Nach vier Jahren Pause legt Autor und Zeichner Uderzo einen neuen Asterix-Band vor: "Gallien in Gefahr". Das neue Album macht seinem Titel leider alle Ehre.

Im Original heißt Band 33 "Le ciel lui tombe sur la tete"© Egmont Ehapa
Am 14. Oktober schlugen 2,7 Millionen Alben mit dem neuen Asterix-Band 33 "Gallien in Gefahr" allein in den deutschen Buchhandlungen und Kiosken auf. Acht Millionen Alben waren es weltweit in 27 Ländern. Gut und gerne vier Jahre haben die Fans der Wildschwein-futternden Gallier warten müssen, seit 2001 der letzte echte Band "Asterix und Latraviata" erschienen ist - übrigens mit der gleichen Gesamtstartauflage.
Dass überhaupt noch ein neuer Asterix erscheint, drückt den Fans ein Tränchen der Rührung in den Augenwinkel. Der überaus geniale Texter der ersten zwei Dutzend Bände - Rene Goscinny - ist bereits vor vielen Jahren gestorben. Er brach bei einem Belastungs-EKG völlig überraschend tot zusammen und brachte so nicht nur Uderzo und Asterix um seinen Texter, sondern auch viele andere Comic-Giganten wie etwa Morris und seine Figur Lucky Luke. Uderzo selbst ist inzwischen 78 Jahre alt. Selbst nach 60 Berufsjahren auf dem Zeichenschemel zeichnet er noch jedes Bild selbst - und lässt so vermuten, dass Asterix und Obelix wohl mit ihm sterben werden. Schon Charles M. Schulz hat seine Peanuts mit ins Grab genommen, was nicht die schlechteste Entscheidung war.
Nun ist er also da, der Band 33, Uderzos hohem Alter und seinem langsamen Produktionstempo zum Trotz. Angesichts des 48 Seiten dicken Albums im klassischen Format werden viele nostalgische Gedanken wach. Etwa an den ersten Asterix, den man bereits vor Jahrzehnten als Kind erhalten hat. An lateinische Sprüche, die wild auf dem Spielplatz zitiert wurden, obwohl doch niemand Latein in der Schule gelernt hatte. An völlig irre Gags im Hintergrund der Bilder, die einem oft genug erst nach dem vierten oder fünften Lesen aufgefallen sind. Kurzum: Asterix war ein Comic, der die eigene Lebensgeschichte deutlich mit geprägt hat. Und wo sonst konnte man so viel über die Geschichte der Römer um Julius Cäsar, über Kameradschaft und über wilde Kloppereien lernen wie bei Asterix?
Während man früher mit Stubenarrest im Zimmer hocken musste, war es stets Asterix, der an eigener Statt in die Welt hinausfuhr, um dort in spannenden Abenteuern den schrulligen Eigenheiten der Engländer, der Schweizer oder gar der Amerikaner nachzuspüren. Asterix erlebte tolle Sachen, zerstritt sich immer wieder mit seinem Kumpel Obelix und wahrte doch stets die nötige Ruhe, um brenzligen Situationen zu entkommen. Notfalls half eben immer ein im Stecksprung geschlürfter Schluck Zaubertrank aus der Pulle, um die Dinge mit Gewalt wieder in Ordnung zu bringen. Das war eine Sprache, die jeder Junge im Lande verstand. Kurzum: Asterix war der Held von uns allen. Zwar klein im Wuchs, aber groß im Mut und bei seinen Taten.
Ein wenig zittrig nimmt man sich deswegen den neuen Band vor, mit der Angst, ob er denn halten kann, was uns die alten Klassiker versprachen. Schon die letzten Bände waren zwar weiterhin wunderschön gezeichnet, ließen aber diesen sprühenden Witz im Kleinen wie im Großen vermissen, der von René Goscinny beigesteuert wurde. Uderzo ist ein genialer Zeichner, aber ein schlechter Erzähler. Und was den Witz anbelangt, so neigt er zum brachialen Schenkelklopfer. Das Leise liegt ihm nicht.
Nach der Lektüre von "Gallien in Gefahr" zeigt sich, dass hier ein deutscher Übersetzer mit viel Gespür für Doppeldeutigkeiten den passenden Titel für das Album gefunden hat. Im Original heißt das Album nämlich "Le ciel lui tombe sur la tete", was mit dem geflügelten Spruch "Der Himmel fällt uns auf den Kopf" zu übersetzen ist. Doch wir Deutschen lesen stattdessen: Gallien in Gefahr. Und das ist wortwörtlich zu nehmen, denn der neue Asterix ist ein störender Anachronismus vor dem Herrn, ein erstes Zeichen von kreativer Altersdemenz bei Uderzo gar?