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10. Mai 2009, 09:28 Uhr

Daniel siegt in der Tränenschlacht

Es war knapp, kitschig und kuschelig: Daniel Schuhmacher setzte sich mit einem hauchdünnen Vorsprung im Finale von "Deutschland sucht den Superstar" gegen Sarah Kreuz durch. Ein Herzschlagfinale mit Pathos und Zuckerguss: Den Siegertitel "Anything But Love" sangen die Finalisten unter Tränen gemeinsam. Von Christopher John Peter

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Daniel Schumacher, Deutschlands neuer Superstar, konnte nach dem Sieg bei DSDS seine Tränen nicht mehr zurückhalten© Clemens Bilan/DDP

Es gab keinen Kniefall und keine ekstatisch in den Himmel gestreckten Arme, wie bei Thomas Godoj oder Mark Medlock, den Gewinnern der vergangenen Jahre. Schüchtern, fast Schutz suchend, umklammerte Daniel Schuhmacher seine Mitfinalistin Sarah Kreuz. Der frisch gebackene 22-jährige Sieger der sechsten Staffel der RTL-Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" weinte hemmungslos. Tränen der Rührung, der Erleichterung und der Freude.

Das passende Ende eines Abends der leisen und balladesken Töne. Daniel holt Sarah für das Siegerlied mit auf die Bühne. Umrahmt vom schwülstig-schimmernden roten Scheinwerferlicht sangen beide im Duett den Dieter-Bohlen-Song "Anything But Love" - zum dritten Mal an diesem Abend. Fernsehen kann schrecklich schön sein, wenn es eine emotional aufgeladene Show geben soll.

Zunächst herrschte "Business as usual". Die Jury, zur Feier des Tages ganz in weiß gekleidet, schritt herein. Dann senken sich unter den monumentalen Klangen von "Also sprach Zarathustra" (besser bekannt als die Filmmusik von "2001: Odyssee im Weltraum") stählerne Käfige mit den Musikmatadoren auf die Bühne herab. Doch anstatt kraftvollen, zum Kampf bereiten Zuchtbullen standen nur scheue Kälbchen auf der Bühne des Kartenvorlesers Marco Schreyl.

Die Rückkehr des Mauerblümchens

"Sarah, bist du 100-prozentig vorbereitet auf das, was du gleich erleben wirst?" Willkommen in der Moderatorenhölle. "Wie meinst du das?", bricht es prompt aus der Finalistin heraus. Die Augen ängstlich aufgerissenen. Die Stimme stockend, vor Aufregung zitternd. Eine medienwirksame Jubelshow sollte anders starten.

Auf einmal war Sarah Kreuz wieder das Mauerblümchen der ersten Folgen, das Mädchen, das den Verlobten Fando für DSDS verließ, um bei RTL ihr Glück zu finden. Eine unsichere 19-jährige Sinti aus dem bayrischen Poppenhausen, die ohne Abschluss die Hauptschule verließ und seitdem auf der Suche nach einem Job ist, nach einem Platz in der Welt. Eine Rampensau wie ihre Konkurrentin Annemarie, die Nackenschläge locker weglächelt, ist sie nicht.

Aber die Musik liegt ihr im Blut. Mit dem Song "(You Make Me Feel Like) A Natural Woman" von Aretha Franklin fängt sie sich und verzauberte nicht nur die Jury. "Ein Killertitel, viel besser kann man das gar nicht singen", lobte Bohlen. Mitjuror Volker Neumüller hielt den Auftritt für, wie sollte es anders sein, "unglaublich toll" und fühlte sich "getouched". Das rief auch Moderator Schreyl auf den Plan, der mit herrlich dadaistischen Kommentaren wie "Heute ist Weihnachten. Für sie und für Sarah Kreuz" glänzte.

Kopf an Kopf

Dem wortkargen Schuhmacher, dessen längste Sätze Kommentare wie "Noch nicht", "Ich bin ein unsicherer Mensch" oder "Auf jeden Fall" waren, fehlte es zunächst nicht nur an Bühnenpräsenz. Seine erste Nummer "Soulmate" von Natasha Bedingfield klang holprig und zerfasert. Die Jury gab sich dennoch begeistert. "Niemand hat einen so hohen Wiedererkennungswert wie Du, niemand hat eine so geile Stimme wie Du", schwärmte Bohlen.

Dann kam die große Überraschung: Nach dem ersten Song verkündete RTL die Zwischenstände der für die Kandidaten eingegangenen Anrufe. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen: 50 Prozent für Daniel, 50 Prozent für Sarah. So knapp war es noch nie bei einem DSDS-Finale!

In den vergangenen Jahren wurden wohlweislich keine regelmäßigen Wasserstandsmeldungen der Zuschauerabstimmung abgegeben, führten doch Godoj und Medlock stets meilenweit im Telefon-Voting. Ein Ergebnis, das die Auguren der Fernsehunterhaltung auch für Daniel Schuhmacher vorhersagten, stimmen doch aus Erfahrung die Mädchen, die Zweidrittel der Anrufer stellen, zumeist für einen männlichen Teenieschwarm. Bereits im Vorfeld forderte zudem die als umstrittene drittplatzierte Kandidatin ausgeschiedene Annemarie Eilfeld als selbsternannte "Siegerin der Herzen" ihre Fans auf der Titelseite der "Bild"-Zeitung auf: "Wählt alle Daniel." Doch die Zuschauer riefen in Massen für die gesanglich deutlich agilere Sarah an.

Stehende Ovationen nach dem zweiten Durchgang

Eine wirklich rundherum gute Leistung legten dann beide Finalisten im zweiten Durchgang hin. Daniel brillierte mit "Ain't No Sunshine" von Bill Withers. In einem schwarzen, engen und freizügig geschnittenen Kleid gab Sarah "I Will Always Love You" von Whitney Houston zum Besten.

Jury und Publikum feierten beide mit stehenden Ovationen. Den dritten Titel, "Anything But Love", zugleich auch die Siegersingle, mussten beide intonieren, was jedoch Daniel deutlich besser gelang. Komponiert ist das Stück natürlich von Dieter Bohlen.

Einspielfilmchen erinnerten zwischendurch an die traumatische Jugend der Kandidaten, wie etwa daran, dass Daniel von Mitschülern gemobbt und geschlagen wurde. Positive Bestätigung sieht anders aus, aber die Tränendrüse soll ja nicht austrocknen. Kein Wunder, dass die Finalisten zwischen den Gesangseinlagen weniger wie Sieger, sondern eher wie Schiffbrüchige eines Leck geschlagenen Unterhaltungsdampfers wirken. Immer wieder fielen sie sich in die Arme, suchten gegenseitig bei sich Schutz.

Mehrere mäandrierende Moderationen später ("Sarah, Du bist hier hergekommen als Mädchen ohne Zukunftsaussichten..." - "Daniel, es ist nicht lange her, da bist Du ein Bündel von Unsicherheit gewesen...") kommt die Katharsis. Endlich die Erlösung - vor allem für die zwei unschuldigen jungen Menschen im emotionalen Folterkabinett von RTL. Da ist es nur natürlich, dass die Zuschauer zu gleichen Teilen verhindern wollen, einen der beiden "Sozialfälle" zurück ins Unglück zu stürzen.

Zumindest für RTL ging die Rechnung auf. Mit dem knappsten Ergebnis in der DSDS-Geschichte stimmten 50,47 Prozent der Anrufer für den als Teenieschwarm titulierten Pfullendorfer. Daniel Schuhmacher hat nun den fragwürdigen Titel "Superstar" in der Tasche sowie einen Plattenvertrag mit Sony Music. Die erste Single kommt Freitag auf den Markt - der Bohlen-Song "Anything But Love".

Von Christopher John Peter
 
 
KOMMENTARE (10 von 18)
 
MisterBrezeldent (11.05.2009, 15:08 Uhr)
Erhöhter Tränenfluss...?
SCHWEINEGRIPPE
B-engelchen (11.05.2009, 10:22 Uhr)
Was soll das?
Ich höre hier immer nur "farblos" und "langweilig". Muss denn ein Star immer polarisieren und für Skandale sorgen? Die WAHREN Stars machen durch Stimme auf sich aufmerksam, nicht durch Nacktfotos oder provokante Aussagen.
Ich habe diese Staffel nur am Rande verfolgt, finde aber, dass Daniel der erste Sieger ist, von dem ich mir tatsächlich eine CD kaufen würde. Er hat eine unvergleichliche Stimme, die zumindest meinen Geschmack voll trifft, und singt mit Gefühl und Herz.
Das Konzept DSDS mag fragwürdig sein... ich selbst bin kein Fan davon. Aber ich verstehe nicht, warum hier immer so negativ kommentiert wird... bitte hört doch auf, auf jungen Menschen herumzuhacken, die versuchen, ihren Traum zu leben. Ich finde es echt erschreckend, wie viele Leute an Arroganz und Besserwissertum nicht zu überbieten sind.
Ob Daniel erfolgreich sein kann, oder in Vergessenheit geraten wird, das wird die Zeit zeigen. Es hat viel mit harter Arbeit und Durchhaltevermögen, aber auch mit Glück zu tun, und es gibt dafür so oder so keine Garantie. Egal ob man als Castingsieger startet oder es selbst probiert.
babylon (11.05.2009, 10:18 Uhr)
Dumm-TV für Superdumme
Das Niveau sinkt immer weiter! Bals haben wir die USA in Punkto Dummheit eingeholt. Aber wir haben ja noch mit Dumm-Klum ein As im Ärmel!
Fidi4877 (11.05.2009, 10:05 Uhr)
Anspruch
Immer wenn man bei solchen schwachsinnigen Sendungen denkt, es geht nicht mehr tiefer, wird man ständig eines Besseren belehrt. Langsam bekomm ich Angst. Wer guckt so nen Schrott und vor allem: Wer ruft für teures Geld da an ???? Unbegreiflich wie manipulierbar der Mensch geworden ist.
manndernichtdaist (11.05.2009, 08:36 Uhr)
wer sind die 2?
nur mal so am rande... auf dem foto der rechte Bursche da - ist das der junge Howard Carpendale?
botoxia (11.05.2009, 08:21 Uhr)
Na dann, Tschüß
Daniel und Sarah. Ab heute dürfen wir euch wieder vergessen. Danke.
Louyi (11.05.2009, 08:00 Uhr)
Bohlen Retortensongs mit DSDS
also eines muss man Bohlen lassen - ein Gespür für junge, DSDS -RTL dahergetrimmte "Superstars" ,sich auf den vermeintlichen Mega -Supererfolg seines "komponiertes" Siegerliedchen einlassen, ist unglaublich. Für kurze Zeit ein Hype
für den Sieger, der Bohlen nochmals Megapräsent (nebst M.Medlock)und nochmals eine goldene Schalllplatte für ein einfaltsloses Liedchen an seiner Wohnzimmerwand "Tötensen" - so läuft das inzwischen. Die Annemarie E. hätte sich höchstwahrscheinlich darauf nicht eingelassen.Darum ist es so gekommen wie es kommen musste -ohne ein Fan weder von Annemarie M.noch von D.Schuhmacher zu sein. Aber so läuft das Retorten -Showbussines. Der/die nächste bitte.
Ach ja -dass ich nicht vergesse -beim "Siegersong" hat sich zudemn Bohlen nicht viel Zeit gelassen - aus dem Handgelenk teilweise "geschrieben" -bzw. abeschrieben -wetten das gibt noch Urheberechts- Ärger? Das Lied kam mir teilweise schon sehr bekannt vor.
Vincent_Vega (10.05.2009, 22:54 Uhr)
Fakt ist doch: meist versinken die Sieger in Vergessenheit
und die Schrillen unter den Verlierern werden von RTL gnädig recycelt.
Loretta/Lorenzo hat vor vier oder sechs JAhren verloren, darf aber nach erfolgreich vermarkteter Beinah-Geschlechtsumwandlung den Aushilfsmoderator bei RTL machen. Vorher war sie/er wie der Gurkenlaster-Zerstörer Kübldings im Dschungel.
Unter http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/3989/deutschlands_erstes_nipplegate.html
kann man mal nachlesen, was um 1969 noch die Gemüter erregte und zu Überreaktionen führte. Heute würde sich doch niemand über ein Negligé aufregen.
Remolus (10.05.2009, 22:42 Uhr)
schlecht ist ...
... nur, das die beiden Kandidaten sich an farblosigkeit übertreffen. Ich werde mir den"Superstar" bestimmt mal live anschauen, wenn in einem Jahr mal ein mediaMarkt eröffnet wird. Die beiden gestrigen Kontrahenten sind so nictssagend, kein polarisieren, keine Ecken und kanten, reinweg gar nichts. Und die Kreuz(sorry Vornamen vergessen) sollte mal bei berlitt nen Intensivkurs in englisch belegen. Ich sage nur " Eim otta love" (out of love vom Anastasia) Sie keinen Abschluss, keine Lehre, im kommenden Jahr im Jungle-Camp, ein Jahr später Promi-Dinner, dann mit Fotos in der FHM und dann ARGE. Er, in der Schule gehänselt(Kandidat für Amok) jetzt im Fokus der Medien, was er als labiler Typ nicht verkraften wird. Er wird sich früher oder später über die Volksfeste und dergleichen finanzieren.
utasieg (10.05.2009, 19:44 Uhr)
Das Beste bei DSDS
sind hier die Kommentare. Woche für Woche gleich bescheuert.
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