Warum sich alles so teuer anfühlt

1. März 2008, 10:50 Uhr

Die Preise klettern seit Monaten. Vor allem für Lebensmittel müssen Verbraucher mehr bezahlen. Dabei fällt der Preisanstieg subjektiv meist höher aus, als er in Wirklichkeit ist. Diese "gefühlte Inflation" wurde jetzt genauer untersucht.

Vor allem die Preise für Milch und Milchprodukte sind in letzter Zeit gestiegen©

Die Statistiken verkünden es seit Monaten, die Boulevardpresse heizt die Stimmung zusätzlich an: Die Preise steigen auf breiter Front. Doch den Verbrauchern kommt die Teuerungswelle noch viel gewaltiger vor als es die Zahlen der Statistiker zeigen. Das sieht auch Hans Wolfgang Brachinger von der schweizer Universität Fribourg so. Der Statistik-Professor hat den "Index der wahrgenommenen Inflation" entwickelt, der aussagt, wie die Preisentwicklung von den Verbrauchern empfunden wird.

Längst nicht alle Waren sind teurer geworden: "Vor allem die Waren des täglichen Bedarfs wie Butter, Brötchen oder Benzin haben sich in der letzten Zeit zum Teil stark verteuert", erklärt Brachinger. Das falle den Menschen natürlich sofort auf. "Das macht sich in den Geldbörsen auch ganz konkret bemerkbar". Schließlich würden solche Waren ja besonders häufig gekauft. Tatsächlich günstiger wurden zuletzt nach Brachingers Erkenntnissen vor allem solche Produkte, die seltener angeschafft und deren Preise damit eben auch weniger stark wahrgenommen würden etwa Flachbildschirme, PCs oder Camcorder. Außerdem bewerten Verbraucher nach seinen Worten Verluste stärker als Gewinne, was dazu führt, dass Preissenkungen zugunsten der Haushaltskasse schlicht weniger Beachtung finden.

Das sind jedoch rein psychologische Aspekte, die bei der Berechnung der amtlichen Teuerungsrate keine Berücksichtigung finden. Hierzu werden alle Preisveränderungen eines repräsentativen Warenkorbs gleich behandelt und entsprechend den jährlichen Ausgaben eines Durchschnittshaushalts gewichtet. Im Dezember 2007 lag die wahrgenommene Inflation bei 8,8 Prozent, fast dreimal so hoch wie der amtliche Wert von 3,2 Prozent.

Wie bei der Euro-Einführung

Dieses Phänomen erinnert Brachinger an die Einführung des Euros. Damals erreichte sein Wahrnehmungsindex ähnlich hohe Werte, und rasch war vom "Teuro" die Rede. Die Folge: Käufer halten sich eher zurück und angesichts einer hohen gefühlten Inflation werden größere Investitionen erst einmal zurückgestellt. Auch dann, wenn nicht gerade alltägliche Güter wie technische Geräte nachweislich günstiger geworden sind, wie Brachinger weiter erläutert.

"Es gab aber auch Zeiten, in denen die wahrgenommene Inflation unter dem Wert der amtlichen Inflationsrate lag", betont der Indexspezialist. Dies sei zum Beispiel vor der Euro-Einführung so gewesen. Seinerzeit hätten sich viele Anbieter vor allem im Lebensmittelbereich - einen starken Wettbewerb mit sinkenden Preisen auf breiter Front geliefert.

Mit Blick auf die weitere Preisentwicklung in diesem Jahr geht Brachinger von einer weiteren Steigerung aus: "Eine Jahresinflation um 2.5 Prozent ist realistisch. Und das Inflationsgefühl wird hoch bleiben."

Die Studie Die vollständige Studie finden Sie hier.

