9. Februar 2011, 09:13 Uhr

Baby Unmut-Talha soll Bruder das Leben retten

In Frankreich ist das erste "Designer-Baby" auf die Welt gekommen. Ärzte hoffen, dass er seinem älteren Bruder das Leben retten kann. Dieser leide an Beta-Thalassämie, einer genetisch bedingten tödlichen Bluterkrankung, teilten die behandelnden Ärzte mit.

Das Rettungsgeschwisterkind mit dem türkischen Namen für Hoffnung sei bereits am 26. Januar in der Klinik Antoine Béclère im Pariser Vorort Clamart geboren worden. Dem kleinen Umut-Talha geht es nach Angaben des Krankenhauses sehr gut.

Nach einer künstlichen Befruchtung hatten Mediziner zuvor mit Hilfe der Präimplantationsdiagnostik (PID) denjenigen Embryo ausgewählt, der den Gendefekt nicht aufweist und genetisch am besten zu seinem Bruder passt. Das Nabelschnurblut von Umut-Talha soll nun für dessen Stammzelltherapie dienen.

In Deutschland ist die Auswahl von Embryonen - auch für sogenannte Rettungsgeschwister - verboten. In den USA, Großbritannien, Belgien und Spanien wurden allerdings seit dem Jahr 2000 schon mehrere Designer-Babys geboren. In Frankreich ist das Verfahren seit 2006 erlaubt. Erst jetzt konnte allerdings der erste Erfolg gefeiert werden. Die Eltern von Umut-Talha stammen aus der Türkei.

Der Bundestag wird voraussichtlich im Sommer über den Umgang mit der PID in Deutschland entscheiden. Die Gegner von Gentests an Embryonen aus dem Reagenzglas hatten am Dienstag einen Gesetzentwurf vorgelegt, mit dem die PID strikt verboten werden soll. Damit gibt es nun drei Gesetzesvorschläge zur PID. Die endgültige Abstimmung darüber sei noch vor der Sommerpause Anfang Juli wahrscheinlich, sagte der CSU-Gesundheitsexperte Johannes Singhammer.

DPA
 
 
Jetzt bewerten
0 Bewertungen
MEHR ZUM ARTIKEL
Nach dem Nein des CDU-Parteitags PID-Befürworter suchen nach Verbündeten

Das Votum des CDU-Parteitags gegen die Präimplantationsdiagnostik (PID) war knapp. Wie der Bundestag über die Gentests bei Embryonen entscheiden wird, ist weiter offen. Es werden bereits fraktionsübergreifende Bündnisse geschmiedet. Auch die PID-Befürworter aus der Union suchen Verbündete.

Umstrittene Diagnostik BGH erlaubt Gentests an Embryonen

Zustimmung zur umstrittenen Präimplantationsdiagnostik: Der Bundesgerichtshof hat in einem Urteil Gentests an künstlich befruchteten Embryonen erlaubt. Der Richterspruch bedeutet Rechtssicherheit für Mediziner und betroffene Paare.

Abstimmung über Gentests an Embryonen PID - ein Streit um Leben und Tod

Heute entscheidet der Bundestag über ein Verbot oder eine Zulassung der umstrittenen PID. stern.de erklärt, um was es dabei geht und wie die Argumente der Gegner und Befürworter aussehen.

 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2013)
Hoffen oder handeln?