Warum Oscar ein Sexist ist

7. März 2010, 11:41 Uhr

Bei der 82. Oscarverleihung könnte mit Kathryn Bigelow erstmals eine Frau den Preis für die beste Regie gewinnen. Das wäre revolutionär für Hollywood, wo man Frauen am liebsten vor der Kamera mag. Von Sophie Albers

Oscar Academy Awards Kathryn Bigelow James Cameron Tödliches Kommando Hurt Locker

Kathryn Bigelow, "Hurt Locker"-Hauptdarsteller Jeremy Renner und Oscar©

Ausgerechnet in der Nacht zum Weltfrauentag wird eine phallische, 34 Zentimeter hohe, vergoldete Trophäe zum Kristallisationspunkt der Emanzipation der Frau im Filmgeschäft. Dann, wenn am Sonntag im Kodak-Theater in Los Angeles zum 82. Mal die Oscars verliehen werden, und vielleicht zum ersten Mal in der Geschichte der Academy Awards eine Frau den Preis für die beste Regie bekommt.

Auch wenn der Typ ziemlich androgyn daherkommt: Oscar ist ein Macho übelster Sorte. Von Männern erdacht, von Männern ausgerichtet, von Männern präsentiert und vor allem an Männer vergeben. Ja, ein paar Frauen sind zuweilen auch dabei, doch da gilt die Regel: Erfolgreiche Frauen ziehen sich in Hollywood aus, und erfolgreiche Männer in Anzügen leiten die Geschäfte. Doch gibt es eben auch Frauen, die Oscar mit nach Hause nehmen und angezogen bleiben wollen: Regisseurinnen, Produzentinnen, Drehbuchautorinnen, Kamerafrauen, Cutterinnen. Für die war das Jahr 2009 ein denkbar schlechtes, und deshalb ist die Vergabe des Regie-Oscars am Sonntag neben der künstlerischen vor allem auch eine politische Entscheidung.

Kathryn Bigelows langer Weg auf die Bühne

US-Filmemacherin Kathryn Bigelow ist mit ihrem Irakkriegs-Film "Tödliches Kommando - The Hurt Locker" die vierte Frau in der gesamten Geschichte der Oscars, die in der sogenannten Königskategorie Regie überhaupt nominiert worden ist. Gewonnen hat bisher keine: 1976 verlor Lina Wertmüller mit "Sieben Schönheiten" gegen John G. Avildsens "Rocky". 1993 hatte Jane Campions "Das Piano" keine Chance gegen Steven Spielbergs "Schindlers Liste". Und 2003 war schon Sofia Coppolas Nominierung für "Lost in Translation" eine große Ehre. Der Goldjunge ging dann an Peter Jackson und "Der Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs". 82 zu null, so der Stand, der die Zustände im angeblich so fortschrittlichen Hollywood spiegelt.

2009 wurden gerade mal sieben Prozent der 250 erfolgreichsten Filme des Jahres von einer Frau inszeniert. Das sind noch zwei Prozent weniger als im Vorjahr, vermerkt Martha M. Lauzen, Leiterin des Studienzentrums für Frauen in Film und Fernsehen der Universität San Diego. In ihrer Statistik "The Cellulouid Ceiling" dokumentiert Lauzen alljährlich den Status Quo der Frauen in Hollywood. Bei den Regisseurinnen entsprach der 2009 dem Stand von 1987.

Der Stillstand zieht sich durch das gesamte Filmgeschäft: Die meisten Frauen gibt es unter den Produzenten: 23 Prozent. Dem gegenüber stehen allerdings 35 Prozent der erfolgreichsten Filme, die gänzlich ohne Frauen produziert wurden. Cutterinnen hat die Traumfabrik laut Lauzen nur 18 Prozent zu bieten. Von den erfolgreichen Drehbuchautoren sind gerade mal acht Prozent weiblich. Ganz übel sieht es bei den Kameraleuten aus: Zwei Prozent Frauen arbeiten in dieser Branche. 86 Prozent der Schlüsselberufe hinter der Kamera wurden im Jahr 2009 von Männern besetzt, so das reaktionäre Ergebnis.

"The Hurt Locker - Tödliches Kommando" Ein Bombenentschärfungstrupp der US-Armee im Irak. Unteroffizier James (Jeremy Renner) gehört zu den Besten. Doch der Preis, den er dafür zahlt, ist, dass er nicht mehr ohne den Adrenalinrausch des Krieges leben kann. Kathryn Bigelows "The Hurt Locker" ist ein packendes Psychodrama von der Front, das von Menschen anstatt von Helden erzählt. Und davon, was der Krieg mit Menschen macht. Es ist Bigelows zehnter Film.

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