Mutter muss neun Jahre hinter Gitter

21. März 2013, 13:49 Uhr

Fünf Neugeborene tötete die junge Mutter aus Husum. Warum, weiß sie selbst nicht genau. Das Flensburger Landgericht verurteilte die 29-Jährige zu einer langen Haftstrafe.

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Der Vorsitzende Richter (Mitte) verurteilte die angeklagte junge Frau wegen fünffachen Totschlags©

Weil sie fünf ihrer Babys direkt nach der Geburt getötet hat, muss eine junge Mutter aus Husum für neun Jahre ins Gefängnis. Das Landgericht Flensburg verurteilte die geständige Frau am Donnerstag wegen Totschlags in fünf Fällen. Die Staatsanwaltschaft hatte zehn Jahre Haft gefordert. Die Verteidigung hatte auf sieben Jahre plädiert.

Die heute 29-Jährige brachte die Kinder zwischen 2006 und 2012 zur Welt. Direkt nach der Geburt tötete sie die Babys. Drei Kinder erstickte sie, zwei erstach sie nach Überzeugung des Gerichts mit einer Schere. Die erste Leiche wurde in einer Papiersortieranlage gefunden, die zweite auf einem Parkplatz. Zu den anderen drei toten Säuglingen hatte die Mutter die Ermittler im September selbst geführt. Sie hatte sie in dem Keller des Mehrfamilienhauses versteckt, indem sie mit ihrem Mann und ihren zwei anderen Kindern lebte.

Die genauen Ursachen und Hintergründe der Taten blieben rätselhaft. Die Richter folgten der Einschätzung eines Gutachters, wonach die 29-Jährige, die verheiratet ist und zwei Kinder im schulpflichtigen Alter hat, die folgenden Schwangerschaften verdrängte und dann bei den Geburten dermaßen in Panik geriet, dass sie sich in einer psychischen Ausnahmesituation befand und nur eingeschränkt schuldfähig war. "Rationales Handeln war das jedenfalls nicht", sagte der Vorsitzende Richter.

"Mir tut es unendlich leid"

Der 29-Jährigen wurde zugutegehalten, dass sie voll geständig ist und wirkliche Reue gezeigt hat, wie der Vorsitzende Richter Michael Lembke betonte. Zudem sei sie nicht vorbestraft gewesen und das Maß der kriminellen Energie sei nicht sehr hoch gewesen.

Die junge Frau selbst konnte sich die unfassbaren Taten nicht erklären. Sie wisse nicht, warum sie das getan hat, sagte sie am letzten Prozesstag. "Mir tut es unendlich leid, dass die fünf Kinder keine Chance hatten, das Leben kennenzulernen."

mlr/DPA/AFP
 
 
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