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18. März 2010, 12:03 Uhr

Elbphilharmonie - noch teurer, noch später

Die Elbphilharmonie soll die Hamburger Hafen-City krönen und weit über die Hansestadt hinausstrahlen. Doch das Projekt erweist sich immer mehr als Steuergrab. Eine termingerechte Fertigstellung ist inzwischen ausgeschlossen - und es gibt noch einmal einen Nachschlag von mindestens 40 Millionen Euro. Von Wolfgang Metzner

Elbphilharmonie, Hamburg, Elphi, Hochtief, Ole von Beust

Sie kostet den Steuerzahler bereits 323 Millionen Euro - und das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht: die Hamburger Elbphilharmonie© Philipp Guelland/DDP

Einer der zehn besten Konzertsäle der Welt soll es werden. Ein Klangwunder mit einem einzigartigen Reflektor an der Decke, Dirigent und Orchester inmitten kühn geschwungener Ränge, die sich wie Terrassen an einem Weinberg hochziehen. Doch jetzt regnet es noch in den offenen Rohbau, und ein kühler Wind pfeift in die Baustelle hoch über der Elbe, die bisher einem düsteren Betontrichter mit schrägen Wänden gleicht: ein Schwarzes Loch, in dem Hamburg seine Steuergelder versenkt.

Am 28. Mai will die Hansestadt Richtfest für den "Jahrhundertbau" feiern. Dann soll ein riesiger Kranz auf die 110 Meter hohe Elbphilharmonie gehievt werden, die mit Luxushotel und Premium-Wohnungen über die neue Hafen-City empor wächst. Doch Bürgermeister Ole von Beust (CDU) dürfte die Feierlaune schon vorher verhagelt werden. Denn wieder einmal explodieren die Kosten für das Prestigevorhaben, während die Stadt nicht mal alle Schlaglöcher aus dem Winter reparieren kann - und ein Ende ist nicht abzusehen.

In einem Brandbrief hat der Generalunternehmer Hochtief "vielfältige Störungen" und "Bausolländerungen" beklagt, die zu Nachforderungen von 22,4 Millionen Euro führten. So würde allein die von den Planern jetzt gewünschte Luxusvariante für die Lüftung im Großen Saal teure statische Neuberechnungen erfordern. Zusätzlich will Hochtief zwölf Millionen Euro extra für bisher nicht eingeplante "Budgetleistungen" - etwa neueste Finessen bei Akustik und Licht.

Krisensitzungen mit einem "Notkomitee"

Noch ärgerlicher könnte für die Stadt werden, dass Hochtief die für Ende 2011 vereinbarte, bereits mehrfach verschobene Gesamtfertigstellung inzwischen für "nicht realisierbar" hält und eine weitere "Verspätung von ca. einem Jahr" ankündigt. Nach Auskunft eines Firmeninsiders würde das rund zehn Millionen mehr für den längeren Betrieb der Baustelle bedeuten. Zusammen ergibt das eine neue Horrorzahl, die man im Rathaus noch unter der Decke hält: über 40 Millionen Euro Nachschlag. Bisher müht sich die städtische Realisierungsgesellschaft (ReGe), die Forderungen von Hochtief herunterzuspielen. Wie nervös der Hamburger Senat aber inzwischen ist, zeigen Krisensitzungen mit einem "Notkomitee", bei dem Beteiligte "Verschwiegenheitserklärungen" unterzeichnen mussten und nicht mal Notizen erlaubt waren.

Nach Einblick in vertrauliche Aktenbände und angesichts weiterer offener Risiken fürchten Oppositionspolitiker inzwischen sogar ein größeres Fiasko. "Gut möglich", sagen die Haushaltsexperten Joachim Bischoff (Linkspartei) und Peter Tschentscher von der SPD, "dass zum Schluss noch mal 100 Millionen Euro fällig sind."

Längst hat sich der Traum vom glitzernden Kultur-Kristall an der Elbe in einen Alptraum für Finanzpolitiker verwandelt. Denn die jüngsten Zahlen sind ein Paradebeispiel dafür, wie leicht ein gemischt finanziertes "PPP"-Projekt ("Public Private Partnership") der öffentlichen Hand entgleitet und aus dem Ruder laufen kann.

