Quentin Tarantino ist in Berlin. Der "Pulp Fiction"-Regisseur dreht in und um die Hauptstadt herum sein Weltkriegs-Drama "Inglorious Bastards". Brad Pitt ist da, Til Schweiger und Daniel Brühl spielen auch mit. Und Martin Otto wäre gerne mit dabei. Es gibt eine Chance. Aber erst einmal muss er warten. Von Johannes Gernert

Warten auf Tarantino© Theo Heimann/DDP
Als Martin Otto blutverschmiert neben der hübschen britischen Schauspielerin Rachel Weisz liegt, ist er gerade einmal 16 Jahre alt. Er trägt eine Uniform, sie haben ihm Dreck und rote Flüssigkeit ins Gesicht geschmiert und eine weiße Binde am Bauch befestigt. Die Dreharbeiten draußen zwischen den Hügeln des ehemaligen Braunkohletagebaus bei Cottbus dauern jeden Tag mindestens zehn Stunden. Am Ende findet Otto das alles vor allem anstrengend und ziemlich nervig. Aber als er etliche Monate später "Duell - Enemy at the Gates" im Kino sieht und sich immer wieder ganz kurz auf der Leinwand entdeckt, ist er doch zufrieden. "Es war halt mein erster Kinofilm", sagt der ehemalige Weltkriegs-Komparse. Mittlerweile ist er 25 Jahre alt, und er will es noch einmal versuchen.
Das hat wahrscheinlich auch damit zu tun, dass es damals doch nicht ganz unangenehm war, für einen Moment der Typ neben Rachel Weisz zu sein, die ein paar Jahre später für einen anderen Film immerhin einen Nebenrollen-Oscar bekommen hat. Viel mehr noch hat es allerdings mit Quentin Tarantino zu tun. Otto mag dessen Filme, die alten besonders: "Reservoir Dogs" und "Pulp Fiction".
Das neueste Werk des Kultregisseurs wird vom 13. Oktober an in den Babelsberger Studios in Potsdam gedreht. Deshalb stellt sich Otto dort am Samstagmittag gegen zwölf ans Ende der Schlange, die sich unter den herbstfarbenen Bäumen entlang bis zum großen silbrigen Eingangstor des Studios Babelsberg zieht. Von da werden die Komparsen-Bewerber nach drinnen gelotst, zur zweiten Schlange, die wiederum an einer Reihe von Dixi-Klos vorbei ins Innere einer Studiohalle mit schwarz ausgekleideten Wänden führt. Dort beginnt die dritte Schlange. Und schon die erste war sehr, sehr lang.
Berlin ist ziemlich aufgeregt in diesen Tagen. Berlin ist immer ziemlich aufgeregt, wenn Popstars in die Stadt kommen. Das war schon im Juli bei US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama so, als sich Tausende um die Siegessäule drängten. Und wenn die Popstars nicht nur ein paar Stunden für eine Premiere oder wenige Tage für ein Festival, sondern gleich einige Wochen für einen Dreh bleiben, ist Berlin in Ekstase. Brad Pitt und Angelina Jolie wollen angeblich drei Monate bleiben. Drei Monate! Am Anfang der Woche haben sie mit ihren Kindern eine schwer gesicherte Villa namens Palais Parkschloss am Wannsee bezogen, die auch schon einmal Tom Cruise beherbergen sollte, als der vor einem Jahr in Berlin seinen Stauffenberg-Film "Valkyrie" drehte.
Pitt wird für Tarantino als "Aldo der Apache" den Anführer eines Trupps jüdischer US-Soldaten geben. Ein Renegade, der bei seinen Kämpfern möglichst viele Nazi-Skalps an ihren Gürteln sehen will. So jedenfalls entnimmt es die "Süddeutsche Zeitung" einem Drehbuch-Entwurf zu "Inglorious Bastards", der im Internet kursierte.
Dieses oder ein anderes Drehbuch lesen sich derzeit Brad Pitt, Til Schweiger, Daniel Brühl, Diane Kruger und Jana Pallaske vor, während sie in Anwesenheit von Tarantino im Kreis sitzen. Gelegentlich gehen sie auch Dorade essen bei schicken Mitte-Italienern, die zu diesem Zweck ihre Fenster abkleben. Vor den abgeklebten Fenstern warten dann Fans und Paparazzi. Am nächsten Tag steht alles in der Zeitung.
Es ist vom Brangelina-Hype die Rede, aber völlig korrekt müsste es eigentlich Querangelina-Hype heißen. Wegen Quentin, Brad und Angelina. Diese Aufregung hat wohl auch dazu geführt, dass die Casting-Schlange draußen in Babelsberg noch ein paar Meter länger ist als am ersten Bewerbungstag, eine Woche zuvor. Die Agentur Filmgesichter hat auf ihrer Webseite eigentlich ein recht klares Suchprofil bekannt gegeben: zwischen 25 und 60 Jahre, gerne blond, keine Piercings, keine gefärbten oder gesträhnten Haare.