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4. Juli 2007, 10:01 Uhr

Charlotte M. und die Wut der Briten

Charlotte M. aus England beschuldigt den deutschen Schüler Marco W. sie sexuell missbraucht zu haben. Der 17-Jährige sitzt in einem türkischen Gefängnis und wartet auf seinen Prozess. Doch wo und wie lebt das 13-jährige Mädchen? Ein Ortstermin in Manchester von Oliver Link

Die Bild-Zeitung zeigte ein Foto von Charlotte M. auf dem Schulweg© stern.de

Sogar das Namensschild an der Türklingel ist entfernt worden. Die Familie des Mädchens Charlotte ist nicht mehr da, ist irgendwo untergetaucht, weg, nur weg. Das Haus ist unter Polizeischutz, steht verlassen und abweisend im Nieselregen. Im Inneren ist ein grimmig aussehender Mann mit einem Funkgerät in der Hand zu sehen, er öffnet die Tür, in seinem Blick: Wut. In seiner Stimme: Kälte. "Nein, niemand da", sagt er, "get lost", dann schmeißt er die Tür zu.

Viel Geld für Interviews geboten

Die Nachbarn öffnen nicht, in ihren Zimmern brennt Licht. Und die ältere Dame, die die Straße entlang gelaufen kommt, hebt sofort abwehrend ihre Hand, als man auf sie zugeht. "Leave me alone!" Auch englische Höflichkeit hat ihre Grenzen. Sie ist in den vergangenen Tagen sehr strapaziert worden.

Kamerateams haben das Mädchen auf dem Weg zur Schule abgefangen, haben das Haus belagert, immer wieder geklingelt. "Wir wissen nicht, wo die Familie jetzt ist", sagt ein Sprecher der Polizei von Manchester, "und wenn wir es wüssten, würden wir es nicht sagen." Seine Stimme ist um Zurückhaltung bemüht. "Wir kommentieren den Fall nicht, warum respektiert ihr Deutschen nicht, dass die Familie mit euch nichts zu tun haben will?" Er wartet die Antwort nicht ab. "Die Familie ist massiv belästigt worden und hat uns um Hilfe gebeten. Wenn ihr Deutschen irgendetwas wissen wollt, dann haltet euch an die türkischen Behörden. Die führen die Ermittlungen. Die Familie hat sich entschlossen, nichts zu dem Fall zu sagen." Seine Stimme klappt zu, er lässt eine lange Pause entstehen, die klar macht, dass das Gespräch beendet ist.

"Der Familie ist viel Geld für ein Interview geboten worden, doch es geht ihnen nicht um Geld, sie haben das abgelehnt, sie wollen nichts sagen", sagt eine Sprecherin des Reiseveranstalters Thomas Cook, mit dem Charlotte und ihre Mutter in die Türkei geflogen war. "Niemand weiß, wo sich die Familie zur Zeit aufhält. Sie will einfach nur in Ruhe gelassen werden."

Spießigkeit im Klinkerstil

Die Familie M. lebt am äußersten nördlichen Rand einer dieser traurigen seelenlosen Vorstädte im Norden Manchesters, durch die man kilometerlang hindurch fährt, ohne irgendetwas Schönes zu sehen. Es ist eine Gegend, die in Zeiten der industriellen Revolution durch die Verarbeitung von Baumwolle zu Wohlstand gekommen ist und bis heute sich vom Niedergang der Fabriken nicht recht erholt hat. Flache, geklinkerte Wohnhäuser liegen wie an einer Perlenkette gezogen links und rechts der leeren Straßen, das Leben findet in Manchester statt, und wer es sich leisten kann, lebt dort. Jugendliche hängen an Bushaltestellen herum, rauchen, trinken Bier aus Dosen, langweilen sich. Auch das Haus der M. steht in einer dieser Straßen, in denen kaum einmal ein Mensch zu sehen ist, hier lebt man um zu schlafen. Die Häuser hier im Viertel sind hübscher als die anderen, sie deuten bescheidenen Wohlstand an, Klinkerspießigkeit hinter Buxbäumchen, Garagen, Mittelklassewagen. Es sieht hier ziemlich heil aus.

Von dem Fall hat in England bislang niemand etwas mitbekommen, in der Presse taucht die Geschichte nicht auf. Die Engländer interessieren sich dieser Tage für andere Dinge. Der Terroralarm hält das Land in Atem, Gordon Brown ist als neuer Premierminister in Downing Street Number 1o eingezogen, eine Serie von Morden unter Jugendlichen erschüttert das Land.

"Irgenwann werden sich Charlotte und ihre Familie vielleicht äußern", sagt die Sprecherin von Thomas Cook. "Doch wann dies der Fall sein wird, das liegt allein bei ihnen. Hier in England respektieren wir das, vor allem bei Fällen wie diesen, in denen eine 13-Jährige sexuell missbraucht wurde. Ich nehme an, in Deutschland wäre das nicht anders."

Mehr zum Fall Marco W.

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Ein Ortstermin in Manchester von Oliver Link
 
 
KOMMENTARE (10 von 89)
 
sachsenwini (07.07.2007, 11:35 Uhr)
RE: Entlastungszeugin Loraine
Wenn Charlotte mit Duldung der Mutter gewohnheitsgemäß Alkohol konsumierte und die Mutter damit ebenfalls den Eindruck verstärkte, dass sie eben älter als 16 Jahre sei, spricht das sehr wohl für Marco.
Zu seinem Nachteil wäre es, wenn sie zur Tatzeit betrunken und damit hilflos gewesen wäre. Aber das bestreitet die englische Presse, welche sehr objektiv über diesen Fall berichtet.
Hier ein Auszug:
To this day, no one has suggested that Marco Weiss behaved violently, put pressure on the girl, or even harassed her. While the mother claimed during a witness hearing that her daughter was "sleeping" during the alleged sexual abuse, this account seems difficult to sustain against the facts. It's been determined that alcohol or other drugs were not involved, so it's highly implausible that the 13-year-old could have slept through anything. In the event of an assault she could have asked her acquaintance -- who was sleeping on the other side of the double bed -- or her sister, on the balcony, for help.
napia (07.07.2007, 09:16 Uhr)
Entlastungszeugin Loraine
Marco scheint ein Pechvogel zu sein. Die Entlastungszeugin Loraine, die angeblich gesehen hat wie Charlotte am Tattag betrunken war und ein grünes Bändchen trug und wie mindestens 16 auf sie wirkte, belastet damit zwar die Eltern von Charlotte. Aber wenn Marco sexuelle Handlungen an einer Betrunkenen vorgenommen hat, dann rettet ihn auch nicht, dass er das Mädchen für 15 gehalten hat. Leider wurde er von der Hürriyet im Knast "überfallen" und hat sich gegenüber Charlotte und der britischen Familie wenig gentlemanlike geäußert. Das die darüber "not amused" sind, ist ja wohl klar. Warum verklagt Marco eigentlöich nicht den Reiseveranstalter und das Hotelmanagement, die den Jugendschutz wohl nicht so ernst nehmen? In diesem Fall gibt es nur Verlierer. Aber das hat man halt davon, wenn man eine Pauschalreise mit "all inclusive" bucht. Schließt auch Knast ein. ;)
WolfgangWiebke (06.07.2007, 17:28 Uhr)
Und die Rolle von Charlotte M
Die interessiert wohl niemanden(Alter und Armbändchen,was hat sie nachts in der Disco zu suchen und warum geht sie freiwillig mit aufs Zimmer?),lieber vorveruteilt man Marco,der daraufhin seit 3 Monaten in U-Haft schmort.Und daß sich Cahrlottes Familie in Schweigen hört,spricht auch Bände!Nein,so nicht!
bjoernana (06.07.2007, 13:31 Uhr)
zum Totlachen
So langsam habe ich das Gefühl, Sachsenheinis Lebensinhalt stellt dieses Forum dar. Was hat er eigentlich vorher gemacht? Oder ist er der PR-Berater der Familie Weiss?
Ich muss mich meinen Vorpostern anschließen, langsam macht's keinen Spaß mehr. Meine Posts sind auch nicht immer kurz- aber sie stellen auch nicht die Mehrheit aller Einträge dar.
Im Übrigen stehen Sachsenheini und seine Gesinnungsgenossen mit ihrer undifferenzierten Polemik längst fast allein auf weiter Flur: Inzwischen ist nicht mehr vom "türk. Justizskandal" die Rede, vom "armen Marco, der Opfer der Intrige einer niederträchtigen frühreifen Engländerin geworden ist", inzwischen heisst es in den deutschen Medien schlicht: "In der Türkei ist ein 17-jähriger Deutscher angeklagt, eine 13-jährige Engländerin sexuell missbraucht zu haben". Und Expertenmeinungen häufen sich, nach denen die deutsche Justiz ähnlich vorgegangen wäre, einzig die Haftbedingungen andere gewesen wären.
Schade, Sachsenheini...
sachsenwini (06.07.2007, 09:33 Uhr)
@ Vincent_Vega der ganze Fall wird mir immer unheimlicher.

Aus welchem Ärmel der Anwalt plötzlich belastendes Material zaubert ist mir ebenso unerklärlich, wie die Entlastungszeugen der Verteidigung.
Ohne dass die Beiden bei dieser Geschichte unbekleidet waren, lassen sich die körpereigenen Spuren des Angeklagten wohl nicht erklären.
Marco hat behauptet, das Mädchen hätte sich und ihn ausgezogen, was mir sehr unglaubhaft erscheint. Auch dass sich ein Mädchen nach zwei Tagen Bekanntschaft selbst entkleidet ist mir noch nie passiert.
Aber irgendwie muss es ja passiert sein, und nach einem viertel Jahr sollte das doch endlich geklärt sein, wer hier wen, nicht?
sachsenwini (06.07.2007, 09:22 Uhr)
„quod erat demonstrandum“.
Da sind sie wieder !
Vincent_Vega (06.07.2007, 09:21 Uhr)
@sachsenwini
"Aber Vincent_Vega, ein Orgasmus ist doch noch lange keine Vergewaltigung."
Sorry, komm erst jetzt dazu mal zu antworten.
Du schriebst, dass es kein Verbrechen ist, einen Orgasmus zu haben.
Habe ich auch nicht behauptet; Marco W. hatte allerdings AN einer 13jährigen einen Orgasmus, d.h. er hatte seinen kleinen Freund wohl ausgepackt und an einer 13jährigen wie auch immer kommen lassen.
Und hier bekommt er Probleme mit dem Alter und die bekäme er auch bei einer Deutschen in Deutschland.
____________
Wieso melden sich Belastungszeugen eigentlich erst jetzt? Haben die gepennt oder der Anwalt von Marco?
Oder haben die Journalisten hier absichtlich was unterschlagen um den Ball hoch zu halten?
muhtesem1 (06.07.2007, 00:08 Uhr)
@Moviechen,die leben sicher vom Harz4.Das habe ich und andere auch schon gedacht.
So langsam müllen die hier alles zu.Nur einseitige Spekulationen.Die sollten sich im Focus bewegen,da ist ein haufen braune Soße und da gehören die auch hin.
Mowiechen (05.07.2007, 23:32 Uhr)
Na bravo!
Und da sind sie wieder, mehr oder weniger alleine im Forum und haben alle anderen in Grund und Boden gepostet: Sachsenheini und magic-irgendwas! Unglaublich wie Ihr das macht, vielleicht solltet Ihr mal privat zusammenkommen, dann würden solche Foren noch Spass machen und nicht totgepostet werden...manchmal hat man den Eindruck, Ihr macht nix anderes, habt Ihr eigentlich keinen Job?
jedifreund82 (05.07.2007, 23:29 Uhr)
Kaum ertönt der Ruf nach Trollen ...
... kommen sie aus ihren Löchern gekrochen. Ist doch jedesmal das gleiche ;)
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