Exotisches One-Hit-Wonder

8. Januar 2012, 14:04 Uhr

Es wird nicht in Deutschland vertrieben und hat mit Meego ein Betriebssystem, das in der Mobilfunkbranche bedeutungslos ist. Ein Dilemma: Das Nokia N9 ist eines der besten Geräte, das die Finnen je auf den Markt gebracht haben - und ein Traum für Individualisten. Von Björn Maatz

Nokia N9, Nokia, N9, Smartphone, Meego, Handy

Nokias N9 - wegen Meego ein Außenseiter©

Post von Nokia zu bekommen lief bislang bei mir so ab: Ein bisschen voreingenommen öffnete ich die Kartons, entnahm die Testgeräte, probierte sie ein paar Tage aus und kam zu dem Schluss: Die Konkurrenz hat's einfach besser drauf. Doch diesmal war alles anders - der Wow-Faktor ist zurückgekommen. Bei Nokia? Bei Nokia!

Das N9 mit seinem 3,9 Zoll großen Bildschirm wirkt kompakt, hat ein blaues Gehäuse aus Polykarbonat und ein Betriebssystem, das das Gerät aus der Masse von Android-Handys und iPhones herausragen lässt. Mit dem vor knapp zwei Jahren beim Mobile World Congress in Barcelona vorgestellten Meego wollten Intel und Nokia den Markt für mobile Endgeräte neu definieren. Spätestens seit sich die Finnen unter der Regie des ehemaligen Microsoft-Managers Stephen Elop dem Betriebssystem des weltgrößten Softwarekonzerns verschrieben haben, fristet Meego jedoch nur noch ein Schattendasein.

Gute Ideen, schlau umgesetzt

Schade drum: Meego macht richtig Spaß, ist detailverliebt wie sonst nur iOS von Apple und mindestens genauso intuitiv zu bedienen. Es gibt nur einen An- und Ausschalter sowie Tasten für die Lautstärke an der rechten Seite des Geräts. Knöpfe auf dem Touchscreen hingegen sind nicht vorhanden und auch überflüssig: Alle Anwendungen lassen sich einfach zur Seite wischen. Das Telefon bemerkt bei Applikationen, die eine Internetverbindung benötigen, nicht erst umständlich, dass es diese noch nicht gibt, sondern springt gleich ins entsprechende Menü.

Es zeigt sowohl auf dem Startbildschirm als auch auf dem gesperrten Hintergrund die derzeitige Online-Erreichbarkeit mit einem prägnanten grünen Punkt und ebenfalls auf dem gesperrten Startscreen, welche Art von E-Mails und Facebook-Meldungen eingegangen sind. Die wichtigsten Symbole für zum Beispiel Posteingänge und die Uhrzeit werden auch angezeigt, wenn der Bildschirm schwarz wird. Dieser ist gerade noch groß genug, um Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter komfortabel zu bedienen.

Auf dem Startbildschirm finden sich ähnlich wie bei Android- und Symbian-Geräten alle Programme und Apps, auf einem weiteren die aktuellen Benachrichtigungen und auf einem dritten eine Übersicht der zuletzt angeschauten Anwendungen. Auch an die mobilen Online-Spieler hat Nokia gedacht: Populäre Games wie "Angry Birds", "Need for Speed" und "Galaxy of Fire" sind bereits vorinstalliert.

Hardware-seitig liegt das Meego-Gerät auf Wettbewerbshöhe: Das gebogene Amoled-Display fällt nur leicht zu Apple- und Samsung-Geräten ab. Neben einer Frontkamera ist auf der Rückseite eine 8-Megapixel-Kamera mit Carl-Zeiss-Optik verbaut. Zudem integriert das N9 einen NFC-Chip für mobiles Bezahlen, den bislang nur wenige Konkurrenten wie etwa das Samsung Galaxy Nexus an Bord haben.

Apps sind Mangelware

Größtes Manko des N9 ist das extrem beschränkte App-Angebot: Mehr als ein paar Hundert dürften es nicht sein. Offizielle Zahlen nennt Nokia nicht. Zum Vergleich: Für das Betriebssystem Android von Google gibt es rund 350.000 Apps, iPhone-Besitzer können aus mehr als 500.000 Software-Anwendungen wählen.

Fazit: Meego ist minimalistisch aufgebaut, intuitiv zu bedienen und gut durchdacht. Wem Individualismus über alles geht und Apps nicht so wichtig sind, sollte sich das Gerät definitiv anschauen - zum Beispiel beim nächsten Urlaub in Österreich oder der Schweiz, wo es offiziell erhältlich ist. Und zum ersten Mal seit Langem muss ich bei einem Nokia-Gerät sagen: ein Jammer, dass die Testphase schon abgelaufen ist.

Gefunden in ...

Gefunden in ... ... der Onlineausgabe der "Financial Times Deutschland"

Zum Thema
Digital
Ratgeber und Extras
iPhone 6: Die nächste Smartphone-Generation iPhone 6 Die nächste Smartphone-Generation
Vergleichsrechner
Finden Sie den günstigsten DSL-Tarif Finden Sie den günstigsten DSL-Tarif Unser kostenloser DSL-Vergleich zeigt Ihnen die DSL-Tarife, die am besten zu Ihnen passen. Zum Tarifvergleich
 
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von Amos: Warum muß ein Blinder bei "Wetten dass" eine geschwärzte Brille tragen?

 

  von Amos: Seit heute steigen die Preise der DB, wenn ich per Kreditkarte oder Internet bezahle.

 

  von Bananabender: Der Mythos Megapixel

 

  von Amos: Warum müssen verunglückte Reitpferde immer eingeschläfert werden?

 

  von Amos: Haus mit 5 Wohneinheiten. Jetzt steht eine Wohnung längere Zeit leer. Wie verhält es sich dann mit...

 

  von Amos: Smartphones zu Weihnachten: Kaufentscheidung abhängig von der Fotoauflösung? Telefonieren wäre doch...

 

  von StechusKaktus: Wie kann die kalte Progression abgeschafft werden?

 

  von bh_roth: Gastherme versetzen

 

  von Bananabender: Drucker Patronen

 

  von bh_roth: Lichterführung bei speziellen LKW

 

  von Amos: Wenn ich einen Karton Sekt aus Bequemlichkeit im Kofferraum "vergesse": wie hoch ist die...

 

  von Musca: Vogelschwarm filmen

 

  von Amos: Da ich als Arzt nicht mehr tätig bin, habe ich meine Berufshaftplicht gekündigt.

 

  von Amos: Eine Fondsgesellschaft schickt mir am 2..12.2014 die Steuerbescheinigung für 2013. Obwohl ich meine...

 

  von Gast: Ist der Nahme "Haircouture" geschützt

 

  von Gast: ich habe eine rente in höhe von 760 ?,wie viel kann ich dazu beantragen?

 

  von Amos: Ich werde von der Telekom mit tollen Angeboten zu schnellerem Internetzugang bombardiert.

 

  von Amos: Obwohl schon oft gestellt: bei trockener Straße ohne Schnee darf ich doch mit Sommerreifen fahren....

 

  von Amos: Habe von Bio-Mineralwaser gelesen. Was ist das oder was soll das?

 

  von Gast: Ich trainiere ca. 5-6 mal pro Woche und habe einen Ruhepuls von 35 mit 15 Jahren, leider bekomme...