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Cannes 2015: Wer kommt, wer den Glamour bringt, und wer für den Skandal sorgt

Zum 68. Mal feiert sich das Weltkino an der Côte d'Azur. Das Filmfest von Cannes wird laut und brutal, natürlich auch politisch, vor allem aber wunderschön. Was Sie über diesen Jahrgang wissen müssen.

Von Sophie Albers Ben Chamo, Cannes

Keiner beherrscht den Tanz auf dem roten Teppich wie Kultregisseur Quentin Tarantino (Das Foto entstand letztes Jahr)

Keiner beherrscht den Tanz auf dem roten Teppich wie Kultregisseur Quentin Tarantino (Das Foto entstand letztes Jahr)

Ah, Cannes! Kein anderes Festival der Welt hat dieses Ambiente von Sonne, Strand, Palmen, Meer und Promi-Überdosis zu bieten. Die Croisette ist längst selbst zum Kino geworden, wo sich Lebensdarsteller jedes Genres tummeln. Kein roter Teppich ist exravaganter (zumindest seit es Hot d'Or nicht mehr gibt). Nirgends ist der Glamour mehr zu Hause, und auch dieses Jahr werden die schwarzen Limousinen die ganz großen Stars ankarren, die dann die berühmten 24 Stufen zum Festival-Palast am Ende der Croisette emporsteigen. Je nach Möglichkeiten des Outfits mehr oder weniger elegant.

Hoffen wir das Beste für die Kleider- und Schuhauswahl von Charlize Theron, Cate Blanchett, Sophie Marceau, Natalie Portman, Marion Cotillard, Sienna Miller, Salma Hayek und Sharon Stone, um nur einige der Posier-Königinnen zu nennen. Eine, die es ausgesprochen gelassen nimmt, ist dagegen die grande dame des französischen Kinos, Catherine Deneuve, die gleich zum Eröffnungsfilm ("Standing tall") den Tanz auf dem roten Teppich eröffnen wird.

Männer haben es definitiv leichter: Was kann man mit dem Smoking schon falsch machen, Michael Fassbender, Matthew McConaughey, Jake Gyllenhaal, Vincent Cassel und Michael Caine? stern wird regelmäßig vom roten Teppich berichten und nachschauen.

Auf der "Fury Road" direkt ins Hirn

19 Filme wetteifern dieses Jahr um die Goldene Palme. Vor allem französische, italienische und asiatische. Ein deutscher ist leider nicht dabei. Die "Blockbuster" des Festivals laufen allerdings sowieso eher außer Konkurrenz beziehungsweise in Nebenreihen:

Allen voran "Mad Max: Fury Road", das Design-Donnerwetter von "Mad Max"-Godfather George Miller mit Charlize Theron und Tom Hardy.

Als eines der "heißesten" Tickets des Festivals gilt das für die Dokumentation "Amy", ein bereits heftig diskutiertes Porträt der so tragisch früh verstorbenen Ausnahmesängerin Amy Winehouse.

Das neue Pixar/Disney-Werk "Inside Out", das uns das die Macht unserer Gefühle zeigt, macht schon als Trailer glücklich:

Und dann gibt es auch noch den neuen Woody Allen. In "Irrational Man" kommt erneut Allens neue Muse Emma Stone zum Einsatz. Als Allens neurosengeplagtes Alter Ego muss diesmal Joaquin Phoenix herhalten.

Ein Mal Skandal, bitte

Kein Festival ohne Skandal. Seitdem Lars von Trier sich in Cannes nicht mehr blicken lassen darf, wird ein würdiger Nachfolger für den begnadeten homme terrible gesucht.

Einer, der dann immer wieder laut "Hier!" schreit, ist der Argentinier Gaspard Noé. Vor sechs Jahren hat er dem Festivalpublikum einen leinwandfüllenden Penis vorgehalten. Auch dieses Jahr setzt Noé auf Sex. Jedenfalls sorgen bereits Ejakulats-Plakate mit dem Titel "Love" für den Skandal-Buzz, den jedes Festival braucht.

Erhöhte Sicherheitsstufe

Natürlich ist man nach den Anschlägen von Paris im Januar auch in Cannes nervöser als sonst sowieso schon. Cannes gehört mit 468 Überwachungskameras zu den bestbeäugten Städten Frankreichs. Aber ein zusätzlich verstärktes Aufgebot an Sicherheitspersonal soll die Straßen noch sicherer machen. Diesmal sollen vor allem auch Zivilbeamte unterwegs sein. Drohnen sind für die Zeit des Festivals verboten.

Tatsächlich ist das Hauptproblem der Polizei aber eher der ordinäre Juwelendieb. 2013 hatte ein Räuber im berühmten Carlton-Hotel Diamanten im Wert von mehr als 140 Millionen Euro erbeutet. Das war absolut filmreif. In der vergangenen Woche wurde das Cartier-Geschäft auf der Croisette überfallen - die Räuber nahmen Schmuck im Wert von 17 Millionen Euro mit.

Die Zahl der Menschen in Cannes wird sich für die Zeit des Festivals vom 13. bis 24. Mai fast verdreifachen. Und was auch immer passiert, über allem steht das ewige Lächeln von Ingrid Bergmann, die das diesjährige offizielle Festival-Plakat ziert.

Im "Cannes kompakt" wird stern täglich vom Filmfestival berichten

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo