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Corona-Pandemie Endlich klopft die Impfpflicht an die Vordertür (nicht zu verwechseln mit dem Impfzwang)

Impfen in Düsseldorf
Impfen in Düsseldorf: Wer so tut, als hätte er oder sie nichts mit Coronamaßnahmen am Hut, muss endlich in die Verantwortung genommen werden.
© Malte Krudewig / DPA
Stimmt der Rhythmus der üblichen Diskussionen über Corona-Maßnahmen, dann dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die Impfpflicht kommt. Das ist gut und richtig so. Aber auch traurig, dass der Staat zu solchen Mitteln greifen muss.

Manche Aussagen von vor gerade einmal einem Jahr klingen mittlerweile wie das Echo aus einer anderen Zeit. Ende Dezember 2020 verkündete Innenminister Horst Seehofer via Zeitungsinterview: "So wichtig das Impfen für uns alle ist: Keine Sonderbehandlung für Geimpfte!" Impfprivilegien, so war es nicht nur von ihm zu hören, seien Pfui-bah und abzulehnen, allein schon, weil sie die Gesellschaft spalteten. Doch spätestens mit Einführung der 2G-Regel sind sie Alltag geworden und werden vom überwiegenden Teil der Menschen auch begrüßt. Vor allem deswegen, weil ein weitgehend einschränkungsfreies Leben eben kein Sonderrecht, sondern der Normalfall ist – oder es zumindest sein sollte.

Impfpflicht durch die Vordertür

Manch andere Aussagen klingen nicht nur wie aus längst vergangenen Zeiten, sondern galten noch bis vor wenigen Wochen als unumstößliches Mantra. Wie etwa das böse Wort von der "Impfpflicht". Bis in den Spätsommer hinein wurde es in der Regel mit dem Zusatz "durch die Hintertür" verwendet, doch seitdem die Inzidenzen durch die Decke gehen, klopft die Impfpflicht wie selbstverständlich an jede Vordertür. Dem Rhythmus der üblichen Diskussionen über Corona-Maßnahmen folgend, dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis sie auch eintreten wird. Das ist gut und richtig so, aber auch traurig, dass der Staat zu solchen Mitteln greifen muss.

Nun ist es müßig darüber zu lamentieren, wie dumm oder ungeschickt es von der Politik war, eine Impfpflicht lange kategorisch auszuschließen. Natürlich kann sie nur das allerletzte Mittel sein. Natürlich erzeugen solche Verpflichtung Trotz und Misstrauen. Natürlich ist es besser, wenn die Menschen vom Nutzen der Spritze überzeugt sind, oder sich zumindest nicht dagegen wehren. In vielen Ecken der Welt klappt das auch sehr gut: in Israel, in Spanien und Portugal, in Japan. Nur im deutschsprachigen Raum klemmt und zwickt es überall. Kein Wunder das Lothar Wieler, dem sonst so mildtemperiertem Chef des Robert-Koch-Instituts neulich der Kragen platzte.

Nehmt Rücksicht auf euer Umfeld

Er könne es "nach 21 Monaten schlichtweg nicht mehr ertragen, dass nicht erkannt wird, was ich unter anderem sage und auch viele andere Kolleginnen und Kollegen", schimpfte er während einer Videokonferenz mit Mitgliedern der sächsischen Landesregierung. Er tat das wohl nicht zufällig vor den Vertretern dieses störrischen Völkchens mit der niedrigsten Impfquote im ganzen Land. Wobei – 57,8 Prozent doppelt vakzinierte Sachsen zeigt auch: die Mehrheit der Menschen dort versteht, dass sie mit einer Impfung nicht nur auf sich selbst, sondern auch auf ihre Partner, Eltern und Kinder, ihre Freunde und Nachbarn Rücksicht nehmen.

Leider reichen diese knapp 57,8 Prozent nicht, um das Virus einzuhegen. Genauso wenig wie die zu 73 Prozent geimpften Schleswig-Holsteiner, und vermutlich nicht einmal die knapp 80 Prozent aus dem Impfstreberland Bremen. Offenbar helfen weder gutes Zureden, Solidaritätsappelle noch medizinische Fakten – wer nach fast zwei Jahren weltweiter Pandemie mit Abermillionen von Corona-Toten und Infizierten, von unzähligen Long-Covid-Betroffenen und ausgebranntem Medizinpersonal (und nebenbei nach 7,5 Milliarden verabreichten Vakzinen) immer noch so tut als ginge ihn das alles nichts an, würde dann endlich in die Verantwortung genommen. Und sie haben sich selbst erst in diese Situation gebracht.

So dringend nötig eine Impfpflicht mittlerweile leider geworden ist, übrigens auch in Hinblick auf eine mögliche fünfte Welle, ist die Umsetzung noch völlig offen. Und auch, ob sie verfassungsmäßig ist. Mutmaßlich aber würden Impfverweigerer zur Kasse gebeten werden. Die sorgenlüstern ventilierte Variante, dass Gesundheitsamt-Mitarbeiter mit Käschern durch die Straßen ziehen und jedem die Spritze in den Arm rammen, der keinen Nachweis hat, wird es natürlich nicht geben. Das wäre übrigens ohnehin ein Impfzwang – und der ist weder praktisch umsetzbar noch für die Verfechter harter Corona-Maßnahmen vorstellbar.


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