Er ist Schauspieler, Regisseur, Maler und Fotograf. Ein Buch zeigt die verloren geglaubten Bilder von Dennis Hopper aus den Jahren 1962-68.

Dennis Hopper mit Familie und Milan Vukmirovic
Der Amerikaner Dennis Hopper und der Franzose Milan Vukmirovic, Kreativchef bei Jil Sander, in Paris präsentierten 2001 gemeinsam das Hopper-Fotobuch "1712 North Crescent Heights". Der stern bat beide zu einem Gespräch über Mode, Fotografie und die wilden Sechziger.
Die Pariser Modeszene reißt sich um dich. Kaum eine Schau, in der du nicht in der ersten Reihe sitzt. Guckst du dir die Kleider an oder die Mädchen?
Was glaubst du wohl? Aber es ist tatsächlich so, dass mich auch Kleider interessieren. Mode ist ein wichtiger Teil unserer Kultur. Als junger Mann war ich komplett antimodisch eingestellt. In Hollywood kam man damals ohne Anzugjacke und Krawatte in kein einziges Lokal rein. Abends war der Sunset Strip ein Meer von dunklen Anzügen. Dagegen habe ich mit T-Shirt, Levi's und Beatnik-Gehabe revoltiert.
Was ich vor allem an dir bewundere: Du hast immer gegen die "Political Correctness" angekämpft. Und du hast alle möglichen Sachen in deinem Leben gemacht: gemalt, Regie geführt, geschauspielert, fotografiert.
Ja. Erst war ich ein Bohemien, dann ein Beatnik, danach ein Hippie, später ein Punk, schließlich ein Yuppie. Ich habe alles mal mitgemacht.
Zu welcher Gruppe zählst du dich jetzt?
Nur noch zum Establishment. Aber es geht mir gut dabei. Alle Veränderungen hatten was für sich. Und meine Protesthaltung habe ich irgendwie behalten.
War es für deine Generation leichter zu protestieren?
Die Fronten waren klarer. Der Vietnamkrieg war einfach ein Fehler. Schwarze durften nicht im selben Busabteil fahren oder ins selbe Klo pinkeln wie Weiße. In so einer Welt wollte ich nicht leben.
Damals regierte vielleicht noch die Politik die Welt, nicht die Wirtschaft. Jetzt geht's bei allem nur ums Geld, vor allem in unseren Branchen: Modekollektionen und Filme kosten zu viel Geld, um unbekümmert an ihnen arbeiten zu können.
Gerade in der Modewelt scheint vieles nach eingefahrenen Regeln zu laufen.
Ein paar Sachen kann man bewegen. Als ich zu Jil Sander kam, waren da zwanzig Jahre lange keine schwarzen Models über den Laufsteg gegangen. Ich bin stolz, dass ich das ändern konnte. Doch Filme eignen sich wohl besser als Mode, um für Überzeugungen zu kämpfen.
Nur, wenn sie dich deine Filme machen lassen. Es gab nicht viele wirklich kreative Momente in meinem Leben. Ich habe viel zu wenig erreicht. Es ging mir immer wie einem Kirchenmaler in Italien, der ohne Gönner arbeitslos war. Aber wenn ich keine Filme machen konnte, habe ich eben gemalt oder fotografiert - Hauptsache, ich konnte mich irgendwie ausleben, mich ausdrücken.
Hast du heute das Gefühl, dich ausgedrückt zu haben?
Das schafft man nie. Kaum lehnt man sich befriedigt zurück, fängt es woanders an zu jucken. Das hält einen am Leben. Da sind zum Beispiel jetzt diese digitalen Geschichten, die die Filmarbeit revolutionieren. Früher brauchte man Beleuchter, Kabelträger, jede Menge Leute, die man bezahlen musste. Heute kann jeder für zehntausend Dollar seinen eigenen Digitalfilm machen. Ich habe gerade meinen ersten gedreht, eine Acht-Minuten-Lovestory über ein obdachloses Mädchen in L. A. Das New Yorker Whitney Museum of American Art hat ihn gekauft. Das Beste an der Digitaltechnik ist ja, dass ich nicht mehr mit einem Drehbuch herumgehen und betteln muss, bloß um dann doch nur in den Fahrstuhl zurückgeschoben zu werden.
Hast du eigentlich auch mal als Modefotograf gearbeitet?
Für "Vogue" und "Harper's Bazaar". Mode bietet fantastische Möglichkeiten für einen Fotografen, man kann außerordentlich viel Spaß dabei haben. Ich würde zum Beispiel gern mal Haute- Couture-Kleider in WCs fotografieren. Das wären dann meine Haute-Toilette-Bilder.