6. Juni 2009, 07:44 Uhr

Ruhm frisst Kinderseelen

Britney Spears ist daran zerbrochen und auch Lindsay Lohan. Derzeit versuchen die Teeniestars Miley Cyrus und Zac Efron in der Unterhaltungs-Arena zu überleben. stern.de hat ihre Chancen ausgerechnet. Von Sophie Albers

Miley Cyrus, Hannah Montana, Zac Efron, Britney Spears, High School Musical

Disneys Superstar Miley Cyrus ist die berühmteste 16-Jährige der Welt©

"Also, ich habe ihr gesagt, 'Liebling, verbring' Zeit mit deinen Freunden, geh zur Schule, zum Abschlussball. Aber das wollte sie gar nicht." Das sind nicht die Worte der verzweifelten Mutter eines abgestürzten Sprösslings mit Drogenproblemen, sondern die Worte von Leticia "Tish" Cyrus , einer großgewachsenen Blondine, die vor 16 Jahren einem Mädchen das Leben schenkte, das heute als einflussreichster Teenager der Welt gilt: Miley Cyrus.

Der Teeniestar aus der TV-Serie "Hannah Montana" verdient Millionen, und wo immer Cyrus auftaucht, drehen die Fans durch. Doch hat der frühe Ruhm auch einen Preis. Bezahlt haben ihn bereits ehemalige Kinderstars wie Drew Barrymore, Macaulay Culkin und Britney Spears. Eine berühmte Identität werde dem Ich einfach übergestülpt, sagt der Schweizer Jugendpsychologe Allan Guggenbühl. "Die andere, die eigene Identität, droht verloren zu gehen. Sie findet nicht statt". Deshalb sei die Prominenz in der Pubertät so gefährlich.

Heftigstes Beispiel für solch eine verlorene Identität lieferte wohl Barrymore, die ihr Auftritt in "E.T. - Der Außerirdische" 1982 im Alter von gerade mal sechs Jahren zum Star machte: Das Kind verlor allen Halt, wurde drogensüchtig und trat mit 13 Jahren den ersten Entzug an. Barrymores aktuelle Karriere als Produzentin war jahrelange knochenharte Arbeit und auch Glück. Auch Britney Spears' von der Klatschpresse geradezu gefeierter Kahlschlag, Lindsay Lohans Party-Exzesse, Macaulay Culkins Drogenprobleme bis hin zum frühen Tod von River Phoenix sind auf die zerstörerische Kraft des Rampenlichts zurückzuführen. Welche Chancen haben wohl Miley Cyrus und ihr Kollege Zac Efron aus dem "High School Musical", mit dieser Realität im Reich der Illusion klar zu kommen? Eine Aufrechnung.

Eigener Flügel in der Familienvilla

Miley Cyrus habe sich bereits mit neun Jahren fürs Schauspiel begeistert, heißt es. Als sie mit elf für die Hauptrolle in der neuen Disney-Musicalserie "Hannah Montana" vorsprach, wurde sie als zu jung abgelehnt. Also bettelte das Kind um eine zweite Chance, um den Showleuten zu zeigen, dass sie viel älter aussehen könne. Mit 13 hatte sie den Part, der zu den erfolgreichsten Shows führte, die Disney je ins Fernsehen brachte. Und ihren Papa hat sie auch gleich in der Serie untergebracht. Der Sänger und Schauspieler Billy Ray Cyrus ist auch der Show-Papa seiner Tochter. Und das nun auch im "Hannah Montana"-Kinofilm, der dem TV-Hit folgte. (Seit dem 1. Juni in deutschen Kinos)

Allein im Jahr 2007 hat Miley Cyrus laut dem US-Magazin "Us" 18,2 Millionen Dollar verdient, ihre CDs verkaufen sich millionenfach, ihre Tour im Jahr 2008 brachte 50 Millionen Dollar, der dazugehörige Konzertfilm spielte am ersten Wochenende 29 Millionen ein. "Hannah Montana - Der Film" (siehe Kasten) rangiert in den USA nach eineinhalb Monaten bei fast 80 Millionen. Zusammen mit "Harry Potter" Daniel Radcliffe führt sie die "Forbes"-Liste der erfolgreichsten Jungstars an.

Auf das tägliche Leben übertragen bedeutet das eine Überdosis Luxus: Die 16-Jährige aus Nashville, Tennessee, lebt mit ihrer Familie in einer Villa in Los Angeles, in der sie den einen kompletten Flügel des Anwesens bewohnt, mit eigenem Eingang versteht sich. Allerdings behauptet Mama Tish, die auch als Managerin ihres Kindes fungiert, mit strenger Hand über Miley zu wachen. Wenn der Weltstar ungehorsam sei, kriege er auch schon mal Stubenarrest oder Handyverbot, sagt sie. Ob Disney das dem Management ihres singenden, tanzenden Geldesels durchgehen lässt, sei dahingestellt.

"Es ist ihr Schicksal, der Welt Hoffnung zu bringen"

In Interviews wirkt Cyrus fast wie ein einigermaßen normaler Teenager, wenn auch mit beeindruckendem Selbstbewusstsein: Sie redet zu laut, kichert dauernd und fummelt die ganze Zeit an ihrem Blackberry herum. Und wenn sie nicht weiter weiß, muss Papa ran. Als die US-Talkmasterin Ellen DeGeneres das aufgedrehte Mädchen nach der Normalität seines Lebens fragt, guckt Cyrus vorsichtig zu ihrem lederbejackten Erzeuger: "Er sorgt dafür". Der setzt dann wenig später zur immer wieder gern wiederholten Hoffnungs-Hymne an: Es sei Mileys Schicksal, "der Welt Hoffnung zu bringen", sagt er mit der ihm möglichen Seriösität. Und das habe er auch schon vor Mileys Geburt gewusst, die deshalb mit bürgerlichem Namen Destiny Hope (Schicksal Hoffnung) heißt. Das höre sie schon ihr ganzes Leben, entgegnet Miley Cyrus und lacht kehlig laut. Wer wundert sich da noch über das monströs unerschütterliche Super-Ego eines Mädchens, das eigentlich in den Stromschnellen der Pubertät kämpfen müsste?

Erstaunlich anders hört sich dagegen Zac Efron an, der Mädchen lauter schreien lässt als die Band Tokio Hotel in Vollbesetzung. Erstaunlich anders, weil so viel unsicherer als erwartet. Er schwitzt unter seinen heftig trainierten Armen, die Stimme bleibt ihm manchmal weg, und wenn Journalisten ihm aufmerksam zuhören, anstatt durcheinanderzureden, verunsichert ihn das so sehr, dass er es auch zeigt. Und auch vom Leben lässt sich der 21-Jährige, dessen Disney-Karriere vor drei Jahren mit dem Erfolg der TV-Show "High School Musical" begann, verunsichern. Im positiven Sinne. Er habe wirklich keine Ahnung, wo es hingehe, bekräftigt er. "Ich wusste in der Highschool noch nicht, dass ich das hier machen möchte. Mein Leben macht all diese Schlenker und Kurven. Ich habe wirklich keinen Plan." Glauben wir ihm das mal.

Von Freunden verspottet

In der Schule, die der Kalifornier 2006 abgeschlossen hat, gehörte er immer zu den Besten. Bei einer Note, die nicht "sehr gut" war, sei er schier ausgeflippt, erzählt er. Aber er sei definitiv keine Sportskanone gewesen, sondern habe Theater gemocht und an Schulaufführungen teilgenommen. "Meine Freunde haben mich unerbittlich dafür verspottet, dass ich lieber gesungen und getanzt habe, anstatt Football zu spielen." Erste TV-Erfahrungen sammelte Efron allerdings doch bereits mit 15 in kleinen Nebenrollen. Beim "High School Musical" war er dann immerhin schon 18. Dessen erste beide Folgen haben weltweit mittlerweile rund 455 Millionen Menschen gesehen. Teil drei kam wegen des großen Erfolges gleich ins Kino, vier ist in Arbeit. Das Merchandising von der CD bis zum Bleistiftanspitzer ist eine Maschine zum Gelddrucken. Doch guckt Efron sich auch nach anderen Rollen um, wobei er in seinem neuen Film "17 Again" (seit dem 14. Mai im Kino) zwar nicht singt und tanzt, aber bis zum Charakterschauspiel dann doch noch ein bisschen wachsen muss.

Lesen Sie in Teil zwei, warum Zac Efron laut Jugendpsychologie bessere Chancen, den Ruhm unbeschadet zu überstehen, als Miley Cyrus

"Hannah Montana"

"Hannah Montana" Seit 2006 schart das schizoprene Show-Konzept "Hannah Montana" Fans um sich. Die Disney-Serie erzählt von einem Mädchen mit zwei Identitäten. Miley Stewart ist ein brünettes, ganz normales Mädchen. Dann setzt sie sich eine blonde Perücke auf und ist der Popstar Hannah Montana. So ein Doppelleben ist anstrengend, aber auch unterhaltsam. So unterhaltsam, dass es Miley und Hannah nun auch im Kino zu sehen gibt. In "Hannah Montana - Der Film" landet der Popstar auf dem platten Land in Tennessee, um sich seiner Wurzeln zu besinnen. Eine Entscheidung darüber, worauf es im Leben ankommt, steht an.

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KOMMENTARE (2 von 2)
 
rynaldo (06.06.2009, 12:25 Uhr)
Kinder-Sex im Privatfernsehen
... nachdem jetzt aktiv gegen die Kinder-Sex Seiten im Internet vorgegangen wird, scheint das Privatfernsehen diese Klientel in einer Soft-Ausgabe zu bedienen. Anders kann ich mir diesen Schund nicht erklären.
Hirnfreund (06.06.2009, 11:21 Uhr)
Mir kommen die Tränen ...
die armen, reichen Teeniestars, geknechtet und unterdrückt. Dagegen ist der Hunger in der Dritten Welt ein Fliegenschiss.
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