Elvis has left the building ... Vor über 30 Jahren endete das Leben des King of Rock'n'Roll auf dem Boden seines Badezimmers in Graceland. Der Kult um den King ist bis heute ungebrochen. Elvis lebt. In seiner Musik, seinen Filmen - vor allem aber in den Herzen seiner Fans. Von Katharina Miklis

Elvis Presley und Priscilla als alles noch in Butter war© Frank Carroll/Sygma/Corbis
Ob tot oder lebendig: Von keinem anderen Star weltweit gibt es mehr aktive Fanclubs, keiner hat so viele Anhänger, wie der am 8. Januar 1935 in Tupelo, Mississippi geborene Elvis Aaron Presley. Trotz seines unkontrollierten Tablettenkonsums, seiner Vorliebe für Eiscreme und des wahrhaft unglamourösen Abgangs nimmt die Verehrung für den King kein Ende.
Als Elvis Presley 1954 mit seinem revolutionären Sound zwischen Blues, Country und Gospel in die Musikszene platzte, war plötzlich nichts mehr wie zuvor. Es war die Geburtsstunde des Rock'n'Roll. Ein Jahr später wurde Elvis bereits als nationaler Star gefeiert und ließ besorgte Mütter und Väter im prüden Amerika erschaudern. "Unanständig, rebellisch und gefährlich" nannten sie ihn. Später sollten auch sie mit toupierten Dauerwellen und dicken Koteletten weinend an seinem Grab stehen und kitschige Graceland-Souvenirs kaufen - doch von all dem ahnten sie noch nichts. Sie sahen nur die Massenhysterie, die dieser androgyne Mann mit dem Sex in den Hüften auslöste. 1955 ereigneten sich die ersten Ausschreitungen, als Elvis "the Pelvis" mit den Worten "Mädels, ich treff' euch hinter der Bühne!" ein Konzert in Florida beendete. Zwei Jahre später wird Elvis bereits in der amerikanischen Ed-Sullivan-Show nur noch von der Taille aufwärts gezeigt.
All das ist lange her und nahm ein trauriges Ende - irgendwo zwischen glitzernden Pailletten, Schokolade und Betäubungsmitteln hörte das Herz eines gebrochenen Mannes auf zu schlagen, der mal von sich sagte, er habe "es satt, Elvis Presley zu sein". Mittlerweile hat Justin Timberlake Sun Records gekauft, wo Elvis einst seinen ersten Song aufnahm, und neue Idole überschwemmen das Land. Keiner von ihnen hätte ohne Elvis Presley je eine Chance gehabt. "Ohne Elvis bist du nichts" sagt Madonna, aber auch die Beatles, die Rolling Stones oder The Doors hätte es ohne Elvis' Vorarbeit in dieser Form wohl kaum gegeben.
Trotz seines Todes vor mehr als 30 Jahren hält der King nach wie vor den Rekord der meisten Top-10-Hits (allein 40 in den USA), der meisten Gold- und Platinauszeichnungen (allein 140 in den USA) und er verkaufte mehr Tonträger als jeder andere in der Musikgeschichte.
Zu Lebzeiten veröffentlichte er über 70 Longplayer und drehte über 30 Filme, die jetzt - pünktlich zum Todestag - teilweise wieder neu aufgelegt oder ausgestrahlt werden. Die heutigen Fans nehmen die postmortalen Veröffentlichungen dankend an. Stevie Schulze ist einer von ihnen. Betritt man seine Wohnung in Bremen, fühlt man sich in die 60er Jahre zurückversetzt. Elvis-Bilder, Rock'n'Roll-Accessoires, Las-Vegas-Erinnerungen. Stevie Schulze, die Haare zur Elvistolle gegelt, der Hemdkragen hochgeschlagen, hat in diesen Tagen viel zu tun. Am Samstag veranstaltet er in der Bremer Diskothek Tower ein Event zu Ehren des Kings - die 30th Anniversary Celebrations. Viele Fans begehen so oder so ähnlich den Todestag des Rock'n'Roll-Gottes. Andere legen einfach zu Hause eine alte Platte auf, wie der 36-jährige Polizeibeamte Roman aus Duisburg. "Ich denke Elvis war seiner Zeit weit voraus. Für ihn gab es kein Schwarz oder Weiß", sagt er während im Hintergrund "If I Can Dream" läuft. Der 38-jährige Elvisimitator Raphael Heußen aus Mülheim an der Ruhr ist an Elvis' Todestag immer etwas traurig. "An diesem Tag werde ich vor seinem Bild in meinen Zimmer weiße Rosen aufstellen und eine Kerze brennen lassen", flüstert er feierlich. "Ich werde seine CDs hören und an ihn denken."