Kinder aus Müll-Wohnung gerettet

17. Juli 2008, 17:22 Uhr

Die Polizei in Bremen hat zwei kleine Mädchen aus einer völlig verdreckten Wohnung gerettet - ausgerechnet in dem Stadtteil, in dem 2006 der zweijährige Kevin zu Tode gequält worden war. Dabei waren die Beamten in dem neuen Fall nur durch einen Zufall auf die Mädchen aufmerksam geworden.

Aus dieser Kellerwohnung rettete die Polizei zwei Mädchen©

Zwei völlig verwahrloste Mädchen im Alter von acht und fünf Jahren sind nur durch einen Zufall von der Polizei in Bremen-Gröpelingen entdeckt worden. In Gröpelingen wurde auch der kleine Kevin 2006 zu Tode gequält. Als Polizeibeamte am Mittwoch in dem Stadtteil in anderer Sache ermittelten, stießen sie auf der Straße auf ein sehr dünnes Kind mit stark verschmutztem Gesicht und verfilzten Haaren.

Mutter war psychisch auffällig

In der Wohnung der Familie fanden sie die ebenfalls völlig verwahrloste fünfjährige Schwester. Die Kinder wurden sofort aus der Familie herausgenommen. Wie die Polizei erst am Donnerstag berichtete, auch die apathisch wirkende 43-jährige Mutter sei in einem "körperlich und psychisch auffälligen Zustand" gewesen. Die gesamte Wohnung habe einen völlig desolaten und unbewohnbaren Eindruck gemacht. "Sie roch stark nach Fäkalien und Feuchtigkeitsschimmel. In den Räumlichkeiten lagen Kot, Müll, verschimmelte Essensreste und stark verschmutztes Geschirr." Die Polizisten hatten die Mädchen bereits am Mittwoch gefunden.

In der Wohnung seien außerdem noch ein an der Heizung angeketteter Hund, zwei Katzen und ein Hase gehalten worden, auch sie seien in einem schlechten Zustand gewesen. Wegen der Tiere wurde das Veterinäramt eingeschaltet.

Mädchen sind in einem Kinderheim

Der 53 Jahre alte Lebensgefährte der Mutter sei während der behördlichen Untersuchungen erschienen und behauptete, 14 Tage nicht dort gewesen zu sein. "Er reagierte sehr aufgebracht über die Anwesenheit der Beamten und musste zunächst in Polizeigewahrsam genommen werden", hieß es weiter. Die Polizei informierte schließlich Mitarbeiter des Amtes für Soziale Dienste.

Das Amt habe entschieden, die Kinder sofort aus der Familie heraus zu nehmen. Sie werden jetzt in einem Kinderheim betreut. Die Mutter werde psychisch betreut und befinde sich im Krankenhaus. Die Ermittlungen der Polizei dauern an.

Nachbarinnen der Familie in der unscheinbaren Straße mitten in Gröpelingen berichteten, die Kinder seien sehr ungepflegt gewesen. "Wir haben auch das Jugendamt nicht verstanden, dass bisher nichts passiert ist", sagte eine Anwohnerin. Ihres Wissens nach hätten andere Nachbarn das Amt verständigt. Auch eine junge türkische Mutter aus einer Nachbarwohnung sagte, im vergangenen Jahr hätten Mitarbeiter eines Amtes die Familie besucht. "Die Kinder waren immer dreckig", sagte sie. Auf dem Spielplatz direkt gegenüber dem Haus habe man die Mädchen kaum gesehen.

In Bremen hatte zuletzt der Fall des zu Tode gequälten zweijährigen Kevin für Aufsehen gesorgt. Dessen bereits stark verweste Leiche war im Oktober 2006 im Kühlschrank des Ziehvaters gefunden worden, der mit dem Kind nach dem Tod der Mutter allein gelebt hatte. Im Juni 2008 wurde der Ziehvater zu zehn Jahren Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt. Die frühere Sozialsenatorin Karin Röpke übernahm für Kevins Tod die politische Verantwortung und trat zurück.

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KOMMENTARE (2 von 2)
 
NewWorld (18.07.2008, 11:48 Uhr)
Bevor..
...wieder alle auf dem Jugendamt rumhacken: Das Amt hatte bereits zweimal beim Jugendgericht den Antrag gestellt, die Kinder aus der Familie zu nehmen. Das Gericht hat das seinerzeit abgelehnt. Schade das der Stern hier nicht viel mehr gemacht hat, als die Pressemeldung der Bremer Polizei abzudrucken und ein paar Nachbarn zu befragen. Radio Bremen war da in den Nachrichten gestern schon viel weiter.
Preussin (18.07.2008, 05:55 Uhr)
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Da eines der Kinder schon das Schulalter erreicht hatte, ist doch anzunehmen , dass das Kind im Unterricht und im Sport von Pädagogen gesehen wurde. Wenn die an dem ZUstand des Kindes nicht zu dem Schluß gekommen sind, dass das Kind in Not sein könnte , dann sind es unfähige Pädagogen und gehören wegen unterlassener Hilfeleistung angeklagt.
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