Computer sind wie eine tief hängende saftige Frucht. Wieso sollte man auf einen Baum steigen, wenn man sie einfach am Boden pflücken kann?", meint der finnische Experte. 55 Prozent der Computer laufen mit dem elf Jahre alten Betriebssystem Windows XP - "die Kriminellen wären schön blöd, wenn sie sich jetzt besonders anstrengen würden, um woanders zuzuschlagen".

Doch inzwischen werden mehr Smartphones als Computer verkauft, auch die Geldströme wandern in den mobilen Bereich. Die Kriminellen würden zwar einige Zeit brauchen, um sich umzuorientieren, doch sie werden verstärkt die Mobiltelefone ins Visier nehmen, ist Hyppönnen überzeugt.

Bösartige Apps

Erste Alarmsignale gebe es schon. Unter anderem experimentierten die Angreifer mit bösartigen Apps. Beispiel "Tap Snake": Auf den ersten Blick war das Programm für das Google-Betriebssystem Android nur ein harmloses Spiel, in dem man eine Schlange auf dem Bildschirm lenkt. "Wir fragten uns dann aber: Wieso muss es eigentlich auf den Aufenthaltsort des Nutzers zugreifen, und zwar immer?", erzählt Hyppönnen.

Es kam heraus, dass "Tap Snake" in Wirklichkeit Teil eines Spionagewerkzeugs war, mit dem man den Aufenthaltsort einer Person ermitteln konnte. "Und jeden Tag kommen tausend neue Apps auf den Android Market", gibt Volzke zu bedenken. Im Gegensatz zu Apples App Store verzichten die Betreiber auf eine Überprüfung der Android- Programme. "Allerdings wird man bei der Anmeldung als Entwickler überprüft, was das Risiko senkt."

Phishing - immer eine Gefahr

Mehr Sorgen als tricksende Apps macht F-Secure und McAfee deshalb, wenn Nutzer auf ihren Smartphones per Browser ins Internet gehen. Vor allem Phishing - das Abgreifen von Daten eines Nutzers mithilfe etwa einer gefälschten Bankenwebsite - sei weit verbreitet. "Die Phishing- Seiten sind immer dieselben. Der Unterschied ist nur, auf dem PC werden sie von der Sicherheitssoftware gesperrt, auf dem Handy nicht", erklärt Volzke. "Das mobile Internet ist riesig - aber der Schutz, wie wir ihn vom PC kennen, ist nicht vorhanden."

Hyppönnen zeigt eine täuschend echt aussehende angebliche Website einer britischen Bank - in Wirklichkeit eine Fälschung, die jedoch auf einem Smartphone nicht gesperrt wird. "Zum Glück scheint den Onlinekriminellen noch nicht bewusst zu sein, dass Phishing auf dem Mobiltelefon eigentlich viel besser funktioniert als auf dem PC."

Schutzsoftware-Hersteller profitieren

Rund 1000 Viren für Mobiltelefone seien in den vergangenen Jahren entdeckt worden, sagt Volzke. "Die Wahrscheinlichkeit, das Handy zu verlieren, ist immer noch deutlich größer, als sich einen Virus einzufangen." Und das sorge im Moment für gute Geschäfte bei den Sicherheitssoftwareanbietern. "Vormittags ist es ein Firmengerät, am Nachmittag ist es ein Verbrauchergerät. Die Firmen machen sich große Sorgen, wie sie ihre Daten schützen können."

Daher boomen Anwendungen, mit denen man den Inhalt eines verlorenen oder gestohlenen Mobiltelefons aus der Ferne löschen kann. Auch insgesamt werden wir demnächst aber mit deutlich mehr Schutz auf den Handys unterwegs sein, ist der McAfee-Experte überzeugt: "Es hat ja auch jeder einen Airbag im Auto, auch wenn es sehr wenig Leute gibt, die ihn schon tatsächlich gebraucht haben."

Andrej Sokolow, DPA
 
 
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