Der Gasgrill - in den USA üblich, bei uns erst im Kommen. Sein Vorteil: kein langes Durchglühen von Holzkohle und kaum Rauch. Den unter Kohle-Grillern eher scherzhaft gemeinte Ausspruch "Ich schmeiß mal eben den Grill an" nehmen Besitzer eines Gasgrills absolut wörtlich. Von Henry Lübberstedt

Wer mit Gas grillt, ist oft Hobbykoch und brutzelt gern komplette Menüs im Freien - sagen die Grillhersteller© Landmann
Ventil aufdrehen, Taste drücken und mit einem "Pfump" springen die Brenner an. Binnen zwei bis fünf Minuten kann das erste Stück Grillgut auf das Rost. Mit Holzkohle bekommt das Fleisch erst nach rund einer halben Stunde Hitzekontakt. Wer es eilig hat und bequem mag, der grillt mit Gas. Das sind nach Schätzung der Grillhersteller etwa zehn bis dreizehn Prozent aller deutschen Grillfans. "Wer mit Gas grillt, kocht für gewöhnlich auch sonst leidenschaftlich gern. Im Garten möchte man dann mit ähnlichem Komfort seinem Hobby nachgehen", sagt Hans-Jürgen Herr, Deutschland-Chef des Grillherstellers Weber-Stephen.
Allerdings hat der Gasgrill auch Nachteile: Der Betrieb erfordert einen deutlich höheren technischen Aufwand. Das macht ihn teuerer als seine Holzkohle-Kollegen. Ein durchschnittlich ausgestatteter Gasgrill mit dem CE-Sicherheitszertifikat beginnt ab knapp 200 Euro. Zudem ist die Beschaffung des Brennmaterials aufwändiger: Holzkohle gibt es in jedem Supermarkt, Gasflaschen hingegen nur in ausgewählten Geschäften.
Daher setzen meist ambitionierte Grillfans auf die Gasbefeuerung. Mit einem hochwertigen Gasgrill bekommen sie sozusagen eine fahrbare Küchenzeile für den Garten. Grills mit Piezo-Technik lassen sich auf Knopfdruck starten. Die Temperatur wird per Drehregler sehr viel feiner als bei der Holzkohle reguliert.

Abgeschirmt von Winkelstäben heizen mehrere Gasbrenner dem Grillgut ein© Weber
Den korrekten Betrieb seines neuen Grills sollten sich vor allem Einsteiger von einem Fachmann ausführlich erklären lassen. Beim Kauf unbedingt auf die CE-Kennzeichnung achten. Ohne dieses Zertifikat dürfen Gasgrills in Deutschland nicht angeboten werden. Steht das gute Stück dann daheim, die Gasflasche nur über einen Druckregler und einen genormten Gas-Schlauch von maximal 1,50 Meter Länge an den Brenner anschließen.
Die Gasflamme erhitzt das Grillgut nicht direkt. Entweder sie erwärmt stark poröse Lavasteine oder ähnlich gut leitendes Natur-Material oder die Brenner heizen Winkelstäbe aus Metall an, die direkt unter dem Grillrost verlaufen. Größere meist eckige Geräte feuern mit mehreren Gasflammen, die sich am besten separat einschalten lassen sollten. Sind nur die Brenner am Rand aktiv und der Deckel geschlossen, können mit dem Grill größere Fleischstücke wie ganze Hähnchen, Braten oder Spare Rips bei einer Temperatur um 130 Grad gegart werden. Für das "Finish" werden die mittleren Flammen dazugeschaltet und das Fleisch kurz kross gegrillt. Auf den großen Gasgrillern lassen sich durch die Flammensteuerung mehrere Temperaturzonen einrichten. Praktisch für das gleichzeitige Garen unterschiedlichen Grillguts.
Holzkohle-Befürworter vermissen das typische Kohle-Aroma beim Gas-Grill. Der Grill-Experte und Vorsitzende des Grillsportvereins, Elmar Hör, hält das jedoch für Einbildung: "Der Spitzenkoch Johann Laffer hat in einer Blindverkostung Fleisch vom Holzkohle und vom Gasgrill angeboten, da hat keiner den Unterschied herausgeschmeckt." Es bleibt letztendlich Geschmackssache, über die bekanntlich herzhaft gestritten werden kann. Mit speziellen Holzchips, meist von Obstbäumen, lässt sich auch auf dem Gas-Griller ein holziges Aroma zufügen. Die Alutüte mit den Chips wird mit einer Gabel perforiert und beim garen in den Grill gelegt.

Beim indirekten Grillen mit Gas, feuern nur die Brenner am Rand© Weber
Bei höherwertige Gasgrills kann der Geschmack über die so genannten Aroma-Schiene verfeinert werden. Die Metall-Leisten werden mit einer beliebigen Flüssigkeit wie Bier, Wein oder Wasser mit Kräutern gefüllt. Die Flüssigkeit verdampft während des Garens und gibt ihr Aroma an das Grillgut ab.
Der "Grillaltar" für den ambitionierten Grill-Meister ist die so genannte Grillstation: Sozusagen vollwertige Outdoor-Küchenzeilen. Backen, Kochen, Grillen, Garen – kein Problem für so ein Geschoss. Dazu gibt es reichlich Ablagefläche, Unterschränke und Schubladen. Die Preise beginnen ab 400 Euro, die ausgewachsene "Großküche" für den Garten gibt es von 1200 Euro an aufwärts. Wer einmal mit Gas grillt bleibt meist dabei. Eine "Migration" zwischen den verschiedenen Feuerarten ist selten, haben die Grillhersteller festgestellt. Wer mit Gas grillt, bleibt ihm ebenso treu wie der Holzkohlegriller seinen schwarzen Kohlen.