. .
News am 01.06.2012
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
7. September 2006, 13:23 Uhr

16 Hektar gute Absichten

Es soll ein Symbol der Freiheit werden und des trotzigen Widerstandes gegen den Terror - das neue World Trade Center in New York City. Bislang ist es allerdings nur eines: Eingezäunte 16 Hektar gute Absichten, um die bis aufs Blut gestritten wird. Von Katja Gloger, Washington

Eine Explosion erschüttert den Südturm des World Trade Centers, nachdem es von einem Flugzeug getroffen wurde. Aus dem zuvor getroffenen Nordturm steigt schwarzer Rauch© Chao Soi Cheong/AP

Der neue Gebäudekomplex soll der Welt beweisen: dieses Land lässt sich nicht unterkriegen - und diese auf Felsen erbaute Stadt schon gar nicht. Es soll eine nationale Gedenkstätte werden, ein Ort kollektiver Trauer. Man rechnet mit zehn Millionen Besuchern jährlich.

Das neue World Trade Center ist eine Mission, kein Bauvorhaben. Bald schon soll auf Ground Zero neues Leben einziehen, Zeugnis auch für die ungestüme Kraft des US-Kapitalismus, quirliges business, Büros, ein paar Wohnungen auch, Glaspaläste, gebaut von den berühmtesten Architekten ihrer Zeit, alles Hightech und alles supersicher. Das neue World Trade Center wird mehr sein als eine Geste. Es soll ein Triumph Amerikas sein.

Und natürlich will man auf Ground Zero auch wieder satt Geld verdienen.

Zum symbolischen 5. Jahrestag der Terroranschläge sollte das neue Areal eigentlich schon fast vollendet sein, mit einem ambitionierten Gesamtkomplex von 10 Gebäuden die Dynamik eines Stadtviertels gefeiert werden. 15 Milliarden Dollar soll die Realisierung des "Ground Zero Master Plan" kosten, private Investitionen, öffentliche Gelder, auch ein paar Spenden.

Ja, man räumte die Trümmer sorgsam beiseite. Suchte nach sterblichen Überresten. Setzte Betonwände gegen die absackende Erde. Errichtete einen Ausguck für Touristen, die rasch einen Blick in die Tiefe werfen, bevor sie zum Discountkaufhaus Century 21 abbiegen, eine der begehrtesten Shopping-Adressen der Stadt.

Null Fortschritt an Ground Zero

Doch fünf Jahre danach klafft auf Ground Zero immer noch ein gähnendes Loch – "es sind 16 Hektar eingezäunter guter Absichten", schrieb das Nachrichtenmagazin Time. Und das war noch nett gemeint.

Dabei hatte New Yorks ehrgeiziger Gouverneur George Pataki mit viel Brimborium schon am 4. Juli 2004 den Grundstein für das ambitionierteste Projekt der Wiederauferstehung gelegt: der Freedom Tower, eine verwegene, lichte Glaskonstruktion von Architektur-Superstar Daniel Libeskind, versehen mit einer himmelhochragenden Spitze, 541 Meter, 1776 Fuß hoch, eine Hommage an die Unabhängigkeit der USA. Zum fünften Jahrestag, so hatte es Patakis, der republikanische Gouverneur mit Präsidentschaftsambitionen, versprochen, sollte das Gebäude im Rohbau stehen - die Freiheitsstatue des 21. Jahrhunderts, das neue Symbol New Yorks, 2,3 Milliarden Dollar teuer.

Das Model des aktuellen Entwurfs des Freedom Towers und der umstehenden Gebäude des neuen World Trade Center Komplexes© Spencer Platt/Getty

Doch zurzeit wird gerade mal an den Fundamenten gearbeitet, und schon das gilt als gewaltiger Fortschritt. Und wie der Freedom Tower am Ende wirklich aussehen wird, weiß im Moment eigentlich auch niemand genau. Ständig wollen neue Komitees mitreden, werden neue Architekten hinzugezogen, die Polizei hatte Sicherheitsbedenken. So viel wurde an seinem Entwurf geändert, dass Libeskind seinen Namen zurückzog.

Der Krach um den Freedom Tower ist symptomatisch: denn um die Wiederauferstehung des World Trade Center und die angemessene Würdigung der Opfer tobt seit Jahren ein hässlicher Streit. Bislang konnte man sich noch nicht einmal auf die endgültige Gestalt der Gedenkstätte einigen. Und bislang steht gerade mal ein neues Bürogebäude, etwas abseits, "7 World Trade Center" lautet die Adresse, es ist ein schickes, ein sehr sicheres Gebäude, doch nur rund 20 Prozent der 52 Stockwerke sind vermietet.

New York Story

Es geht, wie eigentlich immer in New York, um Macht und Milliarden, um Politik und Public Relations und irgendwie auch um Moral. Es geht um eine machtbewusste staatliche Bürokratie, einen ebenso störrischen wie eitlen Großinvestor – und am Ende vielleicht auch noch um die Opfer und ihre Hinterbliebenen. Die Mitglieder diverser Finanz,- Verwaltungs-, Architektur- und Mahnmal-Komitees führen einen zähen Stellungskrieg. Und niemand darf verlieren.

Es ist irgendwie eine typische New Yorker Geschichte.

  zurück
1 2
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
World Trade Center Profit contra Vision

Er war der Gewinner des Architekten-Wettbewerbs für den Wiederaufbau des World Trade Centers, trotzdem hat er jetzt das Nachsehen: Warum Daniel Libeskind die Rolle des Projektleiters an seinen Konkurrenten abgeben muss. mehr...

Ausnahmezustand Das Inferno in New York

"Da steckt was im World Trade Center" - der 11. September war der Tag, an sich die Wolken des Terrors über Manhattan legten und die Stadt am hellichten Tag in Finsternis und Schrecken stürzten. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe