Berliner Student begeistert Hollywood

25. Januar 2013, 18:07 Uhr

Kaleb Lechowski ist 22 und Designstudent aus Berlin. Mit seinem ersten Kurzfilm landet er einen Internet-Hit. Nun geht es nach Hollywood. Die Geschichte einer Fast-Forward-Karriere. Von Sophie Albers

Wie fühlt es sich an, wenn man gerade im zweiten Semester digitales Design studiert, seinen ersten eigenen Kurzfilm fertig hat und plötzlich Hollywood anruft? "Ich wusste gar nicht, was ich fühlen soll", sagt Kaleb Lechowski und lächelt wie jemand, der sich noch immer nicht sicher ist. Seit zehn Tagen ist seine Sci-Fi-Animation "R'ha" - über ein Alien, das Verhör und Folter durch einen Roboter übersteht, um sein Volk zu retten - online, und seit zehn Tagen ist das Leben des 22-jährigen Studenten aus einem 1500-Seelen-Dorf in Süddeutschland selbst wie ein Film. "Die E-Mail-Benachrichtigungsfunktion für Kommentare habe ich ausgeschaltet, weil jede Minute jemand etwas schreibt." Und er hat eine FAQ erstellt, weil stündlich Fragen auf ihn einprasseln. Seitdem "R'ha" am 9. Januar auf vimeo und anderen Videoplattformen online gegangen ist, haben ihn schon fast zwei Millionen Menschen gesehen. Für Lechowski zählt nun jede Minute, denn in zwei Wochen fliegt er nach Los Angeles, um seine Idee für eine Langversion von "R'ha" vor Hollywood-Produzenten zu präsentieren.

Begonnen hat dieses gehetzte Erfolgsmärchen damit, dass Lechowski Anfang Januar einen 27-sekündigen Teaser zu seinem sechseinhalb-Minuten-Film ins Internet gestellt hat, an dem er seit Mai 2012 arbeitete. Am nächsten Morgen um sieben wurde er aus seinem Studentenleben gerissen. Da meldete sich der amerikanische Manager und Produzent Scott Glassgold. "R'ha" sei nicht nur "professionell, sondern auch außergewöhnlich", sagte Glassgold dem Tech-Newsdienst "Mashable". Der Kurzfilm enthalte Aufnahmen, "die aussehen wie aus einer 150-Millionen-Dollar-Produktion". Nun hat Lechowski einen Manager, und der sorgte dafür, dass nach dem Erfolg mit dem Teaser der Start von "R'ha" auf Vimeo und Youtube in den USA medial einschlug. Der "Hollywood Reporter" berichtete als erster über das junge deutsche Sci-Fi-Talent. Danach riefen die ersten Produzenten an.

Gespür für epische Bilder

Fragt man Lechowski, was "R'ha" so außergewöhnlich mache, antwortet er zurückhaltend und reflektiert zugleich: "Ich habe vielleicht ein Gespür für epische Bilder", sagt er. Und: Er konzentriere sich auf das Sinnvolle. Vielleicht deshalb ist seine Wohnung in Berlin, wo er seit Oktober 2011 an der Mediadesign-Schule studiert, auch so aufgeräumt. Statt "Star Wars"-Figuren und Filmplakaten gibt es viel Weiß, Licht, Klarheit. Nur das von Lechowski selbst gemalte Bild eines Ackers mit Bauernhofruine und dramatischem Baum unter einem noch dramatischeren Himmel lässt Schlüsse auf die Welten in Lechowskis Kopf zu. Der freut sich derweil über den ebenfalls selbstdesignten schlicht-grauen Bildschirmhintergrund seines Computers. Erst bei genauerem Hinsehen erkennt man Andeutungen von Räumlichkeit. Lechowski braucht offensichtlich wenig, um seine Fantasie von der Leine zu lassen. Inspiration durch ganz genaues Hingucken.

Dazu passt sein auf den ersten Blick skurriles Hobby, das auf den zweiten Blick nicht nur logisch ist, sondern auch zum erfolgreichen Regisseur Tim Burton passen würde: Lechowski bastelt Insekten aus Papier - lebensecht bis ins kleinste Gelenk. Als Kind habe er damit angefangen. "Ich könnte die die ganze Zeit anschauen", sagt er und packt eine unfassbar echt aussehende Schnake aus. Form und Funktion faszinieren ihn, sagt Lechowski. Und eben deren Umsetzung macht "R'ha" so besonders.

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Kaleb Lechowski vor seinem Computer: "Man hat nichts, und am Ende hat man eine ganze Welt".©

Die Story ist der Kern

Natürlich hat ihn auch das Kino beeinflusst: "The Matrix", den Sci-Fi-Kultfilm der Wachowski-Brüder, der in die Kinos kam, als Lechowski neun Jahre alt war, nennt er mehrfach. Aber auch den "Terminator" und Christopher Nolans "Memento". Von Nolan habe er sich das Storytelling abgeguckt, so Lechowski. "Die beste Animation bringt nichts, wenn die Story nicht stimmt. Die ist der Kern."

Das große Novum in seinem Film ist aber, dass es keine Menschen gibt. Und wenn es nach Lechowski ginge, würden die auch in einer Langversion nicht vorkommen. Da haben allerdings die Geldgeber aus Hollywood noch mitzureden. Oder wie der "Hollywood Reporter" es formuliert: "Die einzige Beschränkung für kreative Geschichten über Alien-Welten mit Alien-Helden sind risiko-ängstliche Studiodirektoren".

Natürlich sei er wegen des Termins aufgeregt, sagt Lechowski. "Aber man muss eben abwarten." Vorher werde er mit seinem Manager noch mal üben. Vor allem aber muss er jetzt erstmal seine Geschichte zuende schreiben.

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