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19. Juli 2010, 19:53 Uhr

Möbel für Mutter Maria

Ein notorischer Betrüger sitzt jahrelang im Gefängnis. Dort sucht er Halt in der Religion und beschließt, einen eigenen Orden zu gründen. Das Ergebnis: Als Generalabt einer Ordensgemeinschaft betrügt es sich noch leichter. Von Uta Eisenhardt

 
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Den Anschein eines seriösen Geistlichen missbrauchte der Angeklagte für seine Gaunereien© Colourbox

Bruder Salomon*, seines Zeichens Generalabt der Ordensgemeinschaft Mutter Marien, erscheint im vollen Ornat: Schwarzer Talar, dazu trägt der 43-Jährige eine pinkfarbene Kappe, unter der seine rötlichen Locken hervorquellen. Er wolle armen und schwachen Menschen helfen, steht in der Konstitution seiner Ordensgemeinschaft. Für diese bestellte er Möbel, Druckerpatronen und eine Frankiermaschine im Wert von knapp 5500 Euro. Doch auch ein Gottesmann muss zahlen, fanden seine monatelang auf ihr Geld wartenden Gläubiger und zeigten ihn wegen Betruges an.

Erleuchtung im Knast

Der hagere, blassäugige Kinnbartträger kennt das schon: 17 Einträge weist sein Strafregister auf, das die Justiz vor über 20 Jahren für ihn anlegte. Immer wieder versuchte er seine Mitmenschen um ihr Eigentum zu bringen, mit Diebstahl, Urkundenfälschung, Missbrauch von Titeln und Betrug. Jahre verbrachte er deswegen im Gefängnis.

Dort soll auch die Idee zur Gründung einer eigenen Ordensgemeinschaft entstanden sein, der Gefängnispfarrer soll den inhaftierten Betrüger dazu ermutigt haben. Es gelte Religionsfreiheit, man brauche nur eine Konstitution, die man beim Notar hinterlegen müsse, berichtete Bruder Salomon seiner Bewährungshelferin. 2004, an Mariä Himmelfahrt, gründete er mit einer Handvoll Anhänger die Ordensgemeinschaft Mutter Marien "zur größten Ehre Gottes und zur Verherrlichung unserer aller Mutter Maria".

Unbezahlte Möbel für den Orden

Im September 2007 saß der Betrüger wieder in Haft. Er befand sich im offenen Vollzug, was ihn aber nicht an Straftaten hinderte. Diesmal fehlte es an Möbeln für eine neue Fünf-Zimmer-Wohnung im Hohenschönhausener Plattenbau. In diese sollten seine dreiköpfige Familie, zwei Ordensmitglieder und das Büro der Ordensgemeinschaft nebst Kapelle einziehen. Also bestellte der Generalabt Bett, Sofa, Couchtisch, Anbauwand, Kommode, Esstisch, Stühle und einen Geschirrspüler. Den Kaufvertrag unterschrieb er mit "Bruder Salomon" und erteilte eine Einzugsermächtigung für ein zwar beantragtes, aber nie eröffnetes Konto.

Vor Gericht mimt der Ordenschef den Unschuldigen. Er habe zwar damals kein Geld auf dem angegebenen Konto gehabt, dafür aber die Spendenzusage eines 103-jährigen Müncheners. Nicht schriftlich, natürlich: "Das machen Spender nie." Er könne aber nicht sagen, ob der Münchener wirklich Geld hatte.

Leider sei der alte Mann im November 2007 gestorben - ohne die zugesagten 10.000 Euro zu überweisen. Nachdem das Möbelhaus monatelang auf sein Geld gewartet hatte, stellte man Strafanzeige gegen Bruder Salomon. Der überwies dann mit Hilfe einer neuen Spenderin den Großteil der geforderten Summe, 1400 Euro sind bis heute offen.

Betrug zum Zweiten

Hätte Bruder Salomon von da an seine Mitmenschen nicht mehr betrogen, hätte er es geschafft, drei Jahre straffrei zu leben, der Richter wäre bereit gewesen, sein Geständnis mit einer Bewährungsstrafe zu vergelten. Doch: Im letzten Sommer versuchte der Gottesmann - ein umgeschulter Reiseverkehrskaufmann - mit seinen Getreuen eine dreiwöchige TUI-Reise nach Teneriffa im Wert von 19.000 Euro anzutreten, ohne diese zu bezahlen.

Der Richter bietet nun für das Geständnis 18 Monate Haft. Der Angeklagte ziert sich, er habe schließlich bezahlt! Doch am Ende erklärt sein Verteidiger, die Vorwürfe träfen zu: "Aber die Ordensgemeinschaft Mutter Marien gibt es. Da legt er großen Wert drauf, dass er Gutes als Pater getan hat."

Der Richter will dem Angeklagten sein seelsorgerisches Anliegen glauben und sogar annehmen, dass der 103-jährige Münchener tatsächlich spendierwillig war. Doch ob Ordensgemeinschaft oder Kaninchenzüchterverein "Großer Löwenzahn", so der Vorsitzende, alle können nur bestellen, wenn sie Geld haben.

Der dritte Betrugsvorwurf

Ob der Generalabt dieses Gebot je verinnerlicht? Einen Tag bevor der Richter das Urteil in Sachen Möbel verkündet, wird der Angeklagte verhaftet. Die Hamburger Justiz begehrt ihn zu sprechen: Er soll im vergangenen Winter für 2000 Euro im Kempinski-Hotel "Atlantic" logiert haben, nicht ohne die Minibar zu leeren. Die Ordensgemeinschaft würde das übernehmen, soll der Hotelgast damals vorgegeben haben. Das sei er nicht gewesen, behauptet der Beschuldigte. Man habe ihm kurz zuvor seinen Ausweis gestohlen. Bruder Salomon weiß, dass sein irdisches Strafregister gegen diese Version spricht.

Von Uta Eisenhardt
 
 
"Icke muss vor Jericht"

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