Mit "Eclipse - Bis(s) zum Abendrot" kommt der dritte "Twilight"-Film in die Kinos. Fans und Medien drehen durch. Aber warum eigentlich? stern.de über den großen Hype und die realen Zahlen. Von Sophie Albers

Bella (Kristen Stewart) und Edward (Robert Pattinson) sind Romeo und Julia für die Facebook-Generation© Concorde Filmverleih
Schreiende Teenager, Millionenumsätze und eine umfassende multimediale Dauerbeschallung begleiten auch den Filmstart des dritten Teils der "Twilight"-Saga, "Eclipse - Bis(s) zum Abendrot". Und dann erst die Zahlen: 100 Millionen Mal hat sich die Romanreihe von Stephenie Meyer verkauft. Mehr als 665 Millionen Dollar haben die ersten drei Filme eingespielt, und der dritte Teil ist in Deutschland gerade erst angelaufen. Zählt man die DVD-Verkäufe hinzu, sollen es mehr als eine Milliarde Dollar sein. Zudem ergehen sich Klatschblätter seit Monaten in Mutmaßungen über eine ganz reale Romanze zwischen den beiden Hauptdarstellern Kristen Stewart und Robert Pattinson. Und wir haben gerade Mal gut die Hälfte geschafft: Zwei Filme kommen noch.
Stehen Sie fassungs- und verständnislos mitten drin im Hype-Theater und wurden von ihrer Teenager-Tochter oder -Nichte gerade gefragt, unter welchem Stein Sie eigentlich leben, lesen Sie bitte weiter. Wer schon drin steckt im "Twilight"-Strudel, nimmt bitte diese Abzweigung.
Es gibt diese Hollywood-Legende, die immer wieder einem anderen Regisseur zugeschrieben wird, und die geht so: Ein berühmter Filmemacher träumt regelmäßig von der perfekten Geschichte. Doch wenn er morgens aufwacht, hat er sie vergessen. Also legt er sich Zettel und Stift neben das Bett und nimmt sich vor, das Geträumte noch in der Nacht aufzuschreiben. Am nächsten Morgen greift er ganz aufgeregt nach dem schlaftrunken bekritzelten Zettel. Und darauf steht: "Junge trifft Mädchen."

"Twilight"-Stars Robert Pattinson, Kristen Stewart und Taylor Lautner© Matt Sales/AP
Auch "Twilight" bedient sich der Formel, die neben Krieg und Tod seit Jahrtausenden das größte Thema in Kunst und Literatur ist: Liebe. Von Homer über Dante bis Shakespeare ist es auch bis zu Stephenie Meyer vorgedrungen. Die Mormonin mit drei Kindern aus Connecticut, die vor "Twilight" noch nicht mal eine Kurzgeschichte verfasst haben will, hatte - der Legende nach - eines Tages auch einen Traum, und der ging so: Ein durchschnittliches Mädchen und ein wunderschöner Vampir sitzen in einer Blumenwiese und führen ein intensives Gespräch über die Liebe. Am Morgen fuhr Meyer ihre Kinder zum Schwimmunterricht und fing dann mit dem Schreiben an.
Es entstand die spätestens seit "Romeo und Julia" so beliebte Geschichte der unmöglichen Romanze. Nur waren aus den Kindern zweier verstrittener Häuser eben ein Menschenkind namens Bella und ein Vampir namens Edward geworden, die der Blutdurst des bildschönen Monsters an der Erfüllung ihrer Liebe hindert. Als abgemilderter Tybalt wirft sich ab und an Werwolf Jacob zwischen die Liebenden. Und spielen tut das Ganze nicht im sonnigen Verona, sondern im verregneten Kaff Forks im US-Bundesstaat Washington.
2005, zwei Jahre nach Meyers Traum, wurde "Twilight" - das erste Buch gab der Serie ihren Namen - mit einer Auflage von 75.000 veröffentlicht und landete innerhalb eines Monats auf Platz fünf der Bestsellerliste für Kinderbücher der "New York Times". Die drei Fortsetzungsbände folgten Jahr auf Jahr: "New Moon - " (2006), "Eclipse" (2007), "Breaking Dawn" (2008). "New Moon" blieb elf Wochen lang auf Platz eins der Bestsellerliste. "Breaking Dawn" verkaufte sich allein in den USA am ersten Tag 1,3 Millionen Mal. Rund 100 Millionen der in 37 Sprachen übersetzten Bücher sollen mittlerweile weltweit verkauft worden sein.
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