Nachhilfe für die Körperabwehr

Reagiert Ihr Kind allergisch auf etwas, ist sein Immunsystem übereifrig: Es schießt auf harmlose Stoffe, als ob es sich um gefährliche Eindringlinge handelte.

0 Bewertungen
Nachhilfe für die Körperabwehr

Spritze unter die Haut: So geht die Allergie womöglich weg©

Gegen Allergien können Sie vieles unternehmen: den Auslöser meiden, Sprays und Tabletten nehmen - oder eine so genannte Hypo-Sensibilisierung machen.

Gerade bei Kindern ist diese Behandlung zu empfehlen. Damit kann das Immunsystem dazu gebracht werden, wieder normal auf harmlose Stoffe zu reagieren. In vielen Fällen gelingt das auch. Ihr Kind braucht deshalb später keine Tabletten oder Sprays mehr - oder es benötigt zumindest weniger Medikamente, um mit der allergischen Reaktion des Körpers leben zu kommen.

Eine Hypo-Sensibilisierung ist eine Art Impfung gegen eine Allergie. Sie funktioniert nach dem Prinzip der langsamen Annäherung: Der Arzt spritzt Ihrem Kind den Allergie-auslösenden Stoff, das Allergen, zunächst in kleiner Konzentration unter die Haut. In weiteren Sitzungen wird die Dosis gesteigert.

Das Immunsystem lernt so, den Stoff zu akzeptieren, bis es schließlich nicht mehr überempfindlich auf die Substanz reagiert. Das Ganze braucht aber seine Zeit und ist nicht sehr angenehm.

Ein deutlich schonenderes, allerdings noch relativ neues Verfahren ist die so genannte sublinguale Therapie. Sie macht es Ihrem Kind leichter. Dabei tropfen Sie selbst das konzentrierte Allergen unter die Zunge.

Geduld sollten Sie auf alle Fälle mitbringen, denn jede Form der Hypo-Sensibilisierung dauert mindestens drei Jahre, bis sich Erfolge zeigen. Für Kinder unter fünf Jahren ist sie nicht geeignet.

Maren Wernecke / Jan Schweitzer

Expertenmeinung Johannes Forster, Chefarzt der Abteilung für Kinderheilkunde am St. Josefskrankenhaus Freiburg, und Hans-Ulrich Neumann, Hamburger Kinderarzt:

Bevor man eine Hypo-Sensibilisierung beginnt, sollten Sie und der Arzt die Risiken und Belastungen durch die Allergie abwägen gegen die Erfolgsaussichten und die Belastungen der Hyposensibilisierung. Zeigen Kinder nach Insektenstichen allergische Kreislaufreaktionen, müssen sie hyposensibilisiert werden. Ist die Überempfindlichkeit auf einen Insektenstich hingegen nur auf die Haut beschränkt, kann man mit einer Therapie warten, denn bei 80 Prozent der Kinder verliert sich die Allergie von allein. Diese Kinder sollten im Sommer aber immer Notfallmedikamente dabei haben.

Leiden Kinder an Heuschnupfen und können deshalb kaum zur Schule gehen, obwohl sie Medikamente nehmen, sollten sie sich einer Hypo-Sensibilisierung unterziehen. Das gilt auch, wenn sie auf Pollen mit allergischem Asthma reagieren. Bei Kindern mit einer Milbenallergie sollten Sie zunächst die Milben im Haushalt reduzieren. Nur wenn das Kind dann noch an mittelschweren Asthma-Symptomen leidet, es also immer noch dauernd Cortison mit Nebenwirkungsrisiko inhalieren muss, ist eine Hypo-Sensibilisierung angeraten.

Die sublinguale Therapie ist insgesamt nicht so wirkungsvoll wie die Spritzentherapie, gerade bei Kindern. Außerdem weiß man nicht, wie diese Therapie auf lange Sicht wirkt. Sie kann deswegen noch nicht generell empfohlen werden.