. .
Gesundheit - News und Ratgeber
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
5. Juni 2011, 20:34 Uhr

Sprossen aus Bienenbüttel unter Verdacht

Zumindest eine Quelle des Ehec-Erregers scheint ausgemacht zu sein: Sprossen von einem Hof bei Uelzen. Der Chef der Firma kann sich die Vorwürfe nicht erklären.

ehec, EHEC, Bakterium, Erreger, HUS, krank, Epidemie, Infektion, Gurken, Virus, Deutschland, Mediziner, Sprossen, Bienenbüttel, Uelzen

Sprossen sind schon länger als Träger von Krankheitserregern bekannt© Julian Stratenschulte/DPA

Sprossengemüse aus Niedersachsen ist offensichtlich eine Ursache für den schweren Ausbruch der Ehec-Seuche in Deutschland. Die Ware stammt aus einem inzwischen geschlossenen Bio-Betrieb in Bienenbüttel im Kreis Uelzen, wie das niedersächsische Landwirtschaftsministerium mitteilte. Unklar blieb, ob noch Ehec-verseuchte Ware im Handel ist. Insgesamt seien 18 Sprossenmischungen verdächtig.

Schon einmal hatte Experten geglaubt, eine Ehec-Infektionsquelle gefunden zu haben und zwar in einer Ladung spanischer Gurken. Weitere Untersuchungen entkräfteten dann aber den Verdacht. Die falsche Analyse hatte Proteste spanischer Bauern und der Regierung in Madrid ausgelöst.

Die Warnung vor Gurken, Tomaten und Salat bleibe aber auch nach den neuen Erkenntnissen aus Niedersachsen bestehen, sagte Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU). "Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die mit dem Ehec-Erreger kontaminierte Ware bereits vollständig verarbeitet und verkauft wurde", teilte das Ministerium in Hannover weiter mit. Die Behörden sind sich zudem nicht sicher, ob der Betrieb die alleinige Quelle für die Ehec-Infektionen ist. "Ob die Untersuchungen zu einem Nachweis des Keimes führen, der für das derzeitige Ausbruchsgeschehen verantwortlich ist, bleibt abzuwarten."

Auch in Niedersachsen gebe es noch keinen definitiven Beweis. "Die Indizienlage ist jedoch so eindeutig, dass das Ministerium empfiehlt, derzeit auf den Verzehr von Sprossen zu verzichten." Mit gesicherten Erkenntnissen sei am Montag zu rechnen, sagte Lindemann. Sprossen waren vor Jahren in Asien Ursache für eine schwere Ehec-Epidemie.

Zuchttemperatur kann Keimwachstum beschleunigen

Nach Angaben von Lindemann erkrankte eine Mitarbeiterin aus dem betroffenen Betrieb nachweislich an Ehec. "Das ist für uns die plausibelste Erkrankungsursache", sagte er und nahm den Betrieb in Schutz. "Wir können nicht erkennen, dass der Betriebsinhaber ein Verschulden an der Entwicklung trägt."

Die Temperatur von 38 Grad bei der Zucht begünstige die Vermehrung von Bakterien. Einige Sprossenmischungen, die als Ehec-Quelle infrage kommen, stammen auch aus dem Ausland. Aus welchem Land genau Sprossenkeimlinge nach Niedersachsen importiert wurden, sagte Lindemann nicht.

Der Geschäftsführer des Hofs, Klaus Verbeck, kann sich keinen Reim auf die Vorgänge machen. Er sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", dass die Salatsprossen überhaupt nicht gedüngt würden. Auch in anderen Geschäftsbereichen des Hofes werde kein tierischer Dünger verwendet.

Die Sprossen seien direkt oder über Zwischenhändler geliefert worden. Die Behörden machten Abnehmer in Klein Meckelsen im Kreis Rotenburg (Niedersachsen), Lübeck, im Kreis Lüneburg und Bochum aus.

Die Zahl der Todesfälle infolge einer Ehec-Infektion stieg am Wochenende nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) auf 21. Bundesweit sind inzwischen 1526 Ehec-Fälle bekannt, bei 627 Patienten wurde das gefährliche hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) diagnostiziert. Zahlreiche Patienten schweben noch in Lebensgefahr.

Vorsicht vor diesen Sprossen Von dem Hof der Firma stehen 18 Sprossenmischungen unter Verdacht. Unter anderem handelt es sich um Bohnenkeimlinge, Brokkolisprossen, Erbsen- und Kichererbsensprossen, Knoblauchsprossen, Linsensprossen, Mungobohnenkeimlinge, Radieschen- und Rettichsprossen. Auch Sprossenmischungen wurden von dem Betrieb geliefert.

Sprossen als Träger von Erregern Die Sprossen können Träger von Krankmachern wie Salmonellen, Noroviren und eben auch Ehec sein. In Japan waren Sprossen vor Jahren Grund für einen Ehec-Ausbruch: Nach dem Verzehr von Rettich-Sprossen erkrankten dort nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit mehr als 10.000 Menschen. Die Sprossen wurden demnach durch Rinder-Dung auf dem Feld verschmutzt.

nik/DPA
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Schwieriger Kampf gegen Ehec-Epidemie Krankenhäuser am Limit

Gesundheitsminister Bahr räumt ein: Die Kliniken im Norden sind bei der Versorgung der Ehec-Patienten überlastet. Bei Suche der Erreger-Quelle geraten nun auch Biogasanlagen ins Visier. mehr...

Angebliche Erreger-Quelle Ehec-Befund in Lübecker Lokal negativ

Die Ehec-Spur führte in ein Restaurant nach Lübeck - doch war es auch die Richtige? Nun hat sich der betroffene Gastwirt erstmals geäußert: Bislang seien die Proben negativ. mehr...

Pfad durch den Behördendschungel Das Who is Who der Ehec-Krise

Ob RKI, BfR, DGfN oder BMLV - im Behörden- und Institutswirrwarr rund um die Ehec-Epidemie verliert der Laie leicht den Überblick. stern.de erklärt, wer wofür zuständig ist. mehr...

Ein Ehec-Patient erzählt "Vor Schmerzen konnte ich kaum laufen"

Markus Boeddeker erkrankte an Ehec. Nach einer Woche am Tropf geht es dem Hamburger wieder besser. Doch Angst hat er noch immer. mehr...

Ehec-Epidemie "Das hier ist eine richtige Katastrophe"

Auch zwei Wochen nach Ausbruch der Ehec-Epidemie versuchen Ärzte, die Situation in den Griff zu bekommen. stern.de sprach mit dem Hamburger Nierenspezialisten Rolf Stahl über die derzeitige Lage. mehr...

Ehec-Erreger entschlüsselt Das Genom des Schreckens

Deutsche und chinesische Experten haben das Erbgut des grassierenden Ehec-Bakteriums sequenziert. Darin findet sich eine bislang nicht beschriebene Neukombination von Genen. mehr...