Sophie Marceau ist Mutter geworden. Im wahren Leben schon lange, nun auch im Kino. "LOL" ist der endgültige Abschied von "La Boum"-Zeiten. Ein Gespräch über Kiffen und Kindererziehung. Von Sophie Albers

Sophie Marceau: generationenübergreifende Traumfrau© Fritz Reiss/AP
Der trotzige Blick, die rosigen Teenagerwangen, die aufgeworfenen Lippen haben sich ins kollektive Kinogedächtnis gebrannt. Sophie Marceau war 13, als sie die Rolle der pubertierenden Vic in "La Boum" übernahm. Zwei Jahre später war sie ein europäischer Superstar, der es auch noch nach Hollywood schaffen sollte. 1995 spielte die Tochter eines LKW-Fahrers und einer Verkäuferin neben Mel Gibson in "Braveheart", 1999 durfte die Französin in "Die Welt ist nicht genug" James Bond quälen.
Trotzdem ist das Image der alle Männerköpfe und -herzen verdrehenden Lolita kleben geblieben. Damit sei jetzt Schluss, meint Sophie Marceau, in deren Gesicht auch nach all den Jahren noch erstaunlich viel Vic zu finden ist. Schließlich hat die Mutter zweier Kinder es mit 42 Jahren endlich geschafft, auch auf der Leinwand ein reifes Familienoberhaupt zu spielen. "LOL" heißt ihr neuer Film, und es ist ein bisschen wie "La Boum" mit verkehrten Rollen. Diesmal ist es Marceau, die ihre schwer pubertierende Tochter anbrüllt, wenn die auf der Jagd nach Liebe und Erfahrung ins Schlingern gerät. Auch im wahren Leben hat Marceau reichlich Elterntipps parat.
Sind Sie erleichtert, dass Vic endlich erwachsen und Mutter geworden ist?
Ja, endlich! (lacht) Dabei ist es doch ein natürlicher Prozess, dass Dinge sich verändern und wachsen.
Sollte es sein, aber Sie waren ziemlich lange ziemlich gut konserviert.
Wissen Sie, ich bin auch jetzt nicht wirklich erwachsen, ich gebe vor, es zu sein (lacht)
Haben Sie gezögert, als Sie das Drehbuch zu "LOL" bekommen haben - wegen "La Boum"?
Nein gar nicht. Um ganz ehrlich zu sein: Ich habe erst an "La Boum" gedacht, als mich Leute darauf angesprochen haben. Plötzlich dachte ich: "Aaah natürlich! 'La Boum'!" Aber "LOL" ist schon etwas anderes. Zwar geht es um die gleichen Generationen, um die gleiche Energie, aber von meinem Standpunkt aus ist es ganz verschieden. Ich habe als Schauspielerin wenig Erinnerungen an "La Boum". Aber weil ich heute Mutter bin und mich mit all dem rumschlagen muss, ist "LOL" mir sehr vertraut.
Hört sich an, als hätten Sie Ihren Frieden mit "La Boum" gemacht.
Ich war nie im Krieg mit "La Boum". Ich bin zufrieden mit fast allen Filmen, die ich gemacht habe. Sie sind Teil meines Lebens. Nein, ich fühle mich sogar sehr wohl mit "La Boum".
Glauben Sie, "LOL" wird genauso erfolgreich sein?
In Frankreich ist er es schon. Auf jeden Fall ist der Film für Vertreter beider Generationen wichtig.
Neu ist, dass die Mutter die gleichen Probleme hat wie die Tochter.
Jeder ist verletzlich angesichts von Liebe und Gefühlen! Es gibt keine Regeln. Die Mutter hat zwar mehr Erfahrungen, aber auch ihr fällt es schwer, denn sie muss nach einer Scheidung wieder ganz von vorne anfangen. Sie muss sich selbst ein neues Leben erlauben, eine neue Beziehung. Gleichzeitig plagen sie schreckliche Schuldgefühle. Aber wenn man sich verliebt, verliebt man sich! Egal ob man 13, 16 oder 40 ist. Nur: Wenn man 40 ist, füllt man sein Hirn mit so viel Zeug. Da ist es schwierig, es einfach durchzuziehen. Das ist mit 13 einfacher. In "LOL" sind die Jugendlichen aber schon 15, 16. Als Vic ihren ersten Kuss bekommen hat, war das sehr unschuldig. "LOL" ist härter. Drogen, Sex, das macht es komplizierter. (lacht ein bisschen dreckig) Aber das ist die Realität.
Und da müssen alle Kinder durch.
Es ist unsere Verantwortung, uns dessen bewusst zu sein, was unsere Kinder durchmachen. Wenn du ihnen vertraust und das Gefühl hast, dass sie ausgeglichen sind und sie dich nicht anlügen, ist es okay. Dann lass ihnen ihre Geheimnisse. Ich will auch meine Privatsphäre, also muss ich auch die meiner Kinder respektieren.