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KOMMENTARE (10 von 27)
 
Knuffiman (02.03.2008, 15:55 Uhr)
bob-der-meister
bleiben sie realistisch. mit von 70igern redet kein mensch. es geht um 2000 und das ist ja noch nicht so lang her. die supermärkte sollten mal über den europreis den dm preis setzen- revoloution wäre im anmarsch - beutel paprika 8 mark sind nicht gefühlt sondern echt. es ist bis auf wenige ausnahmen, ist alles doppelt so teuer wie vor 7 jahren. solch eine preissteigerung hat es im vergangenen jahrzent nicht gegeben. schröder (der der uns verarscht hat) sagte damals: der handel macht das schon. hat er.
bei dem, was zum täglichen leben gebraucht wird, wird abgezockt.
dvd player kauf ich nicht so oft.
wären die preise moderat gestiegen, gäb das gejammere mit den löhnen nicht. oder wie will ein mittelständischer die lohnforderungen aufbringen dessen umsätze nicht gestiegen sind ?
( ist bei fast allen der fall)
was bleibt ist an den personalkosten zu sparen, alles andere an fixkosten ist schon weitgehendst optimiert. und so dreht sich die schraube - leider in die verkehrte richtung
bob-der-meister (02.03.2008, 10:07 Uhr)
Preisvergleiche und der Euro
@unheilig
Ich gehe sehr selten in Pommesbuden, aber wenn, dann werde ich dort eigentlich immer auch günstiger satt. 1/2 Hähnchen mit Pommes für 5€ geht immer noch. Oder Gyrosbrötchen mit Zaziki. Coca Cola trinken muss für mich auch nicht unbedingt sein, da gibt's auch günstigere Alternativen.
Ich finde auf Auslandsreisen den Wegfall des Umtausches schon sehr vorteilhaft. Preisvergleiche sind sehr einfach geworden. Über das Internet habe ich Zugriff auf viele Vergleichsmöglichkeiten, was mir ermöglicht, günstigere Preise für Reisen und Einkäufe im Internet zu bekommen.
Zugegeben, ich lebe nicht am Existenzminimum, sondern beziehe ein durchschnittliches Einkommen.
Ich ärgere mich auch, wenn die Spritpreise steigen und Lebensmittel teurer werden, mache dafür aber andere Ursachen eher verantwortlich als die Umstellung auf den Euro. Zum Beispiel die unsinnige Förderung von Biosprit, was zur Verknappung des Angebots auf dem Getreidemarkt führt. Die Angestellte in der Pommesbude hat sicherlich auch kein besseres Gehalt als vor der Währungsumstellung. Evtl hat der Betreiber etwas höhrere Gewinne, aber auch gestiegene Abgaben z. B. für Energie und Lohnnebenkosten.
Die Weltmarktabhängigkeit hat mit dem Euro aber nichts zu tun.
Schlussendlich freue ich mich, dass der Euro uns Europäer doch stärker verbindet als die Kleinstaaterei davor.
Und die Preistreiberei der Energieriesen, von der wir schließlich mittelbar und unmittelbar alle betroffen sind, ist ebenfalls ein Thema, das andere Ursachen hat. Da müsste ein Kartellamt wesentlich stärker eingreifen können als es momentan kann.
OnTheRoad (01.03.2008, 22:02 Uhr)
Ein Kasten Coka Cola...
...hat vor 3 Jahren noch dauerhaft 6,99 € gekostet, ist dann auf 7,69 € angehoben worden, kostete dann kurz vor der MwtSt.-Erhöhung plötzlich 9,49 € und liegt mittlerweile zwischen 9,69 € und 9,99 €.
unheilig (01.03.2008, 20:34 Uhr)
@bob-der-meister
Der Euro selbst hat uns aber meines Erachtens mehr genutzt als geschadet.mhhh wäre ja mal nett,wenn sie ein paar beispiele sagen wo er uns mehr genutzt hat.bei uns in der nähe ist eine pommesbude,da hat zu dm zeiten ein jägerschnitzel mit pommes 7.80dm gekostet heut kostet es 7.80 euro!!also mir hats nix genutzt,aber den angestellten in der pommesbude bestimmt:)
