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Diätpulver – sinnvoll oder einfach nur teuer?

Die Hose kneift, der Blick in den Spiegel macht klar: Ein paar Kilos müssen runter. Diätpulver sollen das Abnehmen erleichtern – schnell und unkompliziert. Wirken sie tatsächlich?

Von Lea Wolz

Ein Diät-Shake ersetzt die Mahlzeit, die Kalorienzahl ist stark beschränkt, dadurch lässt sich abnehmen.

Ein Diät-Shake ersetzt die Mahlzeit: Die Kalorienzahl ist stark beschränkt, dadurch lässt sich abnehmen.

Sie werben mit vollmundigen Versprechen: "Die Diät, die man Dir sofort ansieht", heißt es auf der Internetseite von Slimfast. Erfolgreiches Abnehmen verspricht die BCM-Diät von Precon. Und Almased soll nicht nur schlank machen, sondern sogar Vitalität und Lebensfreude bringen. Abnehmpulver - sogenannte Formula-Diäten - sind beliebt. Die Werbung preist sie als einfachen und erfolgreichen Weg an, um überflüssige Pfunde zu verlieren. Ohne Kalorienzählen und lange Einkaufslisten.

Entwickelt wurden die Pulver einst, um stark Übergewichtigen mit einem Body-Mass-Index von mehr als 30 beim Abnehmen zu helfen - unter ärztlicher Aufsicht. Doch längst kommen Almased, Slimfast und Co. nicht mehr allein bei Adipositas zum Einsatz, die Pulver haben den Massenmarkt  erobert und sind in Apotheken, Reformhäusern und teilweise auch im Supermarkt erhältlich - für zehn bis zu 40 Euro pro Dose. Doch lässt sich mit den Mitteln tatsächlich erfolgreich abnehmen?

Wie funktionieren Abnehmpulver?

Bei Formula-Diäten werden Messer und Gabel erst einmal überflüssig. Statt fester Mahlzeiten landen vor allem Fertigshakes, aber auch Fertigriegel und Suppen auf dem Tisch. Die Geschmacksrichtungen sind vielfältig: Erdbeere, Banane, Vanille aber auch Cappuccino stehen zur Wahl. Wer sich für ein Pulver entschieden hat, rührt es wie vorgegeben entweder mit Milch oder mit Wasser an - fertig ist die Abnehmmahlzeit.

Die Konzepte der einzelnen Anbieter variieren zwar leicht, doch zu Beginn steht meist eine Phase, bei der die Shakes komplett die Mahlzeiten ersetzen. Darauf aufbauend wird die Pulvernahrung langsam zurückgefahren, einzelne selbst zubereitete Gerichte kommen hinzu. Sieht das Konzept vor, dass die Shakes sämtliche Tagesmahlzeiten ersetzen sollen, ist ein Hinweis auf der Verpackung Pflicht: Ohne ärztlichen Rat darf es nicht länger als drei Wochen verwendet werden.

Die Shakes unterliegen der Diätverordnung. So soll sichergestellt werden, dass der Körper alle wichtigen Nährstoffe durch die Pulver erhält. Ein bestimmter Anteil an Kohlenhydraten, Fett und Proteinen ist ebenso vorgeschrieben wie Mindestmengen an Vitaminen, Calcium und Eisen. Pro Mahlzeit landen so zwischen 200 bis maximal 400 Kilokalorien im Glas. Pro Tag sollen es laut Diätverordnung mindestens 800, höchstens 1200 Kilokalorien sein.

"Diese strikt reduzierte Kalorienmenge bewirkt letztlich den Abnehmerfolg", sagt  Ernährungsexpertin Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Die Pulver sind kein Zaubertrank, es gibt keinen Inhaltsstoff, der Wunder bewirkt."

Wie sinnvoll sind die Pulver?

Weniger Kalorien und dadurch langfristig weniger Gewicht - erreichen lässt sich das auch ohne Diätpulver. "Etwa durch mehr Gemüse und Salat statt fettige und zuckerhaltige Speisen", sagt Schwartau. Mehr Genuss verspreche eine solche Ernährungsweise zudem. Denn auch wenn die Pulver mit Geschmack angereichert sind: Kulinarische Highlights kann man von ihnen nicht erwarten.

