Schlauer essen

Was in Lebensmitteln steckt, steht nicht immer auf dem Etikett: Hersteller müssen nicht alles nennen, was sie verwenden. Und was sie angeben, ist oft nur schwer zu verstehen. Eine Gebrauchsanleitung.

1 Bewertungen
Essen, Nahrung, Zusatzstoffe, Zusatzstoffe, Lebensmittel

Im Erdbeerjoghurt muss nur wenig Erdbeere stecken©

Ist ein Erdbeerjoghurt ein Joghurt voll mit Erdbeeren? Nur bedingt. Es kommt auf die Details an: So muss ein Becher, auf dem "Erdbeerjoghurt" steht, nur neun Gramm echte Früchte enthalten, wenn der gesamte Inhalt 150 Gramm beträgt. Das entspricht etwa einer halben Erdbeere. Spricht die Verpackung von einem "Joghurt mit Fruchtzubereitung", reichen sogar weniger als sechs Gramm, was einem Drittel einer Beere entspricht. Und noch mehr knausern können Hersteller bei einem "Joghurt mit Erdbeergeschmack".

Und der Geschmack? Hat ziemlich sicher wenig mit der Originalfrucht zu tun. Erdbeeren etwa verlieren während der industriellen Verarbeitung ihr Aroma und schmecken nur noch fade. Das ist bei vielen anderen Originalzutaten auch so. Deshalb helfen viele Hersteller mit Ersatzstoffen aus dem Labor nach und fügen je nach Produkt weitere chemische Helfer hinzu, etwa Aromen, Konservierungs- und Verdickungsmittel sowie Farbstoffe. In herzhaften Produkten kommen auch andere Stoffe hinzu, etwa Geschmacksverstärker.

Hinter den E-Nummern verbergen sich 320 Zusatzstoffe

Sogenannte Zusatzstoffe müssen gemäß Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung bei verpackten Produkten auf der Zutatenliste aufgeführt sein. Diese Substanzen verdicken, säuern, machen länger haltbar oder größer, sie färben oder verstärken den Geschmack.

Zurzeit sind in der Europäischen Union 320 Stoffe als Lebensmittelzusatzstoffe zugelassen. Nicht jede dieser E-Nummern steht jedoch für einen eigenen Wirkstoff. Viele kennzeichnen lediglich verschiedene Varianten einer Substanz.

Nicht giftig, aber umstritten: Amaranth

Auf der Packung müssen Zusatzstoffe wahlweise mit ihrem chemischen Namen oder ihrer E-Nummer erwähnt sein. Das "E" steht für Europa, die Ziffern dahinter beschreiben EU-einheitlich die Stoffe von E 100 (für den Gelbwurzel-Farbstoff Kurkumin) bis E 1520 (für das Lösemittel Propylenglycol). Die Substanzen sind prinzipiell keine Schadstoffe, sie sind nicht giftig und in den verwendeten Konzentrationen nicht gesundheitsschädlich.

Umstritten sind sie dennoch. Einige stehen im Verdacht, hoch dosiert zu Durchfall zu führen oder bei empfindlichen Menschen Allergien oder Pseudoallergien auszulösen. Die Verbraucherzentralen sehen bei etwa 50 Zusatzstoffen Gefahren, vor allem für Menschen mit Allergien oder Asthma. Von einigen Stoffen raten sie ganz ab, etwa von Amaranth (E 123), einem künstlich erzeugten, roten Farbstoff, der in einigen Spirituosen zugelassen ist. Er steht unter Krebsverdacht.

 
 
MEHR ZUM THEMA