Die Patin des Pop

15. August 2008, 15:15 Uhr

Die Zahl ihrer Imagewandel ist Legion: Edelpunk, Grande Dame, Hippie-Mama. Madonna Louise Veronica Ciccone erfindet sich alle paar Jahre neu. Christiane Rebmann hat Madonna über die Jahre immer wieder getroffen - ein Rückblick auf eine große Karriere, die noch nicht zu Ende ist.

Madonna hat die Nase voll von ihren alten Hits. "Ich bin nicht sicher, ob ich 'Holiday' oder 'Like A Virgin' jemals wieder singen kann", sagte die Verwandlungskünstlerin kürzlich©

Kein schönes Geburtstagsgeschenk: Die Meldung, es gäbe ein Sexvideo von Madonna und ihrem angeblichen Lover, dem Baseballspieler Alex Rodriguez. Die Queen of Pop hatte sich eh schon nicht besonders auf ihren 50. Geburtstag gefreut. "Das ist für mich kein großes Ding" antwortete sie auf die Frage, was dieser Tag für sie bedeute. Der 16. August 2008 sei für sie "ein Datum wie jedes andere."

Berlin - L.A. - New York - Cannes - Cardiff

Sie ist auch viel zu beschäftigt. Gerade macht sie sich für ihre "Sticky-and-Sweet"-Tournee fit, die am 23. August im britischen Cardiff beginnt. So stählt sie täglich ihren ohnehin schon gut durchgestylten Body in mehrstündigen Trainingsrunden. Auch der Terminkalender in den Monaten davor hatte nicht gerade so ausgesehen, als wolle sie sich für den Rückzug aufs Altenteil einstimmen. Anfang Februar flog sie zur Berlinale, um ihr Regiedebüt "Filth and Wisdom" vorzustellen. Dann legte sie in L.A. letzte Hand an ihre neuen Songs und machte auch gleich noch Promotion für das neue Album "Hard Candy". Anschließend jettete sie nach New York, um dort ihre Aufnahme in die Rock'n'Roll Hall of Fame zu feiern.

Kurze Zeit später ging's nach Cannes, wo Madonna ihren Dokumentarfilm "I Am Because We Are" über Aidswaisen in Malawi vorstellte. Diese Frau ist umtriebig wie ein Duracellhäschen - Sarkozy lässt grüßen. Kein Wunder, dass Gerüchte über ihren angeschlagenen Gesundheitszustand die Runde machen. Die täglich neuen Geschichten über ihre kriselnde Ehe taten ein Übriges. Und dann veröffentlichte auch noch Madonnas kleiner Bruder Christopher seine als "Enthüllungsbuch" angekündigte Autobiografie "Life with my Sister Madonna", die allerdings keine wirklich überraschenden Neuigkeiten über seine Schwester enthält. Manche raunen sogar, Madonna habe an dem Buch selber mitgewirkt.

Selbst die ganz Jungen finden Madonna noch cool

Selbst wenn sich die unappetitlichen Gerüchte bewahrheiten würden - Ihrem Ruf täte das nicht ernsthaft Abbruch. Die erfolgreichste Künstlerin im Popgeschäft gilt immer noch als relevant und ist auch immer noch als Vorbild gut - auch nach mehr als 25 Jahren im Popgeschäft. Madonna hat nicht nur Künstlerinnen ihrer eigenen Altersgruppe inspiriert. Auch die nachfolgende Generation nahm sie zum Vorbild. So schwärmte beispielsweise die R&B-Sängerin Mariah Carey am Anfang ihrer Karriere: "Ich bewundere Madonna. Weil sie eine starke Frau ist. Und weil sie tut, was sie will. Außerdem ist sie eine sehr fähige Geschäftsfrau." Selbst die ganz Jungen finden Madonna noch cool. Die 16-jährige Australierin Gabriella Cilmi, die gerade dazu ansetzt, ihr Idol mit dem lässig frechen Song "Nothing's Sweet About Me" in den Charts zu überholen, sagt bewundernd: "Madonna hat so viel Power, und sie hat sich immer wieder neu erfunden."

