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3. Januar 2010, 21:06 Uhr

Mehr als 3600 Ärzte fehlen

Ob Kinderärzte, Psychotherapeuten oder Hausärzte - in Deutschland fehlt es an allen Ecken und Enden an niedergelassenen Medizinern. Vor allem auf dem Land ist die ärztliche Grundversorgung ernstlich in Gefahr. Die Kassenärztliche Vereinigung schlägt Alarm und fordert bessere Bedingungen für Mediziner.

Ärzte, Ärztemangel, Kassenärztliche Vereinigung, Hausärzte

Ärztliche Behandlung - in einigen ländlichen Gebieten bald keine Selbstverständlichkeit mehr© Frank May/DPA

Angesichts tausender fehlender Ärzte in Deutschland wird der Ruf nach einem Kurswechsel lauter. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Patientenbeauftragte Wolfgang Zöller forderten bessere Bedingungen und Anreize für Mediziner. Insgesamt fehlen laut einer neuen KBV-Statistik derzeit bundesweit 3620 niedergelassene Ärzte - darunter 2026 Hausärzte, 1260 Psychotherapeuten und 334 Fach- und Kinderärzte.

"Wir müssen den drohenden Ärztemangel als gesellschaftliche Herausforderung begreifen", sagte der KBV-Vorsitzende Andreas Köhler am Sonntag in Berlin. Der CSU-Politiker Zöller sagte dem Magazin "Focus": "Für viele ist die freie Arztwahl tatsächlich reine Theorie. Wir müssen gezielt für Anreize sorgen, damit sich Ärzte auch im ländlichen Raum niederlassen."

Kaum Nachfolger für Hausärzte auf dem Land

Die meisten unbesetzten Arztsitze gibt es mit 678 in Niedersachsen, wie aus der Statistik hervorgeht. In Nordrhein-Westfalen könnten 493 Ärzte aus dem Stand neu zugelassen werden - gefolgt von Sachsen-Anhalt (379), Bayern (360), Sachsen (357), Baden-Württemberg (282), Thüringen (222) und Brandenburg (211). Vor allem Hausärzte auf dem Land finden oft keine Nachfolger, während es an Fachärzten in den Ballungsräumen in der Regel nicht mangelt.

Vor Beginn der Verhandlungen über eine neue Gesundheitsreform Anfang des Jahres machte Köhler Druck für seine Forderungen nach attraktiven Bedingungen und Änderungen der Zulassungsregeln. Ärzte- und Klinikorganisationen sollten zusammen mit den Ländern, den Krankenkassen und Patientenvertretern den Ärztebedarf in neuen Regionalverbünden planen, sagte er. "Regionalverbünde in jedem Bundesland koordinieren die Versorgungsplanung." Der Bedarf an niedergelassenen Ärzten und Klinikärzten solle so besser aufeinander abgestimmt werden. Auch nach Ansicht unabhängiger Experten drohen immer stärkere Engpässe bei der Grundversorgung.

Attraktive Rahmenbedingungen gefordert

Köhler forderte: "Länder, Städte und Kommunen sind genauso wie Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen aufgefordert, Ärzten attraktive Rahmenbedingungen zu bieten." Zöller sprach sich für ein Ende der geltenden Budget-Grenzen bei der Bezahlung der Ärzte durch die Kassen aus. "Nur dann weiß der Arzt, dass er für seine Leistung auch bezahlt wird, wenn er sie für Kassenpatienten erbringt." Die Kassen hatten Ärzteforderungen nach stärker steigenden Honoraren stets zurückgewiesen, da dies den Beitragszahlern nicht zuzumuten sei.

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) will die Gesundheitsreform zu Beginn des Jahres mit einer Regierungskommission auf den Weg bringen. Im Januar werde Rösler mit Mitarbeitern in Klausur gehen und dann einen Zeitplan vorlegen, kündigte Zöller an. Der regional immer stärker drohende Medizinermangel zählt zu den zentralen Punkten. Insgesamt ist die Zahl der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten in Deutschland auf zuletzt rund 150.000 gestiegen.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 44)
 
Xennia (06.01.2010, 07:48 Uhr)
Numerus Clausus abschaffen!
Es fehlen Ärzte, weil nicht genug ausgebildet werden. Der extrem restriktive Numerus Clausus (zur Zeit können nur Abiturienten mit einer 1 vor vor dem Komma Medizin studieren) muss fallen. Jeder, der den Wunsch hat und in der Lage dazu ist, sollte Medizin studieren können. Das haben übrigens vor kurzem, angesichts der katastrophalen Lage in unzähligen Gebieten Deutschlands, bei der Versorgung mit Ärzten, sogar die Ärzteverbände und Kassenärztlichen Vereinigungen verlangt, die in früheren Zeiten eine strikte Zulassungsberschränkung zum Studium forderten.
abra (05.01.2010, 13:45 Uhr)
schade
einfach furchtbar, daß jeder zu allem ne eigene meinung hat.
wie soll ich nur so nochdas böse verhindern können
jomimo (04.01.2010, 20:27 Uhr)
Also, die Grundversorgung ...
der KBVen scheint gefährdet.

An der Grundversorgung der GKV - Mitglieder haben diese Leute weniger Interesse.
jomimo (04.01.2010, 20:23 Uhr)
Wo ist mein Beitrag 20:15 ?
hatte nur die KBVen mit der GEZ verglichen.
paladin09 (04.01.2010, 17:57 Uhr)
Ärztemangel
existiert nicht! Das ist reine Lobbyarbeit der KBV. Im Gegenteil! Wir haben viel zu viele Ärtze und eine viel zu große Ärztedichte. Wir sollten eher 3500 Arztpraxen schließen und viel mehr Ärzte aller Fachrichtungen in zentralen Polikliniken oder Ärztehäusern konzentrieren. Die Gesundheitsversorgung der Bürger durch Ärzte muß wirtschaftlicher umstruktoriert und optimiert werden.
Was dieser neue Gesundheistminister an Reformen und Umgestaltung vor hat wird unser Gesundheitssystem endgültig an die Wand fahren und für gesetzlich versicherte nicht mehr bezahlbar werden lassen. Unser Gesundheitsminister selber Arzt und als solcher, wie als FDP Mitglied selbstverständlich auch seinen Ständen verpflichtet. Jetzt wo die Lobby der Pharma - Kassen und Ärzte mit beiden Beinen mit im Boot sitzen kommt auch schon die erste Ständeankündigung des Gesundheitsministers die Budget Grenzen wieder abschaffen zu wollen, damit Ärzte wieder unebgrenzt verordnen und mit der Pharma gemeinsam wieder richtig Kasse machen können. Natürlich auf Kosten der Zwangsbeitragszahler der gesetzlichen Kassen. Die Praxisgebühr war auch schon Thema evt. abzuschaffen und nur noch bei Fachärzten zu zulassen. Na, wenn das keine gewinnbringende Lobbyarbeit ist, weiß ich nicht was Lobbyarbeit sonst sein sollte.
DasBertl (04.01.2010, 15:24 Uhr)
Ärztemangel? Nur falsche Verteilung!
Es gibt keinen Ärztemangel. Vor 15 Jahren hatten wir noch Ärzteschwämme, seit dem haben wir 20 000 niedergelassene Ärzte MEHR. Das Problem ist die Verteilung: Aufgrund des Honorarschlüssels für Ärzte seit den letzten Gesundheitsreformen lohnt es sich für niemanden mehr in der Pampa zu arbeiten, also zieht es die Ärzte in die Städte. Z.B. in München schießen Ärztezentren wie Pilze aus dem Boden, um es mit Pispers zu sagen, egal wo man Hinspuckt, man trifft immer ein Praxisschild. Dafür gibts im Umland kaum noch Ärzte. Und das wird sich auch so fortsetzen, wenn Bezahlungsstruktur nicht geändert wird.
manta (04.01.2010, 14:59 Uhr)
muss ja wohl gelogen sein
Ich hätte gerne Medizin studiert, zulassen wollte man mich dann doch nciht mit meinem Abitur....tja dann hald eben nicht :-)
ekaaat (04.01.2010, 14:52 Uhr)
@halodri
auch wenn es ihnen nicht passt, inslot hat recht.
die mensche werden nur deshalb so alt weil man alle hebel zieht um den körper nicht an krankheiten zugrunde gehen zu lassen gegen die der patient schon lange nicht mehr selber ankommt.
die lebensqualität ist dabei sekundär.
leboz (04.01.2010, 14:47 Uhr)
@Halodri73
Ja, geben Sie's einfach auf. Ich bin halt ein für allemal für Kopfpauschale mit Kindern bis 25 z.B. frei.
Halodri73 (04.01.2010, 14:21 Uhr)
@leboz
ok, ich geb's auf.

gegen Ihre abgestumpfte Polemik ist kein Argument gewachsen.

Wenn Sie es einfach nicht verstehen WOLLEN, höre ich eben mit den Erklärungen auf.

@inslot
Bei der Gelegenheit:
Mit wievielen Ärzten haben Sie persönlich eigentlich schon über die Ethischen Schwierigkeiten bei der Behandlung todgeweihter Patienten gesprochen, hmm?
Informieren Sie sich bitte erstmal aus erster Hand, bevor Sie so einen verleumderischen Schwachsinn andeuten!
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