Er mag Frauenfilme, weint in der Oper und fürchtet sich vor Thrillern: Jetzt wird ZDF-Moderator Steffen Seibert neuer Regierungssprecher. Aber wer ist der neue Mann an Merkels Seite eigentlich? Von Katharina Miklis

Politisch nicht festgelegt: Steffen Seibert wird neuer Regierungssprecher© Carmen Sauerbrei/ZDF/DPA
Sein Gesicht kennen alle. Beim Namen hört's schon bei vielen auf. Steffen Seibert hat bisher unauffällig und mit zurückhaltender Souveränität die 19-Uhr-Nachrichten im "heute-Journal" verkündet. Jetzt wird der Welterklärer, nach 22 Jahren beim ZDF, der Nachfolger von Regierungssprecher Ulrich Wilhelm und der neue Mann an Merkels Seite.
Steffen Seibert ist keiner der auffällt. Keiner, der die große Bühne sucht. Eigentlich. Im ZDF moderierte er zwar im Juni vergangenen Jahres die Polit-Castingshow "Ich kann Kanzler" - als Bohlen des ZDF fühlte er sich jedoch sichtlich unwohl. Als bemüht lockerer Entertainer wirkte er reichlich deplaziert. Seibert ist Vollblutjournalist. Seriös und kompetent. Ein Mann für die Nachrichten. Nicht für den Castingfirlefanz. Um für die Sendung zu werben und vermutlich auch um seine Rolle als Showunterhalter zu rechtfertigen, bezeichnete sich der 50-Jährige im Vorfeld als bekennender Wechselwähler. Einer, der "bis auf die Linkspartei alle Parteien, die im Bundestag sitzen, schon einmal gewählt hat". Ein Zitat, das ihn jetzt natürlich einholt. Auch seine Konfession wechselte Seibert, konvertierte vor Jahren vom Protestantismus zum Katholizismus. Am 11. August wechelt der News-Anchor wieder die Fronten, tauscht Journalismus gegen Polit-PR. Ist der smarte Mainzelmann sprunghaft, oder einfach nur wandelbar und offen für alles? Vielleicht legt sich Seibert als eine Art künftiger Markus Lanz des Berliner Politgeschehens nur ungern fest.
So war es zumindest früher. In Teenagerjahren, das verriet Seibert einmal in einem Interview, da habe er noch nicht gewusst, wer er wirklich sei. Während seiner Schulzeit in Hannover habe er sich mal an die eine, dann wieder an die andere Gruppe gehängt und sich dabei manches Mal unwohl und fehl am Platz gefühlt. "Ich war einer, der gesucht hat", verriet der gebürtige Münchner, der als Jugendlicher zwar auf Anti-Atomkraft-Demos ging, aber nur vorschriftsmäßig, weil er auf eine politisierte Schule ging. Als Suchender. Nicht als Rebell. Seine Eltern lassen sich scheiden, als er zwölf Jahre alt ist. Er bleibt bei seiner Mutter.
Nach seinem Studium der Geschichte und Literaturwissenschaft in Hamburg und London kam Seibert über ein Volontariat 1988 zum Mainzer Lerchenberg. Anfang der 90er Jahre ging er als ZDF-Korrespondent nach Washington und zurück in Deutschland wagte er später sogar einen Ausflug in den Boulevard, moderierte "hallo Deutschland" und das Morgenmagazin. Beim ZDF wird Seibert auch für Sondersendungen eingesetzt und steht als "Mann für die Zahlen" bei der ZDF-Wahlberichterstattung vor der Kamera. Für seine Moderation des ZDF-Spezials zum Anschlag auf das World Trade Center in New York, erhielt der ZDF-Mann die Goldene Kamera. Im Jahr 2005 bekam er gemeinsam mit Johannes B. Kerner den Publikums-Bambi für die Moderation der ZDF-Spendensendung zur Tsunami-Katastrophe in Südostasien.