HOME

Tanzverbot an Karfreitag: Was in welchem Bundesland (nicht) erlaubt ist

Die Tage um Ostern gelten als sogenannte "stille Feiertage", die strengen Gesetzen unterliegen. Doch nicht in jedem Bundesland wird das Tanzverbot an Karfreitag gleich strikt umgesetzt. Wo es Partywillige besonders hart trifft, erfahren Sie hier.

Ein Mann demonstriert gegen das Tanzverbot an Karfreitag

"Wir tanzen, wann wir wollen": Ein Mann demonstriert gegen das Tanzverbot an Karfreitag

Die einen freuen sich einfach auf ein paar freie Tage. Andere darauf, endlich wieder Familie und Freunde zu sehen: Ostern steht vor der Tür und damit für alle Christen die jährliche Gedenkfeier der Auferstehung Jesu Christi. Der gilt als Auftakt der österlichen Dreitagefeier, dem höchsten Fest des Kirchenjahres. Schon seit dem frühen Christentum wird der Freitag vor Ostern als stiller Tag der Buße, des Fastens und des Gebets begangen. Für Feierwillige hat dies Konsequenzen: Je nach Bundesland gilt an Karfreitag nämlich nicht nur ein striktes Tanzverbot, auch weitere Einschränkungen können die Partylaune trüben. Der stern verrät, wo hierzulande was verboten ist.

Was das Tanzverbot je nach Bundesland beinhaltet

Generell gilt in Deutschland ein bundesweites Tanzverbot, das jedoch von den einzelnen Ländern unterschiedlich gehandhabt wird. Es betrifft in der Regel nicht nur Tanz-, sondern auch andere öffentliche Verantstaltungen wie zum Beispiel Sportevents. Laut Gesetz verboten werden dürfen demnach sämtliche Veranstaltungen, die über den "Schank- und Speisebetrieb hinausgehen". Parallel gibt es einige Sonderregelungen, die teilweise schon ab Gründonnerstag und ebenso nach Karfreitag noch gelten. Ein Überblick nach Bundesländern:

Baden-Württemberg:

  • Tanzverbot ab Gründonnerstag, 18 Uhr, bis Karsamstag, 20 Uhr

Bayern:

  • Tanzverbot ab Gründonnerstag, 2 Uhr, bis Karsamstag, 24 Uhr
  • Über das allgemeine Tanzverbot hinaus gilt in Bayern ein generelles Verbot musikalischer Darbietungen jeglicher Art in Räumen mit Schankbetrieb.
  • Den besonders strikten Schutz des Karfreitags erklärte das Bundesverfassungsgericht Ende 2016 für verfassungswidrig. Seitdem dürfen Veranstaltungen nicht von vornherein verboten werden.

Berlin:

  • Tanzverbot nur an Karfreitag von 4 Uhr bis 21 Uhr, sonst an allen Ostertagen keinerlei Beschränkungen. So findet an Karfreitag sogar ein großes Tanzturnier statt.
  • Da Berlin das Feiertagsgesetz ziemlich moderat umsetzt, wird in vielen Clubs, Diskotheken trotz des Verbots weiter gefeiert. Viele Feierwillige zieht es über Ostern daher häufig in die Haupstadt.
  • Öffentliche Sportveranstaltungen sind nur dann verboten, wenn sie mit einem Unterhaltungsmusik oder - programmen verbunden sind.

Brandenburg:

  • Tanzverbot ab Karfreitag, 0 Uhr, bis Karsamstag, 4 Uhr

Bremen:

  • Tanzverbot nur an Karfreitag von 6 Uhr bis 21 Uhr, sonst an allen Ostertagen keinerlei Beschränkungen.

Hamburg:

  • Tanzverbot an Karfreitag, 2 Uhr, bis Karsamstag, 2 Uhr
  • Neben öffentlichen Veranstaltungen (Gaststätte und Disco) sind auch Sportevents sowie mit Musik verbundene Auf- oder Umzüge verboten. Geschäfte müssen geschlossen bleiben.
  • Einzig auf der Reeperbahn wird das Gesetz nicht so streng beachtet.

Hessen:

  • Tanzverbot ab Gründonnerstag, 4 Uhr, bis Karsamstag, 24 Uhr sowie am Ostersonntag und Ostermontag (jeweils 4-12 Uhr).
  • Discos dürfen zwar öffnen, aber keine Musik spielen. Ebenso verboten sind Veranstaltungen unter freiem Himmel.

