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28. März 2010, 08:20 Uhr

Götterdämmerung im Wurstwasser

"Wetten, dass..?" war mit Wunderwaffe Lena bestens gerüstet gegen ein erneutes Quotentief. Doch Show und Zauber von Deutschlands neuem Darling gingen im Salzburger Wurstwasser baden. Von Katharina Miklis

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Bei Gottschalks "Wetten, dass..?" drehte sich vieles um die Wurst - Stefan Raab fands offenbar lustig© Tobias Hase/EPA

Sie ist zurzeit Deutschlands Wunderwaffe gegen sinkende Quoten, Auflagen, Musik-Verkäufe. Wo Lena draufsteht, ist Aufmerksamkeit sicher. Deutschland ist vereint in seltsamer Verzückung um die 18-jährige Abiturientin Lena Meyer-Landrut, die Deutschland beim Eurovision Song Contest in Oslo vertritt und zurzeit alle Download-Rekorde bricht. Deutschland einig Lenaland.

Sie ist ein Medienphänomen. Klar, dass jetzt jeder etwas von dem Lena-Hype abhaben will. Und wer könnte davon mehr gebrauchen als Thomas Gottschalk: Nachdem bei der Februar-Ausgabe von "Wetten, dass..?" mit 7,8 Millionen Zuschauern so wenige wie noch nie zugesehen haben, wird natürlich auch Gottschalk zum Lenastheniker und zeigt eine Schwäche für die 18-jährige Hannoveranerin. So ist die kleine Lena nicht nur die große Hoffnung für Deutschland in Oslo sondern auch für den schwächelnden Entertainer. Eine ganz schön große Last für diese zarten Schultern.

Die Rechnung ging nur bedingt auf. Gottschalk kam mit seiner Samstagabendshow auf durchschnittlich 9,61 Millionen Zuschauer. Das sind zwar deutlich mehr als bei der letzten Sendung, aber die Zehn-Millionen-Marke verfehlte er.

Grandioses Line-up

Zu Beginn der 188. "Wetten, dass..?"-Ausgabe aus Salzburg betont Gottschalk, der als "Mozart des ZDF" angekündigt wird, zunächst die kulturelle Herausforderung, in dieser Stadt aufzutreten. Im Opernhaus läuft parallel zur Show Wagners "Götterdämmerung" - von der RTL-Konkurrenz mit Dieter Bohlens Superstar-Suche (5,9 Millionen Zuschauer) ganz abgesehen. Mithalten will man beim ZDF mit einer Gottschalk-Dämmerung. Einer Musik-Show auf höchstem Niveau. Mit Shakira, Sopranistin Anna Netrebko, der Rockband Gossip, Musical-Komponist Andrew Lloyd Webber, dem Volksmusiker Hansi Hinterseer, den Scorpions und eben Lena.

Das Line-up ist ohne Frage grandios. Nur: Der Funke will trotzdem nicht überspringen. Woran liegt es? Gastgeber Gottschalk und Michelle Hunziker stehen sich viel zu oft gegenseitig im Weg. Der Chef-Moderator lässt seine Assistentin nicht ausreden. Sie fällt ihm ins Wort. Es dauert, bis man sich eingegroovt hat. Und trotzdem: Eine Sendung ohne die chaotische Hunziker mag man sich gar nicht mehr vorstellen.

Metzger Raab verliert Wurstwette

Nach dem Auftritt von Pop-Sängerin Shakira und etwas Geplänkel mit Slalom-Weltcupsiegerin Maria Riesch und Entertainer Hansi Hinterseer steigt die Hoffnung auf etwas mehr Unterhaltung mit dem nächsten Gast: Stefan Raab. Doch der ProSieben-Mann und Lena-Entdecker passt sich mit seinen Kalauern nur dem "Wetten, dass..?"-Niveau an: "Wer hätte vor 20 Jahren gedacht, dass ein Mann mit so einer Frisur Deutschlands größter Entertainer wird?". Gottschalk frotzelt zurück und präsentiert dem gelernten Metzger die nächste Wette. Eine Wurstwette. Ein Kandidat will 22 Wurstsorten am Wurstwasser erkennen. Raab wettet dagegen und muss später "Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei" auf dem Akkordeon spielen. Raab kann es nicht fassen: "Da muss ein Redakteur erstmal drauf kommen: Der Metzger kriegt die Wurstwette und soll ein Wurstlied singen", witzelt er.

Das ist öffentlich-rechtlicher Humor. Willkommen im ZDF. Aber was lässt ein Stefan Raab nicht über sich ergehen, um seinen Zögling einem möglichst großen Publikum zu präsentieren und die Werbetrommel zu rühren. Und dann kommt sie: Die große Hoffnung des Grand Prix, des Thomas Gottschalk und gefühlt des ganzen Universums: Lena Meyer-Landrut, die jetzt nur noch Lena heißt. Im kleinen Schwarzen kiekst sie ihren Oslo-Hit "Satellite" auf der großen "Wetten, dass..?"-Bühne. Das ist putzig. Verglichen mit dem "DSDS"-Ballermann-Programm, das parallel auf RTL läuft, ein Lichtblick am Samstagabend.

Lena-Zauber verpufft

Im Gegensatz zum späteren Auftritt von Beth Ditto der Rockband Gossip ist Lena jedoch ganz schön blass. Auch auf dem Sofa stiehlt Wuchtbrumme Ditto der Abiturientin die Show. Zwischen TV-Ziehvater Raab und Gottschalk ist die Hannoveranerin gar nicht mehr so frech und spontan, wie man es von "unserem Star für Oslo" gewohnt war. Plötzlich ist ihre brave Art eher beklemmend, ihr Auftritt ermüdend statt extravagant. Die Leiden der jungen Lena: Der ganze Hype scheint doch etwas zu groß für das kleine, nette Mädchen zu sein, das doch eigentlich nur singen will. Als Gottschalk seinen nächsten Gast, den Opernstar Anna Netrebko ankündigt, scherzt Lena: "Find' ich zum Kotzen". Und plötzlich ist da auch gar nichts mehr putzig.

So wendet sich Gottschalk dann auch relativ schnell seinen anderen Gästen zu. Schauspielerin Emma Thompson, Beth Ditto, Andrew Lloyd Webber. Netrebko ist schon gegangen. Man kann es ihr nicht verübeln. Nicht nur der Lena-Zauber verpufft zwischen Wurstwette und Eierhüpfen, auch der Rest der Salzburg-Ausgabe von "Wetten, dass..?" enttäuscht zu größten Teilen. Und nach drei Stunden ist man dann doch einfach nur froh, dass nicht nur die Wurst zwei Enden hat, sondern auch diese Show eins findet.

Von Katharina Miklis
 
 
KOMMENTARE (10 von 56)
 
Opern-Freak (30.03.2010, 16:39 Uhr)
Bei der lebensfrohen Ausstrahlung ?
darf man " zum Kotzen " sagen . Vor allem wenn hier Lena M.-L. wohl die Erwartungshaltung von Gottschalk karikiert . Bei "Unser Star für Oslo" hatte sie diesen Gag schon mal gebracht .

Mich reizt an diesem Humor , dass man weiss sie könnte auch eine intelligent ausgeführte Antwort geben . Das ist frech , aber ohne Hinterlist .

So beeindruckt mich auch in der musikalischen Aufführung Lena M.-L. Suche nach Ausdrucksformen , die man
nicht so oft sieht . Dafür braucht sie keine Gitarre zu zerschlagen . Im Gegenteil - man muss schon genau und wohlwollend hinsehen um diese besonderen Momente wahrzunehmen .

Lena M.-L. Ironie ist wie bei Stefan Raab von einer grundsätzlichen Lebensfreude getragen . Mit dem Ausklammern des Privatleben gewinnt sie die Freiheit ihren künstlerischen Darstellungswillen in Musik und Entertainment auszuleben .

Das Symbol , welches sie an ihrem Hals trägt , ist möglicherweise ein Hinweis auf eine ihrer Kraftquellen.
centrino (29.03.2010, 15:28 Uhr)
Lena Kritiker:Auf dem Teppich bleiben
Der Titel:
Lena bringt mit Satellite einen Fremd-Song, den sie erst kurze Zeit kennt und vor WD gerade 3x vor Publikum performt hat (2xusfo,1xWOKWm).
Zudem ist er 'demokratisch' vom deutschen Publikum ausgewählt worden, nicht von ihr, sie wollte 'love me'. Shakira und Beth z.B. haben ihre EIGENEN Songs bis dato sicher ein 'wenig' öfter abgeliefert. Unter diesen Rand-Bedingungen und unter Abi-Druck war das, was sie uns gezeigt hat, absolut in Ordnung. Wie es bei einem eigenen Song - hinter dem sie stehen kann - ausfallen kann, zeigten 'New Shoes' oder 'Mr.Curiosity', Foundation, usw. obwohl die auch unter Zeitdruck mit den Heavy-Tones einstudiert wurden.
Die Couch:
Da hat sie sich viel besser gehalten als man erwarten konnte. Als Newbie im Showgeschäft in der ersten grossen Show mit Leuten wie Shakira, Gossip, Netrebko, Webber und Scorpions, ok auch Hinterseer, konfrontiert zu werden....diese Herausforderung hat sie m.E. sehr gut gemeistert. Andere hätten entweder total übertrieben a la Ditto (muss das tun..) oder wie M.Riesch stumm in der Ecke gesessen.
drumboy (29.03.2010, 14:10 Uhr)
Frau Miklis und die Problematik des objektiven Journalismus...
Man kann sowohl von Wetten Dass als auch Lena Meyer-Landrut halten was man will - solange ein mediales/kuenstlerisches Produkt so viele Fans an sich bindet, hat es auch seine Daseinsberechtigung - das gilt sogar fuer eine mediale Hautkrankheit wie DSDS.
Kritik haette auch ihre Berechtigung, wenn sie denn objektiv waere,
Angesichts der Kommentare hier habe ich mir mal einen Miklis-Artikel durchgelesen, der vor Begin der Oslo-Ausscheidungsshows geschrieben wurde - danach war mir klar, warum laut Frau Miklis Raab und seine Lena auf keinen Fall Erfolg haben duerfen:
http://www.stern.de/kultur/tv/stefan-raab-und-die-ard-one-night-stand-mit-katergarantie-706778.html
KlaraSinger (29.03.2010, 13:37 Uhr)
Zappel- Lena

Die so viel gepriesene zappelige Lena konnte mich mit ihren sprechgesanglich vorgetragenen Englischvokabeln überhaupt nicht vom Hocker reißen.
Daß sie schließlich noch einen Weltbekannten Opernstar zum kotzen findet, zeigt wie ihr der ganze Rummel um ihre uninteressante Person bereits zu Kopf gestiegen ist.
Skeptic (29.03.2010, 13:15 Uhr)
'Die Welt' schreibt in ihrer Online-Ausgabe ...
... recht passend über das von Gottschalk vermurkste Lena-Interview:

Lena Meyer-Landrut singt ihren Grand-Prix-Titel. Gottschalk spitz: ?Das geht jetzt aber nicht so ins Ohr.? Lena: ?Das sehen manche anders.? Sowieso hängt er den Oberlehrer raus. Ob das mit dem langen Namen nicht blöd sei. Man wisse ja so wenig über ihr Privatleben. Lena reagiert cool. Wahrscheinlich kamen Raab und Lena nur unter der Bedingung, dass es keine Fragen nach Privatem gibt. Blödeste Gottschalk-Frage: ?Hast denn Respekt vor der Oper und Netrebko?? Coolste Antwort: ?Nö, finde ich zum Kotzen. So ein Quatsch, natürlich find ich das super.?
rynaldo (29.03.2010, 13:08 Uhr)
Lena-Hype
Ich habe jetzt eine Nummer von ihr im Radio gehört und ich fand sie schrecklich, wie eine Rohfassung eines Nelly Furdato Stücks. Total austauschbar. Da baut sich ein schrecklicher Hype auf, wenn sie dann bei diesem Gesangsdrossel-Wettbewerb wieder Mal Platz 12 belegt, wird sich kein Mensch mehr für sie interessieren.
sachsenwini (29.03.2010, 13:00 Uhr)
Heitere Sendungen haben immer die Eigenart,
dass ein jeder glaubt er könnte das alles viel besser.

Das Publikum hat sich nach vielen Sendungen einerseits an Thomas Gottschalk gewöhnt und will ihn unbedingt sehen, andere dagegen haben sich an ihm satt gesehen, und er kann ihnen nichts mehr Recht machen.
Die Sendung lebt in erster Linie von der Originalität der Wetten und von den eingeladenen Stars. Das Beides zu verbinden ist schon eine Kunst für sich, und mit Michelle Hunziker an seiner Seite gelingt das Thomas Gottschalk immer noch recht gut.
Die Wetten und die Stars sind Geschmackssache, und dazu wird jeder eine andere Meinung haben. Was der eine für den Höhepunkt des Abends hält, das ist für den Anderen ein Anlass die Toilette zu besuchen.
Bei der so gescholtenen Wurstwasserwette habe ich doch immerhin gestaunt, dass man aus der unappetitlichen Brühe die Wurstmarke ermitteln kann. Ich war froh, dass ich nicht von der Brühe trinken musste.
Malt (29.03.2010, 12:48 Uhr)
Lena-Hype
Unter Medienrummel (engl. ?Hype? ? von Hyperbel) werden meist kurzlebige, in den Massenmedien aufgebauschte oder übertriebene Nachrichten verstanden, die gezielt von Interessensträgern zur Werbung für bestimmte Ideen oder Produkte lanciert wurden.

AlwinThiloMozart (29.03.2010, 11:56 Uhr)
Die gute alte Samstags-Show ist toter als tot
Da hat jemand Superstars wie Anna Netrebko, Emma Thompson oder Andrew LLoyd Webber. Und was macht er daraus? Er zerredet und versabbelt diese Gelegenheit.
Wie interessant ist hingegen eine Maria Riesch?

Es liegt aber auch am Konzept dieser Sendung. Warum muss man wetten? Warum muss man drei Stunden auf Sendung sein?

Macht doch einfach eine Sendung mit etwas Talk und gute Showblöcken. Wer z. B. eine Vollblutkomikerin (u. a.) Emma Thompsom, deretwegen ich nur diese Sendung mir diesmal antat, aus You tube kennt (z. B. in US-Talkshows wie Ellen oder Jay Leno) kennt, der weiß, welche Gelegenheit das deutsche TV ausließ.
Man ist immer wieder an den bösen Spruch erinnert, dass die Hölle wohl dort sein muss, wo Deutsche Unterhaltungssendungen machen....
Das Konzept in dieser Form ist jedenfalls
toter als tot. Nur wer sagt es dem ZDF?
mantrid (29.03.2010, 10:33 Uhr)
Wie man bei Beth Ditto über deren Temperamt überrascht sein kann, wundert mich. Ebenso wundert es mich, wenn man von Lena Meyer-Landrut das Verhalten eines altgedienten Medienprofis erwartet. Wenn Frau Miklis eine telegen-eloquent-illustre Runde erwartete, hat sie wohl die falsche Sendung ausgewählt oder schlichtweg eine deutlich übersteigerte Erwartungshaltung.

Wetten Dass steht für leichte seichte Abend-Unterhaltung und erhebt eben nicht den Anspruch kulturell anspruchvoll zu sein.

Besonders ägert mich die völlig überzogenen Ansprüche von Frau Miklis an Lena Meyer-Landrut. Gute Frau, das Mädel ist gerade mal 18, ist erst seit wenigen Tagen auf großer Bühne unterwegs und wird wie ein Pokal herumgereicht. Was erwarten Sie da eigentlich? Mir gefällt die Lena, eben weil sie vom Medienbetrieb so unverdorben ist.

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