bob-der-meister (01.03.2008, 18:55 Uhr)
@mupfeline
Genau das wollte ich thematisieren. Die Sauerei ist, dass viel zu viele Menschen vom vorhandenen Wohlstand abgekoppelt sind.
Die Kaufkraft unseres Geldes- ob Mark oder Euro- ist in den vergangenen 6 Jahren, auch seit Euro-Einführung, nicht stärker zurückgegangen als im Schnitt der 50 Jahre davor.
Natürlich weiß ich, dass Geringverdiener unter der Teuerungsrate de facto besonders stark leiden. Und dies ist mir keineswegs egal. Ich wäre für eine stärkere Angleichung der Einkommen und deutlich höhere Abgaben auf Spitzeneinkommen zwecks Umverteilung.
Der Euro selbst hat uns aber meines Erachtens mehr genutzt als geschadet, auch wenn die Umstellung stellenweise zur Kaschierung von Preissteigerung genutzt worden ist,was ziemlich schäbig war.
Sorry an alle, die meine Aussagen anders verstanden haben.
mupfeline (01.03.2008, 17:57 Uhr)
@bob-der_meister
Leider nützen zumindest UNS Ihre Beschwichtigungs- und Erklärungsversuche gar nichts da mein Mann trotz Vollzeitjob nur 6 Euro brutto in der Stunde bekommt. Wir sind noch nie geflogen und einen Flachbildfernseher haben wir auch nicht.
Essen müssen wir aber jeden Tag. Wir müssen auch Strom und Gas kaufen. Wir müssen mit dem kleinen gebraucht erstandenen Auto zum Arzt fahren weil die Ärzte bei uns reihenweise zumachen. Die Bus- und Zugverbindungen werden im Gegenzug immer weiter ausgedünnt. Ach so - und rauchen tun wir natürlich nicht - das könnten wir uns gar nicht leisten.
Wussten dass Sie dass jeder 7. in Deutschland unter dem Existenzminimum "verdient" - also ich denke, Sie sollten mit Ihren Verallgemeinerungen ein wenig vorsichtiger umgehen. Übrigens, Miete und NK machen heute knapp 40 Prozent unseres Einkommens aus. Ich könnte schwören dass dies früher weniger war!
unheilig (01.03.2008, 17:54 Uhr)
@bob-der-meister
man,sie haben ja übersinnliche fähigkeiten:Interessanterweise sind es gar nicht in erster Linie diejenigen, bei denen es wirklich knapp ist, die über hohe Preise jammern, sondern eher die, denen es für den dritten Pauschalurlaub knapp wird, weil die Zigaretten teurer geworden sind.solltest dich bei der nächsten uri-geller show bewerben!:)
bob-der-meister (01.03.2008, 16:30 Uhr)
Gefühle und Vergleiche
Es gab aber auch Zeiten, da kostete ein Brot nur 1,50 DM. oder noch weniger.
Trotzdem musste in den 70er Jahren ein Durchschnittsverdiener bei vielen Warengruppen des Grundbedarfs deutlich länger für den Gegenwert des Geldes arbeiten als heute.
Und an Urlaubsreisen war für viele gar nicht zu denken. Heute flegen Sie für 100 Euro nach Malle und zurück. Hotelzimmer gibt's für 20€/Person incl. Halbpension.
Auch für Miete und Lebensmittel müssen wir heute weniger lange arbeiten als früher. Die Preise waren nominal natürlich niedriger.
Und es gab weniger Leute, die wie heute etwa ein Herr Bohlen, so unverschämt und dekadent mit ihrer vielen Kohle protzen.
paulali (01.03.2008, 16:16 Uhr)
?!
früher habe ich fürn Milchkaffe sicherlich keine 6-7 DM bezahlt und fürn Brot keine 6-8 DM /Kilo...
also das ist nicht nur "gefühlt" teuer geworden
Turmfalke (01.03.2008, 16:12 Uhr)
Einfach
Benzin 1990 ca. 1,34 DM = etwa 0,67 €
*
Benzin 2008 ca 1,44 € - nicht gefühlt sondern in der Geldbörse Fakt.
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