Ihre Gebäude prägen die Skylines der Welt. Aber wie leben hochdekorierte Architekten privat? Der stern hat vier von ihnen zu Hause besucht.

Der Architekt Hadi Teherani wohnt an der Hamburger Außenalster© Christian Klain
Die Häuser, die sie bauen, sind bekannt. Die Häuser, in denen sie wohnen, weniger. Auch Star-Architekten haben die Qual der Wahl, wenn es ums Eigenheim geht. Sie müssen sich mit Bauvorschriften herumplagen - und sich mit den Wünschen der Ehefrau und der Kinder arrangieren.
Gemütlich sitzt Hadi Teherani beim Frühstückscappuccino im Garten seines Hauses direkt an der Hamburger Außenalster. Keine 15 Meter entfernt schippert ein Ausflugsdampfer vorbei, von dem die Ansage des Kapitäns zu hören ist: "Hier, meine Damen und Herren, wohnt der berühmte Star-Architekt Hadi Teherani."
Der Hanseat in Hadi sagt: "Is' ja 'n bisschen peinlich jetzt" und rutscht verlegen noch tiefer in die dunkelblauen Polster des Teakholzsessels. Der Teheraner in Teherani gibt selbstbewusst zu verstehen: Wieso? Stimmt doch! Schließlich baut er, 1954 im Iran geboren, erfolgreich in allen Städten der Welt: Moskau, Dubai, Istanbul, Rom, München, Köln und Frankfurt. Vor allem aber hat Hadi Teherani die Hansestadt, in der er seit 48 Jahren lebt, um ein paar optische Attraktionen bereichern können, das "Dockland" etwa, ein Bürogebäude am Hafen in Form eines Kreuzfahrtschiffes. "Man muss sich nur den Ort, die Umgebung anschauen, dann kommen die Ideen von allein", sagt Hadi Teherani.
Auch bei seinem Domizil ergab sich der Entwurf aus der Lage: Weil Häuser direkt an der Außenalster besonders teuer sind (um 10.000 Euro pro Quadratmeter), will man für den Preis auch möglichst viel vom Wasser sehen. Für den Bau hieß das: viel Licht, viel Sicht, mehr Glas als Wände. Sieben Parteien leben in dem 1998 erbauten Apartmenthaus. Teherani nahm die Wohnung, die übrig blieb: 210 Quadratmeter im Parterre. "Für mehr reichte das Geld nicht", sagt der Architekt. Dafür hat er aus fast jeder Ecke einen freien Blick auf die Alster: aus der Küche genauso wie aus dem offenen Arbeitszimmer mit den geschwungenen Bücherregalen oder vom meterlangen, selbst entworfenen Esstisch mit 400 Jahre alten Holzbohlen aus kanarischer Kiefer. Am liebsten sitzt Hadi Teherani im Wohnzimmer auf einem der weißen Ledersofas und schaut durchs Panoramafenster in den Garten: "Obwohl man drinnen ist, hat man das Gefühl, mitten im Grünen zu sein."
Ein Traum, das Haus? "Ich würde es heute noch genauso bauen", sagt Teherani. "Na ja", erwidert Linda Strüngmann, seine Lebensgefährtin seit 25 Jahren und ebenfalls Architektin, "die Küche könnte größer sein. Und dauernd schleppt er Sachen an, mit denen ich dann die Arbeit habe." Etwa Koi-Fische. "Daran, dass man jeden Tag das Wasser reinigen muss, hat er leider nicht gedacht." Die Karpfen Mies van der Rohe und Le Corbusier ziehen trotzdem munter ihre Kreise im Gartenteich, nur Giorgio Armani wurde leider vom Reiher gefressen.
Als Coop Himmelb(l)au im Jahr 1968 gegründet wurde, war der Name Programm: Das österreichische Architekturbüro sollte die Antwort sein auf Wüstenrot, den Inbegriff des kleinbürgerlichen Wohntraums. Die Wiener Rock 'n' Roller des Bauwesens riefen damals zur Anarchie auf: "Architektur muss bluten, fetzen, brennen." Heute wohnt Mitbegründer Wolf D. Prix, 66, in der Vorgartenstraße. Klingt nach spießiger Eigenheimsiedlung, ist aber ein von ihm im Jahr 2000 fertiggestellter Gebäudekomplex in der Wiener Donau-City, dem neuen Hochhausviertel der Stadt. Von der Straße aus unscheinbar, nach hinten raus so verschachtelt, als hätte jemand riesige Bauklötze kreuz und quer übereinandergestapelt.
Ein Gewirr aus Linien und Formen - eine Spezialdisziplin von Coop Himmelb(l)au. Das bezeugen zum Beispiel die BMW-Welt in München und die 180 Meter hohen Türme der Europäischen Zentralbank in Frankfurt (noch im Bau). "Ein Architekt muss Visionär sein, sonst bleibt er Häuselbauer", sagt Wolf D. Prix. Er bewohnt die Penthousewohnung über drei Ebenen. Hohe loftartige Räume, Küche und Treppenaufgänge aus Stahl, auf dem Boden dunkles Akazienholz, Rundumverglasung. "Ich hasse Fensterbänke", sagt Prix. Seine Behausung sieht aus wie eine Junggesellenbude der Luxusklasse: unaufgeräumt, chaotisch. Kunst von Anselm Kiefer neben Plastiktüten von Billa. Etabliert ist Wolf D. Prix längst, die Altrocker-Attitüde hat er sich aber bewahrt: Er läuft barfuß, zum Frühstück raucht er eine Zigarre. "Die gleiche Marke wie Che Guevara." Auf dem Charles-Eames-Stuhl liegt eine Gitarre, im CD-Player Jimi Hendrix. "Aber ein Hippie war ich nie", sagt Prix. "Bei mir galt: Bleistifte und Frauen werden nicht verliehen."