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Ruhig mal Gas geben beim Grillen

Wer bequem grillen will, nimmt einen Gasgrill. Die mobilen Küchenzeilen für den Garten haben eigentlich nur Vorteile - bis auf eine Kleinigkeit.

Von Henry Lübberstedt

 Gas- oder Kohlegrill: Wer brutzelt besser?

 Gas- oder Kohlegrill: Wer brutzelt besser?

Ventil aufdrehen, Taste drücken und mit einem "Pfump" springen die Brenner an. Binnen weniger Minuten kann das erste Grillgut auf den Rost. Mit Holzkohle bekommt das Fleisch erst nach rund einer halben Stunde Hitzekontakt. Die Kohle muss zunächst durchglühen, es qualmt gewaltig und riecht für die Nachbarn auch nicht immer angenehmen., Wer es bequem mag, der grillt mit Gas. Nach Schätzung der Grillhersteller schwören gut zehn Prozent aller deutschen Grillfans auf die Gasbefeuerung. Im Vergleich zu den USA ist Deutschland  ein Entwicklungsland.  Ein Drittel der US-Grillfreunde heizt dem Grillfleisch mit Gas ein. "Wer mit Gas grillt, kocht für gewöhnlich auch sonst leidenschaftlich gern. Im Garten möchte man dann mit ähnlichem Komfort seinem Hobby nachgehen", sagt Hans-Jürgen Herr, Deutschland-Chef des Grillherstellers Weber-Stephen.

Allerdings hat der Gasgrill einen Nachteil: der Preis. Die Gasbrennerei ist technisch aufwändig. Das macht den Gasgrill deutlich teurer als seinen Holzkohle-Kollegen. Ein kleiner Basis-Gasgrill kostet gut 150 Euro. Wer etwas mehr Ausstattung und Grillfläche wünscht, zahlt schnell mehr als das Doppelte. Zudem ist die Beschaffung des Brennmaterials aufwändiger: Holzkohle gibt es 24 Stunden an sieben Tagen an jeder Tankstelle, Gasflaschen nur zu den Ladenöffnungszeiten in ausgewählten Geschäften oder Baumärkten.  Wem diese Hürden egal sind, schiebt sich mit dem Gasgrill eine fahrbare Küchenzeile in seinen Garten.  Größere Geräte bekommen selbst ein Dutzend Personen ohne große Wartezeiten satt. Bessere Gasgrills  haben Herdplatten an der Seite, können elektrisch betriebene Drehspieße aufnehmen oder Steaks mit 400 Grad Hitze das perfekte Brandig verpassen. "In den Garten schieben" ist bei solchen Luxusgeräten dann wörtlich gemeint, rund 80 Kilo trägt man nicht mehr.

Den korrekten Betrieb seines neuen Grills sollten sich vor allem Einsteiger von einem Fachmann beim Kauf erklären lassen.  Finger weg von Gasgrills ohne CE-Kennzeichnung. Die Kennzeichnung CE0085 ist zwar kein Gütesiegel, es bescheinigt dem Grill jedoch, dass er die in Europa geltenden Mindestanforderungen an Sicherheit erfüllt. Wer ein Schnäppchen im Ausland ersteht, muss den Grill für den Betrieb in der Heimat umrüsten. damit er mit den hiesigen Ventilen und dem gängigen Gasdruck umgehen kann. Manchmal verlieren die Geräte dann jedoch ihre Garantie. 

Was einen guten Gasgrill ausmacht

Damit Fett nicht direkt auf die Brenner tropft und Stichflammen auslöst, erhitzt  die Gasflamme das Grillgut nicht direkt. Entweder erwärmt sie poröse Lavasteine oder ähnlich gut leitendes Natur-Material oder die Brenner heizen Winkelschienen aus Metall an, die direkt unter dem Grillrost verlaufen. Größere Geräte feuern mit mehreren Gasflammen, die sich am besten separat einschalten lassen sollten.  Zwei sollten es mindestens sein. So lassen sich Temperaturzonen einrichten auf denen dann gleichzeitig Grillgut mit unterschiedlichen Garzeiten gegrillt werden können.  Auf der heißen Seite Fleisch, auf der weniger heißen Gemüse oder kleinere Grillstücke.

Mit drei Brennern lässt sich wunderbar indirekt grillen.  Sind nur die Brenner am Rand aktiv und ist der Deckel geschlossen, können größere Fleischstücke wie ganze Hähnchen, Braten oder Spare Rips bei einer Temperatur um 110 Grad langsam gegart werden. Die niedrige Temperatur macht über Stunden auch zähes Fleisch butterweich. Das berühmte Pulled Pork oder das Briskett werden so zubereitet.  Mit Holzkohle oder mit Holz im Smoker ist diese Temperatur nur mit viel Erfahrung und Arbeit zu halten. Der Gasgrill hingegen wird  die Temperatur eingestellt und der Deckel geschlossen - fertig.  Wer häufiger bei niedrigen Temperaturen grilllen möchte, sollte unbedingt auf die Qualität des Deckels achten.  Am besten sind Hauben aus Gusseisen oder mit einer Doppelwand. Solche Modelle speichern die Hitze und sorgen so für eine stabile Temperatur. Dünne Blechdeckel hingegen sind nu bedingt für stundenlanges Garen geeignet. 


Holzkohle-Befürworter vermissen das typische Kohle-Aroma beim Gas-Grill. Der Grill-Experte und Vorsitzende des Grillsportvereins, Elmar Hör, hält das jedoch für Einbildung: "Der Spitzenkoch Johann Laffer hat in einer Blindverkostung Fleisch vom Holzkohle und vom Gasgrill angeboten, da hat keiner den Unterschied herausgeschmeckt." Es bleibt letztendlich Geschmackssache, über die bekanntlich herzhaft gestritten werden kann. Mit speziellen Holzchips, meist von Obstbäumen, lässt sich auch auf dem Gas-Griller ein holziges Aroma zufügen. Die Alutüte mit den Chips wird mit einer Gabel perforiert und beim Garen in den Grill gelegt.

Backen, Kochen , Schmoren, Grillen, Braten, Garen

Bei höherwertige Gasgrills kann der Geschmack über die so genannten Aroma-Schiene verfeinert werden. Die Metall-Leisten werden mit einer beliebigen Flüssigkeit wie Bier, Wein oder Wasser mit Kräutern gefüllt. Die Flüssigkeit verdampft während des Garens und gibt ihr Aroma an das Grillgut ab.

Der "Grillaltar" für den ambitionierten Grill-Meister ist die so genannte Grillstation: Sozusagen vollwertige Outdoor-Küchenzeilen. Backen, Kochen, Schmoren, Grillen, Braten, Garen – kein Problem für so ein Geschoss. Dazu gibt es reichlich Ablagefläche, Unterschränke und Schubladen. Die Preise beginnen bei 600 Euro und enden bei 4000 Euro und mehr.  

Doch gleich wie viel man in den Gasgrill investieren möchte, es gibt eine Grundregel beim Kauf: Nur eines ist wichtiger als Grillfläche: noch mehr Grillfläche. Wer neben dem Hauptgang noch Beilagen grillen will, braucht Platz.

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