"Er reist gern" - mehr will die schöne französische Justizministerin Rachida Dati über den Vater ihrer frisch geborenen Tochter nicht preisgeben. Und beflügelt damit die Fantasie der Bürger. Ein Verdächtiger hat bereits heftig dementiert. Von Claus Lutterbeck

Das Handy in der Rechten, die Akten in der Linken, so stürmte die hochschwangere Rachida Dati im November aus dem Élysée-Palast© Gerard Cerle/AFP
Sie ist sehr schön, ein bisschen arrogant, überaus elegant, äußerst extravagant und erst ein einziges Mal geschieden, nach kurzer Ehe. Eine Französin aus dem Bilderbuch. Nun ist Rachida Dati im stolzen Alter von 43 Jahren auch noch Mutter geworden. Und ganz Frankreich macht mit beim heiteren Wer-ist-Papa-Raten. Denn die ehrgeizige Juristin ist nicht nur "Bewahrer der Siegel", wie der Titel der Justizminister in Frankreich lautet, sie ist auch seit vielen Jahren eine der engsten Vertrauten von Nicolas Sarkozy. Die streitbare Ministerin sagt kein Wort, nur einmal seufzte sie öffentlich, sie habe "ein kompliziertes Privatleben".
Je beharrlicher sie schweigt, umso wilder wuchern die Gerüchte. Früher wäre es undenkbar gewesen, dass in der franzö- sischen Presse offen über das Privatleben der Politiker berichtet worden wäre. Anders als im übrigen Europa klatschte man nur hinter vorgehaltener Hand, dafür ausdauernd und hemmungslos.
Die kleinen Geheimnisse, die tout Paris immer kannte, wurden nie öffentlich breitgetreten: dass zum Beispiel der damalige Präsident François Mitterrand neben seiner First Lady noch eine inoffizielle hatte - und mit ihr auch ein Kind.
Doch seit der geniale Selbstinszenierer Sarkozy seine Politik als Spektakel verkauft und die Grenzen zwischen Show und Staat gelegentlich verschwimmen, ist aus der verschwiegenen Republik eine Klatschbörse geworden. Kein Wunder, man hat Jahrzehnte Nachholbedarf.
Natürlich stand das ehemalige Model Carla Bruni, das der Präsident nach ein paar Wochen Flirt heiratete, immer im Mittelpunkt der Ondits. Aber gleich danach kam die auffällige Rachida Dati, die einen kometenhaften Aufstieg hinter sich hat. Noch nie hat ein Einwandererkind solch eine hohe Position in der französischen Politik erklommen.
Die emanzipierte Muslimin kam als zweites von zwölf Kindern einer armen maghrebinischen Einwandererfamilie in Burgund auf die Welt, weder Vater noch Mutter konnten lesen und schreiben, als sie nach Frankreich kamen. Sie ging auf eine katholische Privatschule, studierte Jura und wurde Richterin. Nicht alle in der Familie waren so erfolgreich wie sie, zwei Brüder landeten wegen Drogendelikten vor Gericht. Im Jahr 2002 holte Sarkozy sie als juristische Beraterin in sein Team, im Wahlkampf 2007 war sie seine Sprecherin - niemand hat den Chef so genial verkauft wie die aparte Dati.
Zum Dank machte Sarkozy sie zur Justizministerin, wohl auch als Signal an die ewig unruhige muslimische Jugend im Land: Wir sind weltoffen, ihr könnt es in Frankreich bis in die höchsten Ämter bringen. Die Fachwelt war weniger berauscht. Eine kleine Richterin der ersten Instanz als oberste Chefin der überaus selbstbewussten und mächtigen Richter und Staatsanwälte? Die furchtlose Dati wiederum ließ keinen Streit mit den Juristen aus, schaffte kleine Gerichte und ein paar Privilegien ab und kündigte große Reformen an. Die Richter schäumten. Viele waren fassungslos, als sie öffentlich bekannte, sie finde es "normal", dass auch zwölfjährige Kinder ins Gefängnis kämen, wenn sie eine Straftat begingen.
Die Macht ist ihr wohl etwas zu Kopf gestiegen. Das Arbeitspensum im Ministerium war "unmenschlich", wie ein Mitarbeiter später klagte, ihr Führungsstil herrisch. In einem Jahr verschliss sie fast die gesamte oberste Riege des Justizministeriums, viele warfen genervt hin, weil sie ihre Familien "nur noch zwischen zwölf Uhr nachts und fünf Uhr morgens" zu Gesicht bekamen. "Sie hat eine Art, die Leute fertigzumachen, die menschlich nicht haltbar ist", zitierte das Magazin "Le Point" einen ehemaligen Mitarbeiter. Vollends genervt waren die französischen Diplomaten in Washington, als sie von ihnen verlangte, sie sollten ihr die Handynummer von Barack Obama besorgen - ein Privileg, das nur Staatsoberhäuptern zusteht.
Im Februar 2008 enthüllte das Satireblatt "Le Canard enchaîné", dass sie Kleidung für 39.000 Euro vom Modehaus Yves-Saint-Laurent geborgt, aber wohl "vergessen" hatte, sie wieder zurückzugeben. Die Modefirma beschwerte sich, Madame war verstimmt, sie wechselte zu Dior und tappte prompt in die Scharping-Falle. Während sie im Land Richterstellen streichen ließ, posierte sie in einem Pariser Luxushotel für das Magazin "Paris Match", gekleidet in ein teures Dior-Kleid, mit Netzstrümpfen und hochhackigen Stiefeln.
Sie verteidigte sich: Schon als kleines Kind habe sie sich gern gut angezogen, das sei auch "eine Art, dem Gegenüber Respekt zu zeigen". Später bereute sie den pompösen Auftritt. Eigentlich trage sie lieber T-Shirts aus dem Kaufhaus "Monoprix", und schon ihre Mutter habe immer gesagt, nicht das Kleid müsse teuer sein, "nur der Gürtel".
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Ausgabe 03/2009