Anfangs war von 40 Millionen Euro die Rede

Dabei hatte alles so vielversprechend angefangen. Es war im Jahr 2001, als die Schweizer Star-Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron die Vision von einer Musikhalle auf einem ehemaligen Kakaospeicher hinkritzelten. Von 40 Millionen Euro war zunächst die Rede, finanziert durch Spenden. 2005 sprach von Beust bereits von 77 Millionen, ein Jahr später waren es dann 114 Millionen, die von der Stadt übernommen werden sollten. Den Rest würden vermögende Gönner und private Investoren durch eine Mantelbebauung mit Hotel, Gastronomie und Wohnungen finanzieren.

Mit diesem "Pauschalfestpreis" wurde das Konzept im Jahr 2007 vom euphorisierten Stadtparlament einstimmig abgenickt. Die Ernüchterung kam 2008 nach dem Wahltermin, als Hochtief mit einem Baustopp wegen aufgelaufener Extrakosten von 270 Millionen Euro drohte. Das ganze Projekt, das ohne fertige Planungen der Architekten begonnen worden war, stand auf der Kippe. Aber eine Bauruine im Herzen der Hafen-City - das war schlicht undenkbar für von Beust.

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KOMMENTARE (10 von 14)
 
MK80 (18.03.2010, 18:57 Uhr)
trotz allem
was hier offensichgtlich schief gelaufen ist, würde ich alle die sich hier im forum über baufirmen, behörden planer oder sonstige beteiligte aufregen, bitten sich mal ein wenig zurückzuhalten.
jeder der in der branche tätig ist, weiß das die welt (leider) nicht so einfach ist, wie sie manche hier gerne hätten. ein bauvorhaben wie die elbphilharmmonie vorher auf den cent genau zu kalkulieren ist selbst bei einem planungsvorlauf von mehreren jahren nahzu unmöglich.
das am bau auf grund von änderungen, oder unvorhersehbaren umständen "nachträge" gestellt werden, oder das es "schlechtwetterphasen" ( was sollen die gänsfüßchen, lieber autor, das heißt nunmal so) gibt in denen nicht gearbeitet werden kann. hinzu kommt noch das deutsche vergaberecht, dass ein wirtschaftliches kalkulieren nahezu unmöglich macht, weil es den jeweils billigsten (und nicht den preiswertesten bieter) favorisiert.
um aufträge überhaupt rentabel zu machen, kalkulileren viele firmen nachträge schon vorher mit ein. das ist zwar auch nicht ganz sauber, aber leider tagesgeschäft.
und als planer hat man keinen einfluss auf die auswahl des ausführenden unternehmens.
selbst wenn man weiß, dass es probleme geben wird, man muss mit dem billigsten bieter arbeiten.
Klaus55 (18.03.2010, 17:58 Uhr)
Wen wundert's?
Das ist doch klar! Erst rechnet man mit einem einfachen Vorschlag. Der kostet dann über den Daumen 40 Mio. Und wenn das Projekt dann politisch genehmigt wurde, beginnt man mit der eigentlichen Planung. Dann kommen die Details, man fängt an richtig zu rechnen und die Kosten explodieren auf ein Vielfaches. Hätten alle von Anfang an vernünftig gearbeitet, hätte Herr von Beust das Projekt auch niemals durchbekommen. So macht man halt Politik. Ist doch immer so, oder?
CeeTo (18.03.2010, 17:31 Uhr)
-.-
Die eigentliche Frechheit ist nicht dass die Stadt sich ein solches Projekt leisten will, sondern wie die Baufirma versucht immer mehr Geld rauszuschlagen.
Ich kenne mich im Baurecht nicht aus, aber wie kann es sein, dass es zu Kostensteigerungen kommt die der Auftraggeber zahlen soll. Es muss doch Aufgabe der Baufirma sein, ihre vorherige Kalukulation ordentlich durchzuführen und die Kosten selber zu tragen.
Malt (18.03.2010, 16:01 Uhr)
@Knuffiman
Ja, ist schon pervers, diese Vorgehensweise... aber das prangere ich schon seit Jahren an. Ist doch im Grunde wie mit der Budgetierung: Wenn bei uns am Ende Geld über ist, dann wird da snoch schnell verpulvert weil man ja sonst im nächsten Jahr weniger bekommen würde... statt das Geld in andere Bereiche zu stecken wo's sinnvoll wäre... aber nachdem da Politiker und Beamte drüber zu entscheiden haben wird sich hier bis zum totalen Zusammenbruch nichts ändern! Braucht man sich nicht wundern...
confused (18.03.2010, 15:45 Uhr)
damit die elitäre gesellschaft feiern kann
darf der steuerzahler bluten. ist es nicht z.b. auch Hamburg wo die strassen mehr als marode sind, ist es nicht auch hamburg gewesen diesen winter wo die stadt kein geld für salz streuen hatte ? ich finde es mittlerweile mehr als wie amüsant wie der steuerzahler der dumme normale durchschnittsdeutsche sich von denen die sich politiker und staatsmänner schimpfen an der nase herumführen lässt und sich immer mehr beugt. das ganze was so insgesamt in d-land abgeht ist mehr als filmreif - filmreif für einen guten komedyfilm.... armes land - armes volk - wie tief ist es gesunken.
Knuffiman (18.03.2010, 15:22 Uhr)
Malt
ich glaub es verhält sich so: die öffentliche hand ist immer über den tisch zu ziehen, weil der grundgedanke "ist doch nicht mein geld" immer noch in den köpfen ist. zum 2. steigt ja mit mehr bauvolumen auch die courtage des architekten und die einnahme des bauunternehmers. ergo dessen gibt es bei staatlichen bauvorhaben immer noch mal nachschlag, was in der privatwirtschaft niemals, es sei denn es wird etwas geändert, vorkommen würde. zahlen wird es ja eh der dumme michel. in einigen anderen ländern ist es umgekehrt. bleibt der architekt unter dem budget, bei gleich guter leistung, bekommt er eine provision. gehts darüber hinaus, ist es sein problem.
hier aber nicht möglich, denn es hängen alle am tropf. wissen sie aber sicher......
knilch_59 (18.03.2010, 15:22 Uhr)
Wie beim Angeln
Man muss den Fisch erst ködern:
.
Weil öffentliche Bauprojekte schon häufiger mit ihren Kosten ausuferten, hat man uns die öffentlich-privaten Partnerschaftsmodelle als Lösung empfohlen. Zum Beweis liefen ja auch ein paar Modellprojekte ordentlich.
.
Seit sich die Methode aber etabliert hat, klappt das nicht mehr - Zufall oder Absicht?
.
honi soit, qui mal Y pense!
re-aktor (18.03.2010, 15:21 Uhr)
Sauerei
Keiner der Verantwortlichen wird auch nur Ansatzweise Ärger bekommen für seine Verfehlungen. Deshalb sind wir auch alle gegen sensible Datenbanken mit Bürgerdaten -- der Staat ist einfach zu unfähig um ein solches Sicherheitsrisiko zu handeln (nicht zuletzt Dank T-Systems).

Übrigens stehen in Hamburg bereits 1 Million Quadratmeter Gewerbeflächen frei, Mietpreisbindung wird immer mehr abgeschafft, bezahlbare Wohnungen fehlen oder werden durch "Aufwertungen" ersetzt.

Gentrifizierung, yeaaah!
Kroko (18.03.2010, 15:14 Uhr)
Zu blöde, ein Bauprojekt
zu planen die Einen.
Zu blöde, einen vernünftigen Vertrag auszuarbeiten die Anderen
Alle Verantwortlichen gehören vor Gericht.

Pervers, daß so etwas als "normal" hingestellt wird.

Malt (18.03.2010, 15:09 Uhr)
Ich frage mich..
....bei sowas immer, ob die, die solche Bauverträge abgeschlossen haben, dabei Rotzbesoffen waren. Ich mein, ICH kenn das so, dass man sowas ausschreibt, sich Angebote dafür einholt, dann entscheidet und dann einen Vertrag macht in dem die Details festgehalten werden. Warum vertraglich nicht a) die Auftragssumme und b) die Auftragsdauer festgeschrieben wird bzw. etwaige Verzögerungen nicht zu einer Konventionalstrafe sondern noch zu einem extra Bonus von 40 Millionen Euro führen erschließt sich mir nicht ganz.
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