Britische Regierung wähnt Pferdefleisch-Mafia

10. Februar 2013, 17:49 Uhr

Statt Rind- war Pferdefleisch in der Lasagne. Jetzt will der französische Lebensmittelkonzern Findus gegen Unbekannt klagen. Die Briten vermuten gar eine Verschwörung.

Pferdefleisch, Tiefkühl, Findus, Konzern, Klage, Betrug, Lasagne, Spanghero, Rindfleisch

Was mit "Beef" (Rindfleisch) ausgezeichnet war, entpuppte sich als reines Pferdefleisch©

Der europaweite Lebensmittelskandal um als Rindfleisch deklariertes Pferdefleisch in Tiefkühlkost ist am Wochenende in Klagen, Verdächtigungen und gegenseitigen Schuldzuweisungen eskaliert. Während der Lebensmittelkonzern Findus eine Betrugsklage gegen Unbekannt ankündigte, schob der französische Fleischverarbeiter die Schuld seinen rumänischen Lieferanten zu. Die britische Regierung vermutet kriminelle Machenschaften hinter dem Skandal. Auch in Deutschland hat der Skandal Folgen: Das Düsseldorfer Verbraucherschutzministerium verschärfte als Reaktion auf den Eklat die Produktkontrollen.

Die Klage werde am Montag eingereicht, erklärte der Chef von Findus France, Matthieu Lambeaux, am Samstag. "Wir sind getäuscht worden." Der britischen Behörde für Lebensmittelsicherheit FSA zufolge wiesen Lasagne-Packungen des Tiefkühlkost-Konzerns Findus einen Pferdefleisch-Anteil von bis zu 100 Prozent auf, obwohl auf dem Etikett Rindfleisch angegeben war. Das gleiche galt für zwei von der Aldi-Kette in Großbritannien vertriebene Fertiggerichte. Begonnen hatte der Fall Mitte Januar mit dem Fund von Pferdefleisch-Spuren bei irischen Herstellern.

Alle beanstandeten Gerichte waren vom französischen Tiefkühllieferanten Comigel hergestellt worden, der das verwendete Fleisch vom Unternehmen Spanghero mit Sitz in Südwestfrankreich erhielt. Spanghero seinerseits erklärte, das Pferdefleisch sei ihm aus Rumänien untergeschoben worden und kündigte eine Klage gegen den rumänischen Lieferanten an.

Ermittlungen gegen rumänische Schlachtbetriebe

"Wir haben Rindfleisch mit der Herkunftsbezeichnung Europa gekauft und wieder verkauft," sagte Spanghero-Chef Barthélémy Aguerre. Frankreichs Verbraucherminister Benoît Hamon erläuterte, das rumänische Fleisch sei über Zwischenhändler in Zypern und den Niederlanden nach Frankreich gelangt.

Rumäniens Landwirtschaftminister Daniel Constantin leitete am Wochenende Vorermittlungen gegen zwei Schlachtbetriebe ein, die von den französischen Behörden benannt worden seien. Sollte sich ein Betrugsverdacht erhärten, würden die Schuldigen bestraft. Derzeit sei aber noch nichts erwiesen, betonte Constantin.

Der Präsident des rumänischen Verbands der Lebensmittelindustrie (FSIA), Dragos Frumosu, äußerte am Sonntag starke Zweifel an den Beschuldigungen aus Frankreich. Da es sich um eine bedeutende Liefermenge handelte, müsse der französische Importeur "entweder mit dem rumänischen Produzenten unter einer Decke stecken oder er hat das Fleisch selbst umetikettiert".

Konsum von Pferdefleisch: Tabu in Großbritannien

Auch Sorin Minea, Vorsitzender des Verband der rumänischen Lebensmittelhändler (Romalimenta), bekundete sein Unverständnis. "Ich bin mir sicher, dass der Importeur wusste, dass es sich nicht um Rindfleisch handelt", sagte Minea. "Pferdefleisch hat einen besonderen Geschmack, eine besondere Farbe und eine besondere Beschaffenheit."

Nach dem Fund in tiefgefrorener Lasagne in Großbritannien hatte Findus auch in Frankreich und Schweden Fertiggerichte aus dem Handel genommen. Die britische Lebensmittelaufsicht ordnete Tests aller Fertigmahlzeiten an, die laut Verpackung Rindfleisch enthalten.

Der Konsum von Pferdefleisch ist auf den britischen Inseln ein Tabu. Großbritanniens Umweltminister Owen Paterson erklärte, er schließe nicht aus, dass es sich "um einen grenzüberschreitenden kriminellen Komplott in betrügerischer Absicht" handele und nicht um die Folge grober Fahrlässigkeit. Die konservative Unterhausabgeordnete Anne McIntosh, Vorsitzende des britischen Parlamentsausschusses für Lebensmittelsicherheit, forderte, den Fleischimport aus der gesamten EU sofort einzustellen, bis der Etikettenschwindel aufgeklärt sei.

Zum Thema
Panorama
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von maily: Beschäftigung von Rentner

 

  von dorfdepp: Wird es in 20 Jahren noch LKW-Fahrer, Lokführer und Piloten geben?

 

  von bh_roth: Win 8.1 Energiesparen

 

  von Gast: WARUM FÜHREN MANCHE KAPSELN ZUR VERSTOPFUNG?

 

  von Gast 98746: Chiptuning Mercedes Benz E 200 T CDI Erstzulassung 06/13

 

  von BitteFreundlich: Welcher Körperteil ist am häufigsten von Osteochondrose betroffen?

 

  von Gast 98742: Altmietvertrag aus der ehemaligen DDR

 

  von Gast: Das iPhone meiner Freundin hat ne seltsame Macke. schwarzer Bildschirm. anrufe kommen rein, man...

 

  von Amos: Muß die Frage nochmal stellen: Überweisung per Online-Banking auf ein Unterkonto bei derselben...

 

  von Gast: Stern-Sudoku-Gewinnspiel

 

  von Gast: Kann man Handelsübliches Jodsalz in ein Fußsprudelbad geben wenn die Haut verletzt ist?

 

  von Gast: zerbrochene Fensterscheibe

 

  von Amos: Wenn zum Bau eines Hauses Wasser aus einem städtischen Hydranten entnommen wird: wie wird das...

 

  von Der_Denis: Kunststoff - warum so schlechtes Image

 

  von Gast 98682: Wenn ich ein Konto in der Schweiz eröffne, wie hoch ist die Mindesteinlage?

 

  von Gast 98680: Welche Programme gibt es für Zuschüsse an gemeinnützige vereine

 

  von Gast 98676: Führerschein vergleischen

 

  von Amos: Mineralwasser aus dem Schwarzwald nennt sich Black Forrest: ist das ein Gag, ein MIßgriff oder...

 

  von Gast 98669: können adoptierte ausländische erwachsene in Bayern studieren?

 

  von Gast 98667: Reisepass abgelaufen