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"Liebe deine Familie. Aber nie deinen Job." Agenturchef erklärt Work-Life-Balance

Es liest sich wie die zehn Gebote - die Tipps des Fischer Appelt Vorstands Behrendt für eine lockereres Berufsleben. Besonders mit seinem Ruf nach mehr Liebe scheint er den Nerv der Zeit getroffen zu haben und wird zum Internet-Hit.

Von Elena Ochoa Lamiño

Behrendt wird mit seinen Ratschlägen zu einer Art Guru

Für PR-Manager Frank Behrendt ist Gelassenheit im Job eine Haltungsfrage: "Ich bin einfach so."

Stress gehört inzwischen zu unserem Alltag dazu, wie der Senf zum Würstchen. Wir hetzen von einem Meeting zum nächsten, sitzen im Flieger oder in Zügen auf Geschäftsreisen, frühstücken alleine in Hotels, vernachlässigen Freunde und sehen die eigene Familie viel zu selten. Gerade Top-Manager stehen gerne kurz vor einem Magengeschwür. Der Vorstand der PR-Agentur Fischer Appelt Frank Behrendt hingegen ist da eher tiefenentspannt. Die Gründer des Medien-Magazins "Clap", Daniel Häuser und Peter Böhling, waren neugierig und wollten sein Geheimrezept erfahren. "Häuser hat mich angerufen und gefragt: 'Wieso bist du so gut drauf? Was für Drogen nimmst du eigentlich?'" erzählt Behrendt in einem lockeren Plauderton: "Wir haben dann ein wenig rumgeblödelt und er meinte: 'Schreib das doch mal auf'." 

Während der 52-Jährige dann beim Friseur saß, nahm er sich einen Stift und einen Zettel und schrieb auf, was ihn entspannt. "10 ernsthafte Ratschläge, wie man lockerer durchs (Berufs-)Leben kommt!", schrieb Behrendt über die Liste"Es war eigentlich eine kleine Insidernummer", erzählt Behrendt. Er wolle keine ideologischen Ratschläge geben, sondern das sei schlicht sein persönlicher Weg. Doch nicht mal einen halben Tag alt war die neue Clap-Ausgabe, da machten die Tipps im Netz schon die große Runde. Deshalb und weil jeder etwas mehr Gelassenheit vertragen kann, gibt es hier nun Behrendts Liste:

  1. Mach dir jeden Morgen noch mal klar, dass wir im Job nur Monopoly für Erwachsene spielen. Egal, was wir hier machen oder nicht machen - die Welt dreht sich weiter. Deshalb sollten wir uns bei aller Ernsthaftigkeit selbst nicht zu wichtig nehmen.
  2. Schaff dir Atempausen während des Arbeitstags. Audiobook im Auto hören statt rumzutelefonieren, im Flieger Bestseller auf dem Kindle lesen statt die letzte Sales-Statistik.
  3. Nichts begeistert mich mehr als meine Familie. Deshalb lieber den letzten Flieger oder den Nachtzug zurück nach Hause nehmen, anstatt im Hotel zu übernachten. Das Frühstück mit denen, die wirklich wichtig sind, ist unbezahlbar und der beste Start in den neuen Tag.
  4. Abendessen mit Geschäftspartnern minimieren. Es gibt abends nix zu besprechen, was man nicht auch beim Lunch erledigen kann. Statt Business-Dinner lieber ins Kino mit der Gattin, Kicker mit den Kids vorm Einschlafen spielen oder entspannt Fußball auf Sky schauen.
  5. Hol dir den Happiness-Kick von früher zurück. Fast jeder hat in der Kindheit glückliche Momente erlebt. Wenn Mama die Lieblingsspielzeuge inzwischen verschenkt hat - hol sie dir auf Ebay. Das Matchboxauto von damals auf dem Schreibtisch lässt einen jede noch so langweilige Telefonkonferenz spielerisch überstehen.
  6. Ruf an den eher spaßbefreiten Tagen einfach mal spontan ehemalige Lieblingskollegen an, die heute woanders sind. Das amüsante Telefonat über die besten Anekdoten von früher macht auch einen grauen Tag direkt heller.
  7. Geh mal mit Leuten zum Mittagessen, die auf den ersten Blick keine Business-Relevanz haben. Der gechillte Talk mit dem Schülerpraktikanten über seine Lieblinge auf YouTube bringt oft mehr als der traditionelle Larifari-Lunch mit dem Key-Account-Manager eines Dienstleisters, der dich wieder mal zum Essen einladen möchte, um sich auszutauschen.
  8. Lösch die Abwesenheitsnotiz auf deinem Mail-Account. Ich finde es stressiger, vor dem Urlaub Übergaben zu machen und nach Rückkehr wieder alles aufzuarbeiten. Unter der Palme im Urlaub zweimal täglich Mails zu checken und die wichtigen weiterzuleiten oder kurz zu beantworten, ist kein Ding, wenn man das Phone dann wieder in den Safe legt und an den Strand geht. Ab- und Umschalten kann man trainieren - und zwar im Kopf, nicht am Gerät.
  9. Mein Kürzel lautet fb und nicht cc. Befrei dich vom Informationswahn. Vertrau den Mitarbeitern und lasse dich von ihnen lieber regelmäßig persönlich updaten. Das ist effizienter und gibt im Face-to-Face auch Raum für die wichtigste interne Währung: ein Lob.
  10. Liebe deine Familie, deine Freunde, dich selbst und das Leben. Aber nie deinen Job.“

Ein Bild von Mausi für den Schreibtisch

"Das ist wahrscheinlich die richtige Zeit, um Arbeitsmodelle neu zu diskutieren", so der PR-Manager. Dabei ist die Gelassenheit für ihn eher eine Frage der Grundhaltung. "Ich bin eben genau so. Das sagt meine Frau auch", sagt er. Er könne im Kopf gleich umschalten. Er wisse auch, dass seine Ratschläge nicht für jeden eins zu eins funktionieren würden: "Wer keine Matchboxautos mag, muss sich auch keines auf den Schreibtisch stellen." Er könne auch ein Bild "von Mausi oder von Pamela Anderson nehmen". Das was aber vor allem zählen würde, sei sich selber nicht so wichtig zu nehmen. "Ich bin ein Mitarbeiter, weil ich mit meinen Kollegen mit arbeite", erklärt er: "Meine Bürotür ist immer offen." Es brauche kein Vorzimmer und einen Chauffeur, um seine Bedeutung zu unterstreichen.

Dennoch scheint er mit seinen Tipps einen Nerv getroffen zu haben, denn inzwischen haben ihn mehr als 700 Mails erreicht und sein Mittagessen muss er bis 2016 auch nie alleine essen. Er sei ausgebucht. Die Menschen wollen von ihrem Meister der Lockerheit lernen. 





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