Mecklenburg-Vorpommern:

  • Tanzverbot ab Karfreitag, 0 Uhr, bis Karsamstag, 18 Uhr

Niedersachsen:

  • Tanzverbot ab Gründonnerstag, 5 Uhr, bis Karsamstag, 24 Uhr

Nordrhein-Westfalen:

  • Tanzverbot ab Gründonnerstag, 18 Uhr, bis Karsamstag, 6 Uhr
  • In dieser Zeit sind keinerlei öffentliche Veranstaltungen erlaubt. Als einziges Bundesland verbietet NRW zudem "alle nicht öffentlichen Veranstaltungen außerhalb von Wohnungen" - also bspw. auch Privatpartys im Park.
  • An Karfreitag darf in NRW nicht umgezogen werden.

Rheinland-Pfalz:

  • Tanzverbot ab Gründonnerstag, 4 Uhr, bis Ostersonntag, 16 Uhr

Saarland:

  • Tanzverbot ab Gründonnerstag, 4 Uhr, bis Karsamstag, 24 Uhr

Sachsen:

  • Tanzverbot nur am Karfreitag (0-24 Uhr)

Sachsen-Anhalt:

  • Tanzverbot nur am Karfreitag (0-24 Uhr)

Schleswig-Holstein:

  • Tanzverbot ab Karfreitag, 2 Uhr, bis Karsamstag, 2 Uhr

Thüringen:

  • Tanzverbot nur am Karfreitag (0-24 Uhr)


Lockert Religionsvielfalt das Tanzverbot in Zukunft?

Experten glauben indes, dass die mehr oder weniger strikten Tanzverbote an Karfreitag im Zuge der wachsenden Religionsfreiheit in Deutschland zunehmend durch Ausnahmeregelungen aufgeweicht werden. "Je mehr die religiöse Vielfalt in der Gesellschaft wächst, umso stärker wird das Bedürfnis nach Ausnahmegenehmigungen - genauso steigt die Bereitschaft, sie zu erteilen", sagte Jurist Fabian Wittreck vom Exzellenzcluster "Religion und Politik" der Universität Münster. 

"Menschen, die sich an diesen Tagen laut vergnügen wollen", würden in ihrer Freiheit eingeschränkt. Die wachsende Zahl der Religionen erhöhe dabei den Druck auf das bisherige Arrangement, wonach an sogenannten stillen Feiertagen wie dem Karfreitag, Totensonntag und Volkstrauertag, Unterhaltungsveranstaltungen, Tanz und Volksfeste verboten sind. 

Der Rechtswissenschaftler Wittreck glaubt, dass stille Feiertage künftig auf bestimmte Bereiche wie Gotteshäuser oder Gebetszeiten eingeschränkt werden könnten. "Diesen Weg in die Zukunft" habe das Bundesverfassungsgericht bereits gewiesen. Im vergangenen Jahr rügten die Richter in Karlsruhe den strikten Karfreitagsschutz in als Verstoß gegen das Grundgesetz, weil er keine Ausnahmen zulasse. 

Auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund setzt sich für eine Lockerung des ein. Nötig sei eine "größere Anpassung an die gesellschaftliche Realität" sagte Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des kommunalen Spitzenverbandes der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Donnerstag). Es gehe darum, den Christen die Möglichkeit zu geben, den Karfreitag in Stille zu begehen, ohne anderen ihre Lebensweise vorzuschreiben.

52 Prozent der Deutschen befürworten Tanzverbot 

Trotz der Einschränkungen findet mehr als die Hälfte der Deutschen das Tanzverbot an Karfreitag einer Umfrage zufolge gut. 52 Prozent der Befragten befürworten das Musikverbot in Kneipen und Clubs an dem stillen , wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov mit mehr als 1000 Teilnehmern ergab. 38 Prozent sind demnach dagegen, 10 Prozent machten keine Angabe. Vor allem ältere Menschen sind gegen die Aufhebung des Tanzverbots: Von den Befragten ab 60 Jahren antworteten 62 Prozent entsprechend. 

Das Ergebnis entspricht fast genau den Werten des Vorjahres. 2016 hatten sich 53 Prozent für die Beibehaltung des Verbots für Karfreitag ausgesprochen. 38 Prozent waren für eine Aufhebung.

Das wird an Karfreitag gefeiert

Gläubige gedenken Karfreitag der Leidenszeit und des Todes Jesu. Der biblischen Überlieferung nach wurde der Sohn Gottes an diesem Tag in Jerusalem wegen Aufruhr und Gotteslästerung verurteilt und auf dem Hügel Golgatha gekreuzigt. Schon seit dem frühen Christentum wird der Freitag vor als stiller Tag der Buße, des Fastens und des Gebets begangen.

mod mit DPA
täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools