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10. Mai 2011, 09:20 Uhr

Jury zieht Ehrung für "Spiegel"-Redakteur Pfister zurück

Für seine Reportage "Am Stellpult" über den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer hatte René Pfister am vergangenen Freitag den Egon-Erwin-Kisch-Preis erhalten. Drei Tage nach der Überreichung hat die Jury die Ehrung für "Spiegel"-Redakteur zurückgezogen.

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"Geo"-Chefredakteur Peter-Matthias Gaede (r.) hat René Pfister am Freitag, den 6. Mai 2011, den Egon-Erwin-Kisch-Preis für die beste Reportage überreicht© Marcus Brandt/DPA

Die Jury des Henri Nannen Preises hat dem "Spiegel"-Redakteur René Pfister den Preis in der Königsklasse Reportage aberkannt. Dies teilte das Gremium am Montagabend mit. Pfister hatte die Auszeichnung am Freitag für seinen Artikel mit dem Titel "Am Stellpult" erhalten. Darin porträtiert er den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) am Pult seiner Modelleisenbahn. Er war an dem Ort selbst allerdings nicht gewesen.

"Die Glaubwürdigkeit einer Reportage erfordert aber, dass erkennbar ist, ob Schilderungen durch die eigene Beobachtung des Verfassers zustande gekommen sind, oder sich auf eine andere Quelle stützen, die dann benannt werden muss", heißt es in einer Erklärung, die die Jury veröffentlichte.

Das Gremium betonte aber, dass es keinen Zweifel an der Korrektheit von Pfisters Fakten habe. "Von einer 'Fälschung' kann keine Rede sein." Der Journalist selbst hatte bei der Gala am Freitagabend in Hamburg auf die Frage der Moderatorin erzählt, dass er den Keller und die Modelleisenbahn nie persönlich gesehen hatte.

Wie die dpa aus der Jury erfuhr, hatte Pfister vor der Entscheidung keine Gelegenheit, inhaltlich Stellung zu nehmen. Der "Spiegel" reagierte mit Unverständnis auf diese Entscheidung. Es widerspreche den Regeln der Fairness, den Autor nicht selbst anzuhören.

Pfister hatte in seiner Geschichte nicht ausdrücklich deutlich gemacht, dass er den Keller nicht betreten hatte. Er behauptete im Text aber auch nicht, dass er selbst dort gewesen sei.

Nach kritischen Stimmen zur Vergabe des Reportagepreises hatte sich die elfköpfige Jury am Montag nach Informationen des "Hamburger Abendblatts" in einer Telefonkonferenz beraten. Nur der Chefredakteur der "Süddeutschen Zeitung", Kurt Kister, fehlte nach Informationen der Zeitung. Er habe zuvor seinen Mit-Juroren eine Erklärung zukommen lassen, in der er sich gegen eine Aberkennung ausgesprochen habe. Neben ihm votierten danach "Geo"-Chefredakteur Peter-Matthias Gaede, "FAZ"-Herausgeber Frank Schirrmacher und "Spiegel"-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron dagegen. Doch die Mehrheit stimmte anders.

"Die Reportage, die beste Reportage des Jahres 2010, ist eine Vortäuschung falscher Tatsachen", hatte schon zuvor Nannen-Enkelin Stephanie Nannen im "Hamburger Abendblatt" geschrieben.

Pfister selbst hatte dem "Abendblatt" und dem "Tagesspiegel" gesagt, dass die Recherche für den Einstieg mit Seehofers Eisenbahn auf zahlreichen Gesprächen mit Seehofer selbst und engen Mitarbeitern beruhe. Der Text erwecke seiner Meinung nach nicht den Eindruck, "als sei ich zu einem konkreten Zeitpunkt selbst mit Seehofer in dem Keller gewesen", sagte er dem "Abendblatt".

Es ist das erste Mal in der Geschichte dieser renommierten Ehrung, dass ein Preisträger die Auszeichnung zurückgeben muss. Einen Nachrücker wird es nach Angaben des "Abendblattes" nicht geben.

Henri Nannen Preis Gruner + Jahr und der stern zeichnen einmal im Jahr die besten Arbeiten im deutschsprachigen Print- und Onlinejournalismus mit dem Henri Nannen Preis aus.

DPA
 
 
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