Das Syndikat

28. Juli 2011, 18:56 Uhr

Betrüger haben den internationalen Fußball im Griff. Mit verschobenen Spielen setzen sie pro Jahr mehrere Milliarden Euro um. Wer sind die Bosse der Wettmafia? Wie operieren sie? Erstmals packt ein Mitglied eines großen Kartells aus.

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Wilson Raj Perumal hat vor Gericht ausgesagt - und damit sein Strafmaß gemildert©

Als Wilson Perumal in Untersuchungshaft saß, musste er oft an Dan Tan denken. Der große Boss, er würde sich rächen wollen.

"Wenn jemand die Gruppe verrät, bringt er damit sein eigenes Leben in Gefahr", sagte Perumal den Kommissaren.

Der Wettmafioso packte dennoch aus. Irgendjemand hatte ihn verraten, einer aus dem Syndikat.

Auch Perumal wollte Rache. Und er hoffte, dass sich seine Offenheit vor Gericht lohnen würde.

Vergangene Woche wurde Wilson Perumal, der jahrelang auf der Flucht gewesen war und zuletzt mit falschem Pass in London- Wembley gelebt hatte, in der nordfinnischen Stadt Rovaniemi zu zwei Jahren Haft verurteilt.

Dass er ausgesagt hatte, milderte sein Strafmaß.

Immer neue Abgründe tun sich auf

Für die Ermittler, die vor allem kriminelle Strukturen zerschlagen wollen, ist Perumal eine Quelle von hohem Wert: Als erster Betrüger gewährt der Mann aus Singapur Einblick in Aufbau und Arbeitsweise eines der berüchtigten Wettsyndikate in Asien.

Immer neue Abgründe tun sich für die Fußballfans in diesem Sommer auf. Nationalspieler in Griechenland, Vereinsbosse in der Türkei und Schiedsrichter in Ungarn sitzen in Untersuchungshaft, weil sie an Manipulationen beteiligt gewesen sein sollen. Die Umsätze der illegalen Zocker sind kräftig gewachsen - und laut Fifa-Schätzungen mit jährlich 90 Milliarden Dollar inzwischen genauso hoch wie auf dem legalen Wettmarkt. Die Wettmafia droht den internationalen Fußball zu beherrschen.

In Deutschland dachte man lange, mit dem Berliner Wettbetrüger Ante Sapina und seinen Kumpanen dicke Fische im Netz zu haben. Sie wurden zu Haftstrafen von bis zu fünfeinhalb Jahren verurteilt. Vergangene Woche erst sperrte der DFB den ehemaligen Zweitliga-Spieler René Schnitzler, der von einem Wettpaten 100.000 Euro angenommen hatte, für zweieinhalb Jahre. Die Strafen sollen abschrecken. Doch inzwischen gehen deutsche Ermittler davon aus, dass die wirklich großen Geschäfte ganz woanders laufen. "Man muss sich nur anschauen, wo die hohen Beträge gesetzt werden: immer in Asien", sagt einer, der den Wettmafiosi seit Jahren auf den Fersen ist.

Übernommen aus ... Stern Ausgabe 31/2011

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