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13. August 2010, 11:47 Uhr

Microsoft kämpft um die Smartphones

Jahrelang fristete Microsoft nur ein Schattendasein im boomenden Mobilmarkt. Mit dem Ende des Jahres erscheinenden Betriebssystem Windows Phone 7 will der Konzern neu angreifen. Von Ralf Sander

Microsoft und Handys, Microsoft und Smartphones - zwei dunkle Kapitel in der Geschichte des Redmonder Softwareriesen. Bei Mobiltelefonen für den Normalverbraucher hatte das Windows-Imperium jahrelang gar nichts zu bieten und versagte im Juli bei seinem ersten Vorstoß auf diesem Gebiet gehörig: Die beiden "Kin"-Jugendhandys wurden beerdigt - nur sechs Wochen nach dem Verkaufsstart. Auf Businesstelefonen hingegen verrichtet seit zehn Jahren das verlässliche Arbeitspferd Windows Mobile seine Arbeit. Doch wie das so ist mit Kaltblütern - sie werden von anderen überholt. Microsoft sah die Konkurrenz mit neuen Bedienkonzepten und Funktionen vorbeirasen, zuerst den Blackberry, dann Apples iPhone und die Android-Geräte. Doch Windows Mobile blieb trotz Updates - inzwischen gibt es Version 6.5 - im Kern ein PC im Handy. Ein überholtes Konzept, das hat Microsoft jetzt begriffen. Zumal die Zahlen eine deutliche Sprache sprechen. Laut dem US-Markforschungsinstitut Gartner hat sich Microsofts Anteil am weltweiten Smartphone-Markt zwischen dem zweiten Quartal 2009 und dem gleichen Zeitraum in diesem Jahr fast halbiert: Von sowieso schon schwachen 9,3 Prozent auf 5,0 Prozent.

Entwicklung der Smartphone-Marktanteile (Quelle: Gartner)

BetriebssystemMarktanteil Q2 2010Marktanteil Q2 2009
Symbian (Nokia)41,2 Prozent51,0 Prozent
Blackberry (RIM)18,2 Prozent19,0 Prozent
Android (Google)17,2 Prozent1,8 Prozent
iOS (Apple)14,2 Prozent13,0 Prozent
Windows Mobile (Microsoft)5,0 Prozent9,3 Prozent
Andere4,2 Prozent5,8 Prozent

Mit Windows Phone 7 soll alles anders werden. Microsoft will zurück ins Rennen und nicht nur Businessmenschen, sondern auch Privatverbraucher mit Smartphones versorgen. Wie das Unternehmen dieses Ziel erreichen will, hat sich stern.de aus der Nähe angeschaut. Selbst ausprobieren konnten die anwesenden Journalisten die Prototypen und das Betriebssystem nicht, doch ein erster detaillierter Einblick in die neue Windows-Handywelt war möglich.

Strenge Hardware-Vorgaben

Ende des Jahres sollen die ersten Telefone mit dem neuen Betriebssystem auf den Markt kommen. Nach dem "Kin"-Desaster als Telefonhersteller beschränkt sich Microsoft wieder darauf, die Software zu entwickeln und die Mobiltelefone von Firmen bauen zu lassen, die sich damit auskennen, zum Beispiel HTC, Samsung und LG. Den Herstellern serviert Microsoft sein neues Betriebssystem allerdings unter strengeren Auflagen als früher. Geräte, auf denen Windows Phone 7 laufen soll, müssen folgende Bedingungen erfüllen:

  • Prozessor mit mindestens 800 Megahertz, dazu ein Grafikprozessor
  • Bildschirmauflösung von 480 x 800 Pixeln, später auch 320 x 800 Pixel
  • Bildschirmdiagonale zwischen zwei und sieben Zoll
  • drei Knöpfe ("Start", Zurück, Suche) auf der Vorderseite, dazu Lautstärkewippe und Powerknopf
  • eine Kamera mit mindestens fünf Megapixel, einem Blitz und einem Auslöseknopf am Gehäuse
  • Mindestens acht Gigabyte Speicher

Außerdem wird keiner der Handybauer die Benutzeroberfläche von Windows Phone 7 verändern dürfen, wie es beispielsweise HTC bei Android-Geräten mit seinem "Sense"-Interface tut. Die Version 7 erinnert in nichts an das alte Windows Mobile - mit seinen Leisten voller Klappmenüs, verschiebbarer Fenster und Schaltflächen, die man nur mit einem Stift treffen kann. Die siebte Generation wird natürlich mit den Fingern bedient. Der Touchscreen beherrscht wie iPhone und Android Gesten mit mehreren Fingern, zum Beispiel das Zoomen durch eine Spreizbewegung von Daumen und Zeigefinger. Ansonsten versucht sich Microsoft optisch stark von den großen Vorbildern abzuheben. "Bei uns gibt es keine überflüssigen 3D-Schatten und keine Schnörkel", beschreibt der zuständige Microsoft-Manager Frank Prengel das neue Layout mit dem Codenamen "Metro".

Alles voller Kacheln

Der Startbildschirm von Windows Phone 7 ist der Traum aller Fliesenleger. In zwei Spalten sind quadratische Schaltflächen angeordnet, die an Kacheln erinnern und von Microsoft tatsächlich auch "Life Tiles" genannt werden. Sie bieten Zugänge zu Grundfunktionen wie Telefon, Kontakte, Outlook, Internet und der Spielecommunity Xbox Live. Lebendig sind die Kacheln deshalb, weil sie in begrenztem Umfang aktuelle Infos anzeigen können, zum Beispiel die Zahl der entgangenen Anrufe oder der neuen Nachrichten per Facebook oder Mail. Einzige Ausnahme von der zweispaltigen Anordnung sind der Kalender und die Bildersammlung, die ihren Platz in Kacheln von doppelter Breite finden. Die Reihenfolge der Life Tiles lässt sich beliebig verschieben, doch die Scrollrichtung bleibt in jedem Fall vertikal. Man kann keine dritte Spalte eröffnen, sondern nur die Sammlung der Schaltflächen nach unten beliebig erweitern. Diese Anordnung ändert sich auch nicht, wenn das Handy um 90 Grad gekippt wird. Der "Start"-Knopf - eine Reminiszenz an das PC-Windows - öffnet ein Menü mit allen vorhandenen Funktionen und Programmen. Deren Symbole lassen sich einfach auf den Startbildschirm schicken und von dort aus starten.

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