Sinnvoll zusammengesetzt sind die Diätpulver der Ernährungsexpertin zufolge allerdings. Sie enthalten die für den Körper notwendigen Nährstoffe. "Eine solch radikale Crashdiät ist für den Körper nicht ungefährlich", sagt Schwartau. Bekommt er zu wenig Eiweiß, beginnt er damit, den Bedarf zu decken, indem er Muskelmasse abbaut. "Um dem entgegenzuwirken, ist in der Diätverordnung festgelegt, dass die Pulver ausreichend und hochwertiges Protein enthalten müssen." Auf Vitamine, Mineralstoffe wird geachtet, essenzielle Fettsäuren muss man meist selbst noch zugeben - etwa durch Pflanzenöl.

Einziges Manko: Die Ballaststoffe fehlen oder sind nicht ausreichend beigemengt. "Meist sind nur minimale Mengen enthalten, zum Beispiel weniger als ein halbes Gramm pro 100 Gramm", sagt Schwartau. Die für Erwachsene empfohlenen mindestens 30 Gramm Ballaststoffe pro Tag lassen sich so kaum erreichen. "Auf Dauer drohen bei Ballaststoffmangel Verdauungsprobleme, insbesondere wenn zugleich zu wenig getrunken wird", so die Expertin.

Sind sie für jedermann empfehlenswert?

 "Bei stark übergewichtigen Menschen, kann es sinnvoll sein, zu Beginn einer Diät die Pulver einzusetzen, damit sich ein Anfangserfolg zeigt", sagt Schwartau. "Das sollte dann allerdings unter ärztlicher Aufsicht passieren." Bei gesunden Erwachsenen spreche im Prinzip allerdings nichts dagegen, wenn sie die Formula-Diät einmal ausprobieren.

Wer nachhaltig Gewicht verlieren will, sollte allerdings auch sein Verhalten ändern und etwa die  Ernährung umstellen und sich mehr bewegen. "Wer nur auf die Pulver setzt und nach der Crashdiät wieder in seine alten Gewohnheiten zurückfällt, nimmt schnell wieder zu", sagt die Ernährungsexpertin. Dann droht der Jojo-Effekt. Ein begleitendes Coaching, das dabei hilft die Ursachen des Übergewichts anzugehen, ist aus ihrer Sicht daher unerlässlich.

Schwangere, Menschen mit einem Stoffwechselleiden wie Diabetes oder Nierenkranke sollten gänzlich auf die Pulver verzichten. Wichtig sei es auch, zusätzlich zu den Shakes, Suppen oder Riegeln ausreichend zu trinken, sagt Schwartau. Sonst könne die verminderte Energiezufuhr zu Schwindel oder Herzkreislauf-Problemen führen.

Ganz ähnlich bewertet auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung die Formula-Diät. "Für adipöse Patienten mit einem BMI über 30 ist sie besonders geeignet, um das Abnehmen anzustoßen und die Motivation zu fördern. Allerdings nur kurzfristig und unter ärztlicher Aufsicht", sagt eine Sprecherin zum stern. "Wer nur ein, zwei Kilo abnehmen will, für den empfehlen wir andere Methoden, die nachhaltig zum Erfolg führen und eine Umstellung des Lebensstils beinhalten." Eine Formula-Diät führe zwar zu schnellem Gewichtsverlust, scheitere jedoch auch schnell, wenn sie nicht in ein langfristiges Ernährungskonzept eingebunden werde. Generell sei es ratsam, einmal vor Beginn der Diät mit seinem Arzt zu sprechen. "Dieser kann am besten einschätzen, ob die Pulver für den jeweiligen Patienten eine gute Wahl sind", so die DGE-Sprecherin. Für Bluthochdruckpatienten etwa, die Medikamente einnehmen, gilt: Finger weg von den Mixturen.

Vorsicht vor überzogenen Versprechen

"Mit Formula-Diäten lässt sich kurzfristig abnehmen", sagt Schwartau. Das leisten die Pulver. Doch manches Versprechen ist deutlich zu vollmundig - und daher auch unzulässig. Die Verbraucherzentrale Sachsen hat zwei Urteile gegen Almased erstritten. Demnach darf nicht mehr mit konkreten Angaben wie "In wenigen Monaten von 75 auf 60 Kilo" geworben werden. Auch Versprechen wie "aktiviert den Stoffwechsel", "reguliert nachweislich den Blutzuckerspiegel"  und hilft unterstützend bei Rheuma, Osteoporose oder Diabetes stuften die Gerichte als irreführend und damit als nicht erlaubt ein.

 

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