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22. Januar 2011, 12:05 Uhr

Die Wiederbelebung der Talkshow

Mathieu statt Maybrit, Sarah statt Sandra: Mit dem aktuellen Dschungelcamp ist RTL die Wiederbelebung des ausgelutschten Talkshow-Formats gelungen - mit dubiosen Gestalten aus dem Tittenvorzeigemilieu anstelle der verbrannten Nasen aus Politik und Wirtschaft. Von Wolfgang Röhl

Dschungelcamp,

Unterhaltsamer als jede Talkshow: Ein Gruppenplausch im Dschungelcamp© RTL

Das Konzept, Leute vor Kameras zu zerren und sich um Kopf und Kragen quasseln zu lassen, ist an sich nicht neu. Man nennt es Talkshow. Es ist ausgelutscht wie ein alter Kaugummi und nervensägend wie Gelegenheits-Talkerin Jutta Ditfurth.

Mit dem Dschungelcamp beschert uns RTL die kongeniale Wiederbelebung des öden alten Talkformats. Statt Peter Scholl-Latour Sarah Knappik, statt Arnulf Baring den Froonk. Die Katy Karrenbauer anstelle von Karlchen Lauterbach - schöner geht es doch gar nicht. Die verbrannten Nasen aus Politik, Publizistik und Wirtschaft, deren Mantras eh keiner mehr hören kann: abgelöst von dubiosen Gestalten aus Castingshows oder aus dem Tittenvorzeigemilieu. Leute, denen die Fernsehfritzen einen dicken Batzen Geld in die Hand gedrückt haben und die sie dafür wochenlang öffentlich foltern und verhöhnen dürfen. Und zwar noch fieser, als ihre Opfer es sich mutmaßlich ausgemalt hatten. Eine Gruppe von Menschen also, von denen die meisten bei der Frage "Wie lange dauerte der 30-jährige Krieg?" gehörig ins Grübeln kommen.

Das passt, wackelt und macht Freude.

Dirk Bach - ein listiger Sprücheschmied

Ferner sind da die Camp-Aufseher, subversive Typen. Dirk Bach zuvörderst, den viele nur für eine Laune der Natur halten, welche man früher auf Jahrmärkten ausgestellt hätte. Was für ein listiger Sprücheschmied ist dieser Dickwanst doch! Mitten im frisch abgesoffenen Australien fröhlich zu tröten, es sei gut, dass Down under nicht in der EU ist, sonst wüsste man nämlich schon, wer wieder mal blechen muss - hat was vom frühen, guten Harald Schmidt.

Genauso gelungen: die Präsentation der elf Dschungelcamp-Kandidaten. Moderatorin Sonja Zietlow bezeichnete sie als Füllmaterial, das den Zuschauern daheim nicht fehle und im Camp nicht störe." Die Flachbinsen von Sarah als Hitparade des philosophischen Sondermülls einzublenden - ganz großer Gaga. Gute Einfälle zuhauf: der "Ekel-Käfer"-Stand, dekoriert mit weißblauen Girlanden, als Tagesmenü Rattenhirn. Und schließlich Dr. Bob, der immer hilfreich aus den Rabatten springt. Ja, Dirty Harry, deine Saat ist aufgegangen! Auf RTL.

Nur eines muss man dem Kölner Sender ankreiden: Die Wahl von Mathieu Carrière, der ein wunderbarer Schauspieler war und mit den Jahren wunderlich wurde, nunmehr endgültig zu vernichten, das ist nicht wirklich komisch. Niemals hätte man diesen großartigen Mimen derart verbrennen dürfen!

Von Wolfgang Röhl
 
 
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