Schlucken statt spritzen

Sechs Sorten Tabletten gegen Diabetes sind auf dem Markt, eine siebente ist in Sicht. Alle senken auf verschiedene Weise den Blutzuckerspiegel. Einige haben jedoch schwere Nebenwirkungen.

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Für die Diabetestherapie sind verschiedene Medikamentenklassen auf dem Markt©

Das Angebot an Tabletten gegen Diabetes ist groß. Es gibt sogenannte Biguanide, Glinide, Glitazone, Gliptine, Sulfonyl-Harnstoffe und Alpha-Glucosidase-Hemmer. Und ständig kommen neue Wirkstoffe auf den Markt. In Kürze wird die Zulassung der Gruppe der Gliflozine oder sogenannten SGLT2-Hemmer erwartet. Einige Präparate haben jedoch Nebenwirkungen, die ihren Einsatz nicht immer rechtfertigen.

Ihr Arzt wird daher zunächst versuchen, Sie ohne Tabletten zu behandeln. Falls Sie Diabetes Typ 2 haben, können mehr Bewegung und weniger Nahrung schon ausreichen. Dann werden Sie abnehmen - und damit wird auch Ihr Blutzuckerspiegel sinken. Nur wenn diese Therapie nicht ausreicht, wird der Arzt Ihnen Tabletten empfehlen. Möglicherweise rät er Ihnen aber auch, Insulin spritzen.

Tabletten helfen nur bei Diabetes Typ 2

Pillen gegen den Zucker kommen nur für Menschen in Frage, die Diabetes Typ 2 haben. Deren Bauchspeicheldrüse produziert noch Insulin. Ohne diese Voraussetzung können die Tabletten nicht wirken. Manche Präparate regen das Organ an, mehr von diesem Hormon freizusetzen. Andere Wirkstoffe blockieren hingegen die Leber, damit sie nicht so viel Zucker bildet, und regen gleichzeitig Muskeln und Fettgewebe an, den Zucker aus dem Blut zu speichern.

Ihr Arzt wird Ihnen zunächst nur ein Medikament verordnen. Zwei verschiedene Tabletten bekommen Sie erst, wenn ein Präparat allein nicht genügt. Das ist der Fall, wenn Ihr HbA1c-Wert, also der Langzeitwert Ihres Blutzuckers, sich nicht erheblich bessert, sondern nach drei Monaten immer noch bei über sieben Prozent liegt. Nur in seltenen Fällen verschreiben Ärzte drei Pillenarten. Meist läuft es darauf hinaus, dass bei ausbleibender Wirkung weiterhin Tabletten und zusätzlich Insulinspritzen empfohlen werden.

Einige Präparate erhöhen das Herzinfarktrisiko

Zuckerkranke haben ein erhöhtes Risiko, dass ihre Adern verkalken, dass sie Schlaganfälle bekommen, Herzinfarkte erleiden oder dass ihr Herz sehr schwach wird. Mehr als die Hälfte aller Menschen mit Diabetes stirbt an einem Herzinfarkt. Warum das so ist, wissen Forscher noch nicht.

Es gibt Pillen, die das Risiko mindern - zum Beispiel Metformin. Doch es gibt auch Tabletten, die es erhöhen. Deshalb haben es Pharmafirmen in den USA schwer, neue Diabetesmedikamente auf den Markt zu bringen: Sie müssen künftig nicht nur beweisen, dass ihre Mittel den Blutzuckerwert senken. Sie müssen auch belegen, dass sie das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht erhöhen.

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