Das macht wohl den größten Teil ihres Erfolges aus. Keine Künstlerin ist so vielseitig wie Madonna Veronica Louise Ciccone. Sie ist Musikerin, Tänzerin, Schauspielerin, Regisseurin, Kinderbuchautorin, Labelchefin und Designerin. Seit sie 1982 mit ihrem Discohit "Everybody" erste Erfolge verbuchen konnte, hat sie sich ständig verändert. "Das, was gewesen ist, interessiert mich nicht. Ich häute mich, während ich mich weiter entwickle", sagt sie.

Als Reporterin wusste man all die Jahre nie, auf welche Madonna man gerade treffen würde. Das konnte der maskenhaft geschminkte Marlene-Dietrich-Klon sein, der 1992 das Album "Erotica" und den Nacktbildband "Sex" bewarb. 1995 präsentierte die Künstlerin sich dagegen weich und weiblich, passend zu ihrem Balladenalbum "Bedtime Stories", im eleganten schwarzen Designer Kleid und mit zurückgebundenen Haaren. 1998 erschien sie ganz unauffällig in schwarzem Pulli und Hose zum Gespräch. Als sie zwei Jahre später zum Interview im Büro ihrer Firma Maverick in L.A. einlief, sah Madonna aus wie ein Flohmarkt-Fashion-Victim: Sie hatte ihren hochschwangeren Körper in eine knallgelbe Zotteljacke und eine braungrüne Tarnmuster-Armee-Hose gezwängt. Zum Termin 2008 in Beverly Hills präsentiert sie sich in schlichter Eleganz, mit schwarzem Top, schwarzer weiter Hose und ungeschminktem Gesicht.

Dem Zeitgeist immer einen Schritt voraus

In ihren Videoclips und bei öffentlichen Auftritten gab sie mit ihrem Styling immer sehr punktgenau formulierte Statements ab. Und schaffte es dabei, immer wieder neue Trends zu setzen. Madonna gelang dabei das Kunststück, Musik und Kleidung so zu verbinden, dass sie das jeweilige Lebensgefühl nicht reflektierten, sondern dem Zeitgeist vorgriffen. Zum Beispiel 1998, als sie den Neohippie-Look propagierte und sich auf Fotos in Blümchenbluse und Jeans präsentierte. Das Wort Hippie mochte sie allerdings nicht hören. "Hippies sind schrecklich", blaffte sie damals mit einer Mischung aus Belustigung und Beleidigtsein, "Die rasieren sich ja nicht mal die Beine. Und sie tragen keinen Nagellack und kein Make Up. Die letzten Langweiler."

Madonna hat zwar immer wieder behauptet, ihre Kleiderwahl sei keinesfalls berechnend. Aber sie hat sich doch in all den Jahren immer wieder ganz bewusst neu inszeniert. Egal, ob sie sich zu "Like A Virgin" in weiße Spitze kleidete, zu "Justify My Love" in eine schwarze lederne Sadomaso-Montur warf oder sich im Musicalfilm "Evita" züchtig hochgeschlossen als argentinische Präsidentengattin Eva Perón präsentierte. Letztere - damals eher untypische - Verkleidung begründete sie übrigens mit der Faszination, die die umstrittene Argentinierin auf sie ausübte: "Evita Perón ist eine Art Ikone für mich. Sie hatte einen sehr starken Einfluss auf die Weltpolitik. In den 40er Jahren hatten es die Frauen in den lateinamerikanischen Ländern mit ihrer Machokultur ja besonders schwer. Und Evita hat sich durchgeboxt. Ihre Familie gehörte weder zum aristokratischen noch zum politischen Adel. Das waren bettelarme Bauern."

Diese etwas vereinfachende Analyse fasst ganz gut zusammen, wie Madonna tickt. Auch sie hat sich hoch gekämpft. "Sie ist extrem ehrgeizig, fleißig und perfektionistisch. Das unterscheidet sie von anderen Künstlern", sagt Presseagentin Liz Rosenberg, die Madonna seit mehr als 25 Jahren betreut. So wurde Madonna zur erfolgreichsten Frau im Musikbusiness. Ihr Vermögen wurde im Jahre 2006 auf 600 Millionen Dollar geschätzt. Sie hat allein in Deutschland mit ihren 19 Alben insgesamt 49-mal Goldstatus erreicht. Sie hat sieben Grammies gewonnen und führt mit 20 MTV-Video-Awards die Liste der Gewinner an. Gerade schloss sie einen Vertrag mit Universal ab, der ihr angeblich einen knapp dreistelligen Eurobetrag sichert - ein echtes Kunststück angesichts der Endzeitstimmung in der Musikszene. Madonna kommentiert den Abgang von der Firma, die immerhin half, ihre Karriere aufzubauen, ganz unsentimental: "Mein Vertrag mit Warner lief aus. Und wer weiß, ob es in ein paar Jahren überhaupt noch Plattenfirmen gibt. Ich bin doch nicht blöd."

Sie braucht den Wechsel

Das ist die andere Seite der Medaille. Konstanz ist nicht so ihr Ding. Loyalität auch nicht. In ihren Beziehungen wirken sich ihr Ehrgeiz und der notorische Kontrollzwang eher negativ aus. Christopher Ciccone stellt seine Schwester in "Life with..." denn auch als süchtig nach Aufmerksamkeit und letztlich beziehungsunfähig dar.

Nach diversen Affären heiratete Madonna 1985 den Schauspieler Sean Penn, dem sie ihr Album "True Blue" gewidmet hatte. Die Ehe ging schon 1989 wieder auseinander. Madonna suchte Trost in immer wieder neuen Affären, zum Beispiel mit dem US-Schauspieler Warren Beatty. Es ist zu vermuten, dass einige der Verbindungen, über die spekuliert wurde, nur aus Publicitygründen kolportiert wurden. Wie weit die Beziehung mit John F. Kennedy Jr. ging, wird heute noch in einschlägigen Presseorganen diskutiert. Und Madonnas Kollege Lenny Kravitz, mit dem sie 1990 den Erotikhit "Justify my love" aufnahm, dementierte später leicht gereizt eine Affäre: "Es nervt. Sowie ich mit einer Frau arbeite, behauptet alle Welt, ich sei mit ihr im Bett gewesen. Madonna und ich waren eher wie Bruder und Schwester. Ich bin sowieso nicht ihr Typ."

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Videoclip
KOMMENTARE (4 von 4)
 
Jeremio (16.08.2008, 07:37 Uhr)
Happy Birthday
Man kann sie sehen, wie man will. Diese Karriere ist einzigartig und das schon über 25 Jahre. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als sie Anfang der 80er loslegte. Ich tanzte als Teenager zu Ihrer Musik, habe mir auch später immer wieder Ihre CD´s, Auftritte im Fernsehen usw. reingezogen. Nun habe ich selber eine Familie, natürlich ganz andere Sachen im Kopf. Aber wenn ich Madonna höre und sehe, ist es einfach Entertainment vom Feinsten. Happy Birthday, Madonna;-)))
sheriffSTERN (15.08.2008, 22:07 Uhr)
Verwechslung
>>Sie legte sich mit dem Vatikan an, als sie in ihrem Videoclip zu "Papa don't Preach" einen von der Statue zum Leben erweckten schwarzen Jesus küsste.
chrgue (15.08.2008, 17:46 Uhr)
Meine Oma...
...hat Größeres geleistet als diese Tussi. Berichtet doch mal über sie!
masilein (15.08.2008, 17:12 Uhr)
na und
wieviele frauen werden 50?
was soll bloß an der so toll sein? mit hilfe von chirurgen kann das jede.die ist völlig überbewertet.
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