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27. Januar 2009, 15:44 Uhr

Angeklagter bricht sein Schweigen

Der 20-Jährige, der beschuldigt wird, in einem belgischen Kinderhort drei Menschen erstochen zu haben, hat sich erstmals zu dem Verbrechen geäußert. Nach Angaben seines Anwalts bedauert er die Tat - allerdings legte er kein Geständnis ab. Und eine Erinnerung an den Tathergang hat er auch nicht.

Dendermonde, Amoklauf, Belgien, Kinderkrippe, Kinderhort, Bluttat

Dieser 20-Jährige soll in einer Kindertagesstätte drei Menschen erstochen haben. An den Tathergang hat er allerdings keine Erinnerung© Action Press

Der mutmaßliche Messerstecher in einer belgischen Kinderkrippe hat sein Schweigen gebrochen. Nach Angaben seines Anwalts äußerte der 20-Jährige Bedauern über die Tötung von zwei Babys und einer Betreuerin. Die Eltern versuchten dem Verteidiger zufolge schon vor zwei Jahren erfolglos, ihren Sohn in eine psychiatrische Anstalt einweisen zu lassen.

"Er versteht, dass das, was er getan hat, unmenschlich war", sagte Anwalt Jaak Haentjens laut der Nachrichtenagentur Belga. "Ich glaube, dass er Bedauern empfindet. Das hat er jedenfalls gesagt. Ich würde aber nicht so weit gehen zu sagen, dass er bereut." Der 20-Jährige hat nach Angaben seines Anwalts allerdings keine konkrete Erinnerung an den Tathergang. Haentjens zufolge ist dem jungen Mann selbst nicht klar, warum er die Babys tötete.

Wie sein Verteidiger weiter berichtete, versuchten die Eltern bereits vor rund zwei Jahren ohne Erfolg, ihren damals 18-jährigen Sohn in eine psychiatrische Anstalt einweisen zu lassen. "Er hörte damals Stimmen in seinem Kopf", sagte Haentjens laut Belga. Ein Psychiater habe die Einweisung aber als nicht notwendig erachtet. Sein Mandant habe als Jugendlicher unter einer schweren Depression gelitten und als Volljähriger ein "merkwürdiges Verhalten" an den Tag gelegt, sagte der Anwalt. Ein psychiatrisches Gutachten soll nun Aufschluss über die Schuldfähigkeit des Täters geben.

Gegenüber den Ermittlern hat der 20-Jährige laut seinem Pflichtverteidiger noch kein Geständnis abgelegt. Er wurde am Dienstag erstmals einem Haftrichter vorgeführt, der die Untersuchungshaft verlängerte. Dabei äußerte er sich nicht.

Der allein lebende 20-Jährige war am Freitag in eine Krippe in der flämischen Kleinstadt Dendermonde nordwestlich von Brüssel eingedrungen und hatte mit einem Messer wahllos auf die Kleinkinder eingestochen. Zwei Babys im Alter von sechs und neun Monaten sowie eine 54-jährige Betreuerin starben. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt ihn zudem des versuchten Mordes in zwölf weiteren Fällen, weil bei der Messerattacke zehn Kinder und zwei Erwachsene verletzt wurden.

Die belgische Staatsanwaltschaft legt dem jungen Mann auch den Mord an einer 73-jährigen Frau vor gut einer Woche zur Last. Diesen Vorwurf habe der Angeklagte allerdings zurückgewiesen, so sein Anwalt. Nach Angaben der Ermittler gibt es "sehr konkrete Hinweise zur Verbindung der beiden Taten". Laut der Zeitung "Het Laatste Nieuws" fanden die Behörden auf dem Computer des jungen Mannes Informationen über die alte Frau sowie über die Kinderkrippe.

AFP/AP
 
 
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