Er wird gefeiert, egal, wo er auftaucht. Und er taucht jetzt überall auf. Seit seinem Sieg bei der RTL-Show "DSDS" hetzt Tobias Regner von Termin zu Termin. Stets pünktlich, immer freundlich und oft leicht überfordert. Von Alexander Kühn

Als kehrte der Messias auf die Erde zurück: Tobias Regner beim Empfang auf dem Marktplatz seines Heimatorts Teisendorf© Samuel Zuder
Es ist Palmsonntag, der Sonntag vor Ostern, an dem die Christen des Herrn Jesus gedenken und seines umjubelten Einzugs auf dem Esel in Jerusalem. Auf dem Marktplatz von Teisendorf, nahe Berchtesgaden, haben sich Tausende Menschen versammelt, junge wie alte; über Lautsprecher frohlockt ein Moderator: "Er kommt heute Abend zurück in seine Heimat, wo seine Wurzeln sind!"

Mit Widmung bitte! Und noch eins für die Freundin! Ginge es nach den Fans, schriebe Regner Autogramme bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag© Samuel Zuder
Um 19.32 Uhr erscheint vor dem Rathaus ein Bus, ein offener Doppeldecker, obendrauf steht er, Tobias Regner, den sie alle Tobi nennen, das Volk kreischt, er winkt und brüllt in ein Mikrofon: "Servus!" Jubel. "Dass ihr extra wegen mir hier herkommen seid!" Gesteigerter Jubel. "Da bin i in d' Schule gangen, da drüben! Es ist der Hammer!"
Das Rathaus ist mit Sparkassen-Luftballons geschmückt und mit einem Transparent "Teisendorf grüßt seinen Superstar Tobias". Der Bürgermeister, der sich ebenfalls auf den Doppeldecker geschwungen hat, spricht warme Worte an diesem "bedeutenden Tag", überreicht einen Gutschein zur Pflanzung eines Superstar-Baums, von wegen Wurzeln in der Heimat, und Tobias Regner sagt: "Mir fehlen die Worte." Nachdem er dem Bürgermeister mit einem Bier zugeprostet hat, ereilt ihn doch noch eine Eingebung, und er ruft vom Bus herab: "Zicke-zacke, zicke-zacke, hoi hoi hoi!"
Ein bisschen betrübt ist an diesem Palmsonntag allein Christian Wieninger, Chef der örtlichen Brauerei und Mitveranstalter des Tobi-Homecoming-Events. Wieninger hatte bereits seine weißblauen Firmenfahnen gehisst, da kam ein Anruf von Regners Management, der Agentur "19 Entertainment" in Hamburg: So gehe das nicht! RTL berichte bundesweit von der Veranstaltung - da könne doch der Herr Wieninger den Tobias nicht für seine Werbezwecke missbrauchen. Wieninger hängte seine Fahnen wieder ab.
Das ist das Erste, was man im Umgang mit Tobias Regner lernen muss: dass seit dem 18. März, als RTL den 23-Jährigen zu Deutschlands neuem Superstar ausrief, jeder seiner Schritte genau geplant ist. Wer mit ihm Werbung machen will, muss einen Vertrag abschließen. Ob er vor einem Auftritt in der Maske fotografiert werden kann, fragt man bitte nicht ihn, sondern seine Managerin. Auch Vater Regner wird zurückgepfiffen, wenn er einen Fotoreporter eingeladen hat, seinen Sohn zu Hause in Teisendorf abzulichten.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 22/2006