Pferdefleisch-Skandal erreicht Schweden

10. Februar 2013, 18:47 Uhr

Tausende aßen ahnungslos Pferdefleisch: Die Affäre um falsch deklarierte Lasagne betrifft nicht mehr nur Großbritannien. Auch Schweden ermittelt, und in Deutschland werden die Kontrollen verschärft.

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Was mit "Beef" (Rindfleisch) ausgezeichnet war, entpuppte sich als reines Pferdefleisch©

Der Skandal um als Rind deklariertes Pferdefleisch in Großbritannien könnte größere Ausmaße haben als bisher angenommen. Betroffen ist inzwischen auch Schweden. Die schwedische Lebensmittelaufsicht ermittelt wegen der Nutzung von Pferdefleisch in Fertiglasagne gegen den Tiefkühlkonzern Findus.

Die Behörde teilte am Sonntag mit, man wolle vor weiteren Schritten wie einer möglichen Einschaltung der Polizei den Umfang dieses Betrugs mit Lebensmitteln klären. Eine Sprecherin der Lebensmittelaufsicht sagte: "Rindfleisch durch billiges Pferdefleisch zu ersetzen, ist ein Verbrechen."

Findus hatte Mitte der Woche selbst die Behörden in dem skandinavischen Land darauf aufmerksam gemacht, dass in einem eigenen Lasagneprodukt Pferdefleisch statt des eigentlich deklarierten Rindfleisches entdeckt worden sei. Das Unternehmen rief nach Medienangaben in Schweden inzwischen etwa 20.000 Packungen aus Supermärkten zurück.

Aldi in Großbritannien betroffen

In Großbritannien geht man inzwischen davon aus, dass der Skandal größere Ausmaße haben könnte als bisher angenommen. Der britische Umweltminister Owen Paterson schließt eine internationale kriminelle Verschwörung nicht aus und stellt sich auf "weitere schlechte Nachrichten" ein.

Auch in Deutschland hat der Skandal Folgen: Das Düsseldorfer Verbraucherschutzministerium verschärfte die Produktkontrollen. Rumänien leitete eine Untersuchung von Schlachthöfen ein, wo das Pferdefleisch hergekommen sein soll. Rumäniens Staatspräsident Traian Basescu äußerte sich besorgt.

Der Discounter Aldi gab laut britischen Medienberichten an, dass zwei Fertigprodukte eines französischen Herstellers in Großbritannien zu 30 bis 100 Prozent aus Pferdefleisch bestanden hätten.

Die britische Aufsichtsbehörde FSA vermutet hinter dem Skandal kriminelle Machenschaften. Die britische Polizei nahm bislang aber keine Ermittlungen auf. Hersteller wurden verpflichtet, ihre Rindfleisch-Produkte zu testen.

Großbritanniens Umweltminister Paterson sagte am Sonntag: "Ein Produkt als Rindfleisch zu verkaufen, was sehr viel Pferdefleisch enthält, ist Betrug." Möglicherweise handle es sich aber auch nur um einen Fall von eklatanter Inkompetenz. Ein gesundheitliches Risiko sei indes bisher nicht festgestellt worden.

Krisentreffen in Frankreich

Das fälschlich als Rind deklarierte Fleisch war den Behörden in Lasagne-Packungen des Herstellers Findus aufgefallen. Erste Spuren führen zu einem französischen Produzenten, der Fleisch unter anderem aus Rumänien bezieht. Erst Ende kommender Woche erwartet die FSA darüber Klarheit, in welchem Umfang Pferdefleisch in Fertigkost gelangt ist.

In Bukarest äußerte sich Staatschef Basescu besorgt um das Image seines Landes. Das EU-Land Rumänien werde "für viele Jahre an Glaubwürdigkeit verlieren", sollte sich herausstellen, dass rumänische Lieferanten falsche Angaben über das Fleisch gemacht hätten, sagte Basescu. Landwirtschaftsminister Daniel Constantin hatte am Samstag eine Untersuchung zweier verdächtiger Schlachthöfe angeordnet. Einer dieser Betriebe sei vermutlich nicht der Etikettenschwindler, weil er ausschließlich Pferdefleisch in EU-Länder liefere - und dies offen und offiziell, erklärte das Ministerium am Sonntag. Mit einem abschließenden Untersuchungsbefund sei an diesem Montag zu rechnen. Inzwischen schieben sich die in den Skandal verwickelten Unternehmen gegenseitig die Schuld zu. Während der Lebensmittelkonzern Findus eine Betrugsklage gegen Unbekannt ankündigte, schob der französische Fleischverarbeiter die Schuld den rumänischen Lieferanten zu. Die Klage werde am Montag eingereicht, sagte Findus-France-Chef Matthieu Lambeaux. In Schweden kündigte der Ableger Findus Nordic Klage wegen Betrugs gegen das französische Tiefkühlkostunternehmen Comigel und dessen Lieferanten an. Comigel wiederum gab an, getäuscht worden zu sein und deshalb Entschädigung zu fordern. Die französische Regierung berief für Montagabend ein Krisentreffen ein.

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