Keine Frage: Bio ist In. Doch was genau hebt etwa eine Biomöhre über ihre Schwestern im ordinären Plastikbeutel? Die Antworten liegen jenseits ihres Geschmacks. Von Antje Helms

Zur Bio-Tomate greifen oder ist die günstige Industrievarianten ebenso gut? Die Angaben auf der Packung sind nicht immer eindeutig.© Colourbox
Auf die Frage, was der Zusatz "Bio" bei Lebensmittel ausmacht, liefert ein Blick auf die Produktions-Methoden der Biobauern eine Antwort. Biobauern lassen ihren Pflanzen Zeit. Je länger Wurzeln im Boden bleiben, Blätter am Baum oder Früchte am Strauch, desto mehr Nähr- und Farbstoffe entwickeln sie. Als so genannte sekundäre Pflanzenstoffe kommen sie uns dann zugute. Außerdem schmecken solche Pflanzen intensiver: Sie enthalten weniger Wasser.
Bauern, die herkömmlich arbeiten, ernten Tomaten, Erdbeeren und viele andere Sorten meist bevor sie reif sind. Auf der langen Reise in den Laden sollen sie nachreifen. Ihr Nährwert fällt dann geringer aus. Das gilt aber nicht für herkömmlich angebautes Gemüse aus der Region, das gerade Saison hat. Das wird auch nicht vorzeitig geerntet. Deswegen kann Gemüse der Saison ähnlich viele Nährstoffe haben wie Bioware, die lang transportiert wurde.
Die Qualität von Obst und Gemüse hängt also davon ab,
• welche Sorte der Bauer wählt;
• ob die Pflanze in der Sonne oder im Schatten wächst;
• ob der Landwirt die Pflanze reif erntet;
• ob das Gemüse lange im Lager liegt.
Bestimmte Gemüsesorten aus herkömmlichen Anbau enthalten im Schnitt das Hundertfünzigfache an chemischen Rückständen im Vergleich zu Biogemüse. Denn beim Discounter gelten nur Aussehen und Preis: Tomaten, Salat und Paprika müssen makellos aussehen, aber billig sein. Weil diese Pflanzen aber von Insekten jeglicher Art gern zerfressen werden, bespritzen die Bauern sie mit verschiedenen Pestiziden.
Paprika aus Spanien und der Türkei sind häufig mehr belastet als Produkte aus den Niederlanden. Spanische Tomaten enthalten oft das Pilzvernichtungsmittel Procymidon, das im Verdacht steht, schlecht für unser Hormonsystem zu sein. Europäische Trauben wiederum enthalten mehr Chemie als ihre Mitstreiter aus Südamerika.
Ökogemüse speichert weniger krebserregende Substanzen Bauern, die herkömmlich wirtschaften, besprühen ihre Felder und Treibhausböden mit Kunstdünger. Diesen Stickstoffdünger nehmen die Pflanzen auf, Nitrate sammeln sich in ihren Zellen. Essen wir das Gemüse, wandelt unser Körper das Nitrat in Nitrit um. Dieser Stoff wiederum kann krebserregende Nitrosamine bilden. Biobauern benutzen keinen Kunstdünger. Doch manchmal helfen auch Öko-Landwirte etwas nach, allerdings nur mit den für sie zugelassenen Mitteln. Dennoch weisen rund zwei Prozent der deutschen Bio-Produkte Rückstände auf. Diese stammen aber möglicherweise aus Altlasten, die der Boden in früheren Jahren aufgenommen hat und später an die Pflanzen abgibt.
Manchmal wird auch beim Transport, bei der Lagerung oder Verarbeitung nicht sauber zwischen Bio- und anderem Gemüse getrennt - wenn zum Beispiel der Hersteller mit derselben Anlage herkömmlich sowie biologisch angebaute Produkte verarbeitet. Am besten ist: Sie kaufen Gemüse, das in der Region wächst und das gerade Saison hat. Und wenn Sie im Frühjahr Lust auf Brechbohnen haben, nehmen Sie Bio-Tiefkühlware: Sie ist garantiert frisch und